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J. Engelmann: "Jede Woche, Baby!": Wie geht es weiter?

stern-Stimme Julia Engelmann kann nicht anders: Sie möchte immer wissen, wie es weitergeht. Egal ob es sich um Serien handelt oder um ihr Leben. Aber eigentlich strebt sie danach im Moment zu leben. Ein Paradox.

Am Ende eines Tunnels ist Licht

stern-Stimme Julia Engelmann fragt sich immer wieder, wie es weiter geht

Mein Leben ist eine Kette aus serienartigen Cliffhangern. IMMER will ich wissen, wie es weitergeht. Und danach wieder. Und danach wieder. Es ist immerhin sinnvoll und eine intuitive Sache, darüber nachzudenken, lebenserhaltend sogar. Ohne die Frage nach der Zukunft würde ich mich vielleicht nicht mal rechtzeitig mit Trinkwasser versorgen.

Aber manchmal ist es auch etwas zu viel für meinen Geschmack. Da gibt es Tage, an denen ich mir diese Frage laut an jedem Laternenpfeiler stellen möchte. Weil ich an diesen Tagen dann auf dem Weg von Laternenpfeiler 1 zu Laternenpfeiler 2 über tausend mögliche Zukunftsszenarien nachdenke und immer wieder zu neuen Ergebnissen komme. Das ist nicht mehr sinnvoll, das ist schon mindestens latent stressig-kontraproduktiv.

Und es ist paradox. Denn es widerspricht sich mit meinem Wunsch, gut im Moment zu leben und meiner täglichen Suche nach Methoden dafür. Ich feiere diese Momente, in denen ich den Moment lebe, nämlich extrem. Ich genieße sie, manchmal sogar öfter als nur einmal, nämlich dann noch mal, wenn ich mich an sie erinnere. Das ist so eine Art Lebensgefühlrecycling, gute Erinnerungen sind gut für die Umwelt. Aber diesem Wunsch nach Langsamkeit, nach Momentminimalismus, nach Entspannung widerspricht doch diese ewige Cliffhanger-Neugier:

"Wie geht es weiter?"

Und nicht nur die Frage an sich ist murmeltiertagmäßig, die Antwort ist nich viel schlimmer. Die ist redundant und weder revolutionär, noch exclusiv:

"Ich weiß es nicht, es gibt einfach so verdammt viele Möglichkeiten!!!"

Und nicht nur gibt es viele Möglichkeiten, nein, es gibt auch so viele mögliche gute Sichtweisen auf alles. Die go-with-the-flow-Sichtweise. Die von-nichts-kommt-nichts-Sichtweise. Die wer-weiß-wofür-alles-gut-ist-Sichtweise. Dann noch so Sachen wie work-hard-play-hard, lieber-den-Spatz-in-der-Hand und ohne-Spaß-kein-Fun. Und dann noch so Sichtweisen-Joker wie das Bauchgefühl, Prioritäten und Effizienz. Und Karma.

Eine gute Antwort auf die Frage zu finden ist wie ein unfassbar kompliziertes Subway Sandwich zusammenzustellen, auf einem großen, mehrstöckigen Schachbrett, das die ganze Zeit in Bewegung ist (wie ein Zauberwürfel, wenn er gelöst wird, nur andersrum). Und das alles für einen Restaurantkritiker, dessen Geschmack man nicht kennt.

Aber sollte ich eigentlich immer wissen wollen, wie es weitergeht?

Ich habe schon so viele Serien gesehen, staffelweise. Und immer wollte ich wissen wie es weitergeht. Bei "Breaking Bad" war es so akut, dass ich nach nächtelangem Bingewatching eine Folge vor Schluss im Halbschlaf die Inhaltsangabe (!!!) der letzen Folge bei Wikipedia nachgelesen habe, um endlich schlafen zu können. So dringend wollte ich das wissen. Und jetzt? Jetzt weiß ich kaum noch was passiert ist.

 Ich will nicht, dass das mit meinem Leben so ist. Ich will nicht die ganze Zeit neugierig sein, wie es weitergeht, um dann am Ende alles vergessen zu haben. Am Seriengucken ist auch nie das Fertigwerden das Gute. Das Gute sind die einzelnen Folgen. Die Momente.

Sicher muss ich einige Dinge planen, sicher ist auch die Gegenwart nur eine Schnittstelle aus Vergangenheit und Zukunft und damit immer Produkt der Tatsache, dass alles weitergeht. Und sicher wird der neugierige Teil in mir immer wissen wollen, was nach dem Cliffhanger kommt. Aber der restliche Teil von mir sagt mir, dass ich alles versuchen will, manchmal so zu tun, als ob es nicht so ist. Dass ich alles versuchen werde, um so oft wie möglich im Moment zu leben wie jemand, der noch nie etwas vom nächsten Schritt gehört hat. Ist das denn wirklich so schwer? Ich will doch einfach nur zufrieden sein.

Mein Soundtrack zum Text: Crystalised - The xx (Gorillaz Cover)

Themen in diesem Artikel
kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(