HOME

Haftbefehl gegen Muammar al Gaddafi: Libyens Dikator weltweit gesucht

Vom Revolutionsführer zum weltweit gesuchten Kriegsverbrecher: Richter des "Weltstrafgerichts" halten die schweren Vorwürfe gegen Muammar al-Gaddafi für glaubwürdig - und ordnen seine Festnahme an. In Libyen feiern die rebellen den Erlass. Es ist erst das zweite Mal, dass der Strafgerichtshof einen Haftbefehl gegen einen regierenden Machthaber erlässt.

Der libysche Machthaber Muammar al Gaddafi und zwei seiner engsten Verbündeten werden jetzt als mutmaßliche Kriegsverbrecher weltweit mit Haftbefehl gesucht. Der Internationale Strafgerichtshof (IStGH) in Den Haag erließ am Montag Haftbefehle gegen Gaddafi (69), dessen Sohn Saif al-Islam (39) und Geheimdienstchef Abdullah Senussi (62), einen Schwager Gaddafis. Die IStGH folgte der Staatsanwaltschaft, die den drei Männern Morde an hunderten Zivilisten, Folter, militärische Gewalt gegen Zivilisten und organisierte Massenvergewaltigungen vorwirft.

Freudenschüsse in befreiten Gebieten

Nach der Ausstellung des Haftbefehls ist in den Hochburgen der libyschen Regimegegner zu den landesüblichen Freudenbekundungen gekommen. Menschen schossen mit ihren Handfeuerwaffen in die Luft, Fahnen wurden geschwenkt, Autohupen betätigt, berichteten BBC-Reporter aus Bengasi und Misrata.

Der Übergangsrat der Aufständischen in Bengasi begrüßte die richterliche "Beförderung" Gaddafis zum gesuchten Kriegsverbrecher ausdrücklich. "Jetzt gibt es für ihn keinen Fluchtort mehr", sagte Übergangsrat-Sprecher Mustafa al-Gherijani der Nachrichtenagentur dpa am Montag.

Erst der zweite Haftbefehl gegen Diktator

Der Haftbefehl des Internationalen Strafgerichtshofs (IStGH) gegen den libyschen Diktator ist weltweit erst der zweite gegen einen regierenden Machthaber. Zuvor hatte das Gericht in Den Haag lediglich einen Haftbefehl gegen den sudanesischen Präsidenten Omar al-Baschir ausgestellt. Gaddafi ist anders als Baschir nicht Staatschef, hält aber als "Revolutionsführer" alle Fäden in der Hand.

liri/DPA / DPA