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Japans Walfang-Saison beendet: Tierschützer vertreiben japanische Waljäger

Drei Boote und ein Helikopter: So viel Einsatz brauchte es, um Japans Walfangmission zu stoppen. Zumindest für diese Saison. Nach Störungen der Umweltaktivisten Sea Sheppard rief die japanische Regierung die Fangschiffe zurück.

Nach einer Serie riskanter Störaktionen von Tierschützern hat Japan seine Walfangsaison in der Antarktis vorzeitig beendet. Angesichts der "anhaltenden Bedrohung" durch Aktivisten der Bewegung Sea Shepherd würden die Schiffe zurückgerufen, sagte Fischereiminister Michihiko Kano am Freitag. Japan bestellte die Botschafter Australiens, Neuseelands und der Niederlande ein, während Tierschützer das frühe Jagdende feierten.

Normalerweise dauert die Walfangsaison bis Mitte März. Kano begründete das vorzeitige Ende damit, dass die Sicherheit der Besatzung nicht mehr gewährleistet sei. Das Fabrikschiff "Nisshin Maru" werde seit Monaten von Sea Shepherd bedrängt und sei selbst nach einer vorübergehenden Unterbrechung des Einsatzes vergangene Woche weiter verfolgt worden.

Die Walschützer aus den USA sorgen immer wieder mit spektakulären Aktionen für Schlagzeilen. Sie werfen regelmäßig Stinkbomben auf Walfangschiffe, fangen deren Propeller mit Schlingen ein oder fahren mit ihren Booten in die Schusslinie der Harpunen. Weltweit bekannt wurde die von Hollywood-Stars wie Sean Penn und Pierce Brosnan unterstützte Organisation vor einem Jahr nach dem Zusammenstoß ihres Schnellboots "Ady Gil" mit einem Walfänger.

Diesmal sei Sea Shepherd mit drei Booten und einem neuen Helikopter vor Ort gewesen, sagte ihr Gründer Paul Watson. Er bezeichnete den Abbruch der Walfangsaison in der Antarktis als "großartige Nachricht". Die Aktivisten würden die Walfänger begleiten, bis diese das Walschutzgebiet verlassen hätten. Watson zeigte sich hoffnungsvoll, dass es der Gruppe gelingen könne, Japan bald ganz von der Jagd abzubringen.

Japanische Regierungsmitglieder machten aus ihrer Verärgerung kein Hehl. Nach Angaben von Regierungssprecher Yukio Edano wird sein Land den Walfang nicht aufgeben. Die diesjährige Saison war für Japan allerdings enttäuschend: Die Walfänger erbeuteten nur 172 Wale, ein Fünftel der angestrebten Menge. Dennoch sind die japanischen Lager mit Walfleisch nach Angaben der Umweltschutzorganisation Greenpeace gut gefüllt. Grund sei die sinkende Nachfrage.

Die Internationale Walfangkommission (IWC) setzte 1986 ein Moratorium für den kommerziellen Walfang in Kraft. Japan nutzt allerdings die Möglichkeit, jedes Jahr hunderte Meeressäuger zu Forschungszwecken zu töten - verhehlt aber nicht, dass das Walfleisch verzehrt wird. Nach seiner Auffassung handelt es sich beim Walfang um eine jahrhundertealte Tradition, die nicht verloren gehen dürfe.

Aus Protest gegen die ständigen Störaktionen von Sea Shepherd bestellte Außenminister Seiji Maehara die Botschafter von Australien, Neuseeland und den Niederlanden ein. Er warf ihren Ländern vor, die "Zerstörungsaktionen" der Tierschützer zu unterstützen, indem sie die Boote unter ihrer Flagge fahren ließen und ihnen Einfahrt in ihre Häfen gewährten. Die Botschafter seien "mit Nachdruck" aufgefordert worden, weitere Störaktionen zu unterbinden.

Australien und Neuseeland äußerten dagegen die Hoffnung, dass Japan womöglich bald ganz auf seinen Walfang verzichten werde. Australien hatte vergangenes Jahr beim Internationalen Gerichtshof Klage eingereicht, um auch die Jagd für Forschungszwecke zu verbieten.

AFP / AFP