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Hitze-Wochenende: Heiß, heißer, Deutschland

Deutschland schwitzte am heißesten Wochenende des Jahres: Die Bäder voll, die Küste überbelegt. Manch einem stieg die Hitze zu Kopf. In Berlin musste die Polizei einen Freibadeingang sichern.

Abkühlung dringend gesucht: Ob in der Lausitz in Brandenburg, in der Hauptstadt Berlin, in Frankfurt am Main oder am Meer - fast überall in Deutschland gab es am bislang heißesten Wochenende des Jahres einen Sturm aufs kühle Nass der Badeseen, Freibäder oder Meeresstrände. In Berlin musste die Polizei eingreifen, weil es bei der Sahara-Hitze zu Tumulten kam.

So heiß, dass sich die Schienen biegen

Mehr als 40 Grad - wie zunächst erwartet - wurde es nirgends. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) teilte jedoch mit, dass am Samstag im südbadischen Rheinfelden mit 38,6 Grad die höchste Tagestemperatur in ganz Europa gemessen worden sei. Am Sonntag schwitzten und ächzten die Menschen vor allem im Süden und Osten der Republik erneut bei Temperaturen über 30 Grad - im Norden und Westen war es nach zum Teil heftigen Gewittern etwas kühler. Am Sonntag kam es am Sonntag zu heftigen Unwettern.

Auf einer S-Bahn-Strecke im Osten von München verformte die Hitze am Sonntag die Gleise. Ein Zugverkehr auf dem betroffenen Abschnitt sei nicht mehr möglich, teilte die Bahn mit. Eine derartige Verformung komme äußerst selten vor.

Seenland - nur die Palmen fehlen

Die "Straße zur Südsee" hält, was sie verspricht: Strand, Sonne, Schattenplätze, Eiscafé, Marina, Bootsverleih - fast alles, was das Herz von Urlaubern und Ausflüglern begehrt. Der Andrang im Lausitzer Seenland, wo es an diesem warmen Wochenende mit am heißesten war, ist besonders groß. Nur an Palmen fehlt's hier im Revier - dem ehemaligen Braunkohlerevier an der Grenze zwischen Brandenburg und Sachsen.

Vor 40 Jahren wurde hier am Senftenberger See der erste Strand zum Baden eröffnet. Mittlerweile ist das Seenland mit seinen gefluteten Tagebauen kein Geheimtipp mehr. "Das Seenland zieht von Jahr zu Jahr mehr Besucher an", sagt Steffen Johne, Chef des Wassersportzentrums in Großkoschen unweit von Senftenberg. Bis 2017 sollen zehn Gewässer mit insgesamt 7000 Hektar Fläche durch zwölf Kanäle verbunden sein. "Dann dürften noch mehr Gäste kommen - egal, ob es so ein Hitzewochenende wie dieses oder ein ganz normales ist."

Bei der Wasserwacht des Deutschen Roten Kreuzes herrscht indessen gespannte Aufmerksamkeit. "Wir sind an diesem Wochenende mit mehr Leuten als sonst im Einsatz", sagt ein Mitarbeiter. "Bei der Hitze passiert möglicherweise mehr als sonst, auch junge Leute überschätzen da schon mal ihre Kräfte."

Panik in Pankow

In Berlin wurde wegen des heftigen Besucheransturms die Polizei ins Sommerbad Pankow gerufen. Die Beamten berichteten von Tumulten im Eingangsbereich. "Es ist mehr als voll", sagte eine Mitarbeiterin. Seit die Polizei da sei, gehe es jedoch "gesitteter" zu.

Auch bei anderen Bädern in der Hauptstadt war der Andrang groß. So tummelten sich im Strandbad Wannsee am Sonntag mehr als 10.000 Besucher, wie Leiter Axel Ott schätzte, rund 3000 mehr als am Vortag. Das Bad habe Platz aber für mehr als doppelt so viele Badegäste.

Auch in Hessen hatten Zehntausende Abkühlung gesucht. "Die Leute stehen hier Schlange, das ging heute Morgen um 8 Uhr schon los", sagte eine Mitarbeiterin des Stadion-Bads in Frankfurt am Samstag. Im Eschersheimer Freibad war es bis zum Abend rappelvoll.

Die Küste ist überbelegt

Und auch am Meer im Norden gab es einen Ansturm. Die Küste sei "rauf und runter voll", sagte am Sonntag Olaf Dose-Miekley, Tourismusdirektor vom Ostseebad Grömitz. "Die Strandkörbe sind belegt und das Wasser voll mit Badenden und Wassersportlern."

Petra Strutz und Volker Petersen/DPA / DPA