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Hitler-Stellvertreter exhumiert: Grab von Rudolf Heß aufgelöst

Er war Hitlers Stellvertreter und sein Grab eine Pilgerstätte für Neonazis: Nun ist die Grabstätte von Rudolf Heß im bayerischen Wunsiedel einem Medienbericht zufolge aufgelöst worden. Seine Gebeine wurden exhumiert und auf offener See bestattet.

Das Grab des ehemaligen Hitler-Stellvertreters Rudolf Heß im bayerischen Wunsiedel ist nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" aufgelöst worden. Die Grabstätte wurde in der Nacht zum Mittwoch zwischen 4.00 und 6.00 Uhr morgens geöffnet, wie die Zeitung berichtet. Die Gebeine von Rudolf Heß seien mit Zustimmung seiner Erben exhumiert worden und sollten nun verbrannt und anschließend auf offener See bestattet werden.

Neonazis hatten in der Vergangenheit immer wieder Gedenkmärsche in Wunsiedel abhalten wollen, was aber zuletzt auch vom Bundesverfassungsgericht untersagt worden war. Heß war 1946 bei den Nürnberger Kriegsverbrecherprozessen zu lebenslanger Haft verurteilt worden.

Märtyrer für die rechte Szene

Von 1966 an war der einstige Hitler-Stellvertreter der einzige Insasse des Kriegsverbrechergefängnisses in Berlin-Spandau. Am 17. August 1987 nahm er sich im Alter von 93 Jahren das Leben und wurde in Wunsiedel beerdigt. Seitdem gilt er in der rechtsradikalen Szene als Märtyrer.

Der Vorstand der evangelischen Kirchengemeinde in Wunsiedel hatte dem Wunsch von Heß, dort beerdigt zu werden, laut "SZ" 1987 zunächst zugestimmt. Doch wegen der häufigen Demonstrationen von Rechtsradikalen strebten die Kirchenvertreter dem Bericht zufolge die Auflösung des Grabes an.

Als nun der Pachtvertrag auslief, habe die Kirchengemeinde eine Verlängerung verweigert, berichtete die Zeitung weiter. Zunächst habe eine Heß-Enkelin gegen diesen Schritt geklagt, doch schließlich habe sich die Familie überzeugen lassen, die Auflösung des Grabes zu akzeptieren.

be/AFP / AFP
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