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Ausbau der Verteidigung Griechenland reagiert auf Bayraktar – und entwickelt Drohne wie ein "Flugzeug"

Die Drohne Archytas wird in Griechenland entwickelt
Die Drohne Archytas bei einer Präsentation. Sie soll künftig von den Streitkräften in Griechenland eingesetzt werden.
© EAB
Griechenland will bei der Verteidigung seines Landes auf eine Drohne aus eigener Entwicklung setzen. Das unbemannte Flugobjekt "Archytas" soll dank eines modernen Laser- und Kamerasystems Objekte schnell aufspüren und wie ein "Flugzeug" fliegen können.

Die Mitte September auf der Internationalen Messe in Thessaloniki (DETH) vorgestellte Drohne aus griechischer Entwicklung stößt auf großes Interesse internationaler Beobachter und anderer EU-Mitgliedsstaaten. Das berichtete kürzlich die europäische Organisation Finabel.

Die griechische Luft- und Raumfahrtindustrie EAB entwickelt in Zusammenarbeit mit drei Universitäten aus Thessaloniki, Thrakien und Thessalien das unbemannte Luftfahrzeug (Unmanned Aerial Vehicle, kurz UAV) "Archytas". Dem Vizepräsidenten der EAB, Michail Koronaios, zufolge kann die zwischen 180 und 200 Kilogramm schwere Drohne aus einer Entfernung von bis zu 120 Kilometern gesteuert werden. Sie soll bis zu 120 km/h schnell fliegen und eine Flugdauer von vier Stunden erreichen können. Dabei soll eine Strecke von rund 300 Kilometer zurückgelegt werden können.

"Es handelt sich um ein UAV, welcher kein Quadcopter ist – also nicht im Stil eines Helikopters mit Propeller – sondern ein normales Flugzeug mit Flügeln und einem Benzinmotor", sagte Koronaios der griechischen Tageszeitung "Kathimerini". Für Start und Landung würden Batterien verwendet werden, die durch den Motor wieder aufgeladen werden würden.

Drohne kann vertikal starten und landen

Eine Besonderheit von "Archytas" ist demnach die Funktion "VTOL", wodurch die Drohne vertikal starten und landen kann – eine Eigenschaft, die andere Drohnen nicht besitzen. Das unbemannte Luftfahrzeug soll fast überall zu Boden gehen können – tagsüber wie auch nachts. Das hat sie zwei hochauflösenden Kameras sowie einem Lasersystem zu verdanken. Mithilfe der verbauten Technik soll "Archytas" etwa einen bestimmten Punkt auf einem Berg identifizieren können, an dem ein Hochspannungskabel durchtrennt wurde oder eine Ölverschmutzung im Meer, um daraufhin die genauen Koordinationsdaten zu übermitteln.

Die Drohne mit einer Flügelspannweite von rund sechs Metern soll für verschiedene Zwecke eingesetzt werden können: bei leichten militärischen Operationen wie der Überwachung der Landesgrenzen aber etwa auch bei Rettungseinsätzen wie Bränden und Überschwemmungen.

Griechenlands Antwort auf türkische Bayraktar

Vor allem aber dürfte sie im Bereich der nationalen Verteidigung Gebrauch finden werden. Der Forschungsdirektor der EAB, Nikos Koklas, sagte, dass sich die Drohne "perfekt für den Schutz des griechischen Territoriums und der Inseln" eigne. Strecken zwischen den zahlreichen, griechischen Inseln sollen demnach schnell zurückgelegt werden können. Beispielsweise soll Archytas Kriegsschiffe begleiten und unbemannte Schiffe mit hoher Geschwindigkeit aufspüren können. Ursprünglich soll das UAV keine Waffen tragen, kann bei Bedarf aber mit leichten Waffen ausgestattet werden.

Mit der Entwicklung seiner eigenen Drohne hat sich Griechenland dazu entschlossen, in dem Bereich unabhängig von einem EU-Projekt zu sein. Denn das "European MALE RPAS" sieht unter der Leitung von Frankreich, Deutschland, Italien und Spanien bis 2030 die Entwicklung und Nutzung der Eurodrohne vor. Archytas soll eine Antwort auf Türkeis Drohungen im Inselstreit sowie die anhaltenden Luftraumverletzungen sein – und auch auf die türkische Kampfdrohne Bayraktar TB2, welche derzeit im Ukraine-Krieg zum Einsatz kommt.

Bis Mitte Oktober waren Testflüge der griechischen Drohne angesetzt, bevor der Bau eines ersten Prototyps den Plänen zufolge bis zum Jahresende beginnt. Archytas soll schließlich bis Ende kommenden Jahres hergestellt und im März 2024 beim griechischen Militär in den Einsatz gehen.

Quellen: Finabel, Kathimerini, Ant1 News, BMVg

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