Medien Im Fernsehen und Radio wird es ernster


Die Sender reagieren mit Programmänderungen auf den erwartetenIrak-Krieg, der spaßfaktor wird zurückgefahren. Erstes 'Opfer': der Hit "Sex Bomb" und Comedy werden gestrichen.

Es wird auch im Fernsehen und Radio Ernst: Fast alle Sender bereiten Programm-Änderungen für den Kriegsfall vor. Berichterstattung und Analyse zum erwarteten Militärschlag der USA gegen Irak werden viele gewohnte Sendungen verdrängen. Unterhaltung soll auf Sendefähigkeit hin überprüft werden. RTL-Sprecher Matthias Bolhöfer sagte am Mittwoch in Köln: "Der Spaßfaktor wird natürlich zurückgefahren."

Aus für Schenkelklopfendes

Auch ARD-Sprecher Burchard Röver sagte: "Wenn die Bomben fallen, wird es bei uns sicher nichts Schunkeliges und Schenkelklopfendes geben." Das Erste werde „in der heißen Phase zum reinen Infosender mutieren“. Der Tag beginnt mit dem "Morgenmagazin" und endet mit dem "Brennpunkt" gegen 20.30 Uhr oder später. Das Hauptgeschehen werde sich aber hauptsächlich in der Nacht abspielen, sagte Röver. Darüber soll live berichtet werden.

Kein Programm mit Trauerflor

Die Dritten Fernsehprogramme der Landesrundfunkanstalten werden ebenfalls vor allem Information, Diskussion und Analyse anbieten, wie WDR-Fernsehprogrammchef Gabriel Heim sagte. Aber: "Wir werden sicherlich kein Programm mit Trauerflor senden."

NDR verzichtet auf extreme Humorsendungen

Der NDR will auf "extreme Humorsendungen" verzichten. "Wir werden von Tag zu Tag entscheiden, welche Sendungen noch vertretbar sind", sagte Sprecher Ralph Coleman. Der SWR will an den ersten Kriegstagen nur Informationssendungen senden. "Zu Kriegsbeginn kann es keine Sendung 'Fröhlicher Alltag' geben", sagte ein Sprecher.

Auch "Wetten, dass..." wackelt

Beim ZDF werden ebenfalls gewohnte Programme von der aktuellen Berichterstattung verdrängt. Unterhaltung soll vor der Sendung "sehr genau" geprüft werden, wie der Leiter der Programmplanung, Martin Berthoud, sagte: "Wir werden keine unangemessenen Beiträge haben." Die Lästersendung "Blond am Freitag" beispielsweise wäre im Fall des Kriegsausbruchs "sehr fraglich". Ausgeschlossen seien auch nicht Konsequenzen für "Wetten, dass...?".

RTL: Keine Anti-Comedy-Direktive

Marktführer RTL schließt Programmänderungen nicht aus, aber "es gibt nicht die klare Direktive: Sobald es Krieg gibt, wird keine Comedy mehr ausgestrahlt", sagte Bolhöfer. Man gehe davon aus, "dass das Bedürfnis der Zuschauer, sich rund um die Uhr zu informieren, mit der Dauer des Krieges abnimmt".

Sat1 und ProSieben erklärten, sie planten noch keinerlei Programmänderungen wegen des drohenden Kriegs. Comedy-Star Kaya Yanar sagte, er könne den Krieg nicht ignorieren. "Es ist eine Gratwanderung." Die Musik-TV-Sender VIVA und VIVA Plus mischen sich in die Politik ein: Sie senden statt ihres Kennzeichens ein Friedens-Logo, rufen die Zuschauer auf, "Flagge zu zeigen" und haben unter anderem den alten "Peace Button" der Friedensbewegung reaktiviert.

N-tv setzt voll auf Nachrichten

N-tv hat einen Notfallplan, wonach an den ersten fünf Tagen nur noch Nachrichten gesendet werden. Einzig Wirtschaftsmeldungen würden in veränderter Form weitergeführt, hieß es. Phoenix verdoppelt das Personal und hat zusätzliche Satellitenplätze angemietet. Außerdem wird ein Laufband mit aktuellen Agenturmeldungen eingerichtet, wie Sprecherin Regina Breetzke in Bonn erklärte.

Musikfarbe wird gedämpft

Im Hörfunk, auf öffentlich-rechtlichen ebenso wie auf privaten Kanälen, soll nach Kriegsausbruch keine fröhliche Musik mehr erklingen. So hieß es beim Bayerischen Rundfunk, die Musikfarbe werde entsprechend gedämpft. Die Münchner Lokalsender "Radio Gong" und "Energy" wollen außerdem Comedy-Sendungen aus dem Programm nehmen. "Energy"-Chef Stefan Ibelshäuser sagte: "Alle Blödelein werden gestoppt." Antenne Bayern will Comedy-Sendungen und Gewinnspiele komplett streichen.

"Ruhige instrumentale Musik"

Beim hessischen Hitradio FFH soll im Kriegsfall auf "ruhige instrumentale Musik" umgestellt werden, wie Sprecher Dominik Kuhn mitteilte. Gewinnspiele würden gestrichen. Die Popwelle SWR3 in Baden-Baden hat ihre Aktion "Expedition Elch" ausgesetzt, bei der Hörer einen Urlaub gewinnen können. Radio Schleswig-Holstein (RSH) will nach den Worten von Programmdirektor Axel Hose bei Kriegsausbruch zum Beispiel Rock-Musik durch ruhigere Titel ersetzen. Programmdirektor Tino Sperke vom Privatsender Ostseewelle in Rostock sagte, in den aktuellen Sendungen würden Reaktionen von Menschen aus der Region gesendet, darunter auch von Ausländern, vor allem Irakern.

Auch Sachsen spielt 'gedeckte' Musik

Radio SAW, der größte Privatsender in Sachsen-Anhalt, hat sein Programm bereits in der Nacht zum Mittwoch umgestellt. "Hoppsassa-Trallala-Titel" seien durch "gedeckte" Musik ersetzt worden. Auch MDR1 Radio Sachsen-Anhalt sendet keine Stimmungsmusik mehr.

"Sex-Bomb" auf dem Index

Beim sächsischen privaten Hörfunksender Radio PSR werden nach Angaben von Sprecherin Marion Schmidt Comedy-Elemente zunächst komplett gestrichen und auch das Gewinnspiel "Cash Call" eingestellt. Songs wie "Sex Bomb" oder Bands wie Bomb The Bass sollen im Kriegsfall nicht mehr gespielt werden.


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