Lebensmittelskandal Gammelfleisch erreicht Ausland

Der Gammelfleischskandal weitet sich aus. Der betroffene Fleischhandel aus München hat Gastronomie-Betriebe in ganz Deutschland und anderen europäischen Ländern beliefert.

"Das ganze Ausmaß ist noch nicht absehbar." Die zuständigen EU-Behörden seien informiert. Das Landesgesundheitsamt geht nach ersten Untersuchungen nicht von einer Gefahr für die Verbraucher aus.

Am Freitag wurde ein weiterer Fall in Niederbayern bekannt. Dort wurden bei einem Unternehmen in Metten im Landkreis Deggendorf mehr als 40 Tonnen möglicherweise verdorbenes Fleisch sichergestellt. In beiden Betrieben waren die Haltbarkeitsdaten der Fleischprodukte zum Teil um mehrere Jahre überschritten. Einen Zusammenhang zwischen beiden Fällen sieht die Polizei aber nicht.

Die Grünen warfen der bayerischen Staatsregierung angesichts der Häufung der Fleischskandale erschreckende Lücken im Verbraucherschutz vor. Die Bundesregierung zeigte sich verärgert über die Informationspolitik der bayerischen Behörden. Der Gammelfleisch-Fund sei seit einer Woche bekannt, doch die Informationen kämen nur "tröpfchenweise beim Bund" an, kritisierte der Staatssekretär im Bundesverbraucherschutzministerium, Gert Lindemann, in einem dpa- Gespräch.

Bei dem am Donnerstag sichergestellten Fleisch in dem Münchner Kühlhaus hat sich der Verdacht auf verdorbene Ware bestätigt. Nach dem Auftauen hätten mehrere Proben des Fleischs "grünlich und Ekel erregend" ausgesehen, sagte ein Sprecher des Kreisverwaltungsreferats.

Das Landesgesundheitsamt bezeichnete die Ware als "ranzig, muffig, alt und fremdartig". Trotzdem habe es zunächst keinen Hinweis auf Gesundheitsgefährdung gegeben, sagte der Präsident des Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, Volker Hingst, in Erlangen. Wenn das Fleisch verdorben ist, müsse dies nicht bedeuten, dass es auch gesundheitsgefährdend ist. "Es wird einem in aller Regel nichts ausmachen." Das Amt hat zunächst 20 Proben aus dem Münchner Betrieb untersucht. Auch aus Niederbayern ist bereits Fleisch zu dem Amt nach Erlangen gebracht worden.

Der Geschäftsführer der Münchner Firma war nach Angaben der Polizei am Freitag nach einem Verhör wieder auf freiem Fuß. Zunächst müsse geklärt werden, ob das verdorbene Fleisch tatsächlich an Kunden geliefert wurde, sagte ein Sprecher. "Wir müssen die genauen Vertriebswege klären." Zu der Ware gehörten auch tonnenweise Döner- Spieße.

Gegen den 53-jährigen Inhaber der Fleischzentrale im niederbayerischen Metten mit Schlacht- und Zerlegebetrieb wird bereits wegen Betrugsverdachts und Verstößen gegen das Lebensmittelrecht ermittelt. Die Fahnder sind nach eigenen Angaben vor wenigen Tagen durch einen Zeugenhinweis auf den Fleischunternehmer aufmerksam geworden. Nun müsse bei der Untersuchung von Proben herausgefunden werden, ob das beschlagnahmte Fleisch noch zum Verzehr geeignet ist oder nicht, sagte Polizeisprecher Manfred Brückl. "Die Ermittlungen stehen noch am Anfang." Es handele sich ausschließlich um tiefgefrorene Nahrungsmittel.

Rheinland-pfälzische Behörden stellten unterdessen in Betrieben in Mainz und Kaiserslautern eventuell verdorbene Lebensmittel sicher. Die Unternehmen sind nach Angaben des Verbraucherschutzministeriums in Mainz von einer bayerischen Firma beliefert worden, bei der in dieser Woche verdorbene Lebensmittel gefunden worden waren.

Bayerns Verbraucherschutzminister Werner Schnappauf (CSU) kündigte an, mit aller Konsequenz und Härte der Gesetze gegen die Verantwortlichen vorzugehen. Die Grünen im Landtag warfen Schnappauf vor, den Bürgern nach den vergangenen Skandalen eine Scheinsicherheit vorgegaukelt zu haben.

Für Verbraucherschützer Thilo Bode sind die bisherigen Gesetze nicht ausreichend, um Verbraucher vor Gammelfleisch zu schützen. "Es müssen endlich Gesetze her, die für mehr Transparenz sorgen. Die Namen der Gammelfleischbetriebe müssen veröffentlicht werden und die Strafen müssen härter werden, sonst wird sich nichts ändern", sagte der Vorsitzende der Verbraucherorganisation Foodwatch im "ZDF- Mittagsmagazin". "Es ist wichtig zu verstehen, dass es sich hier um ein politisches Problem handelt und die Verbraucher viel weniger Rechte haben als die Nahrungsmittelindustrie", sagte Bode.

Reuters Reuters

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