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Oberharzer Wasserregal wird Weltkulturerbe: Wasser marsch!

Niedersachsens Kulturministerium kann feiern: Die Unesco hat am Samstag die Teiche, Gräber, Stollen und Wasserläufe des "Harzer Wasserregals" zum Weltkulturerbe erklärt.

Zum Weltkulturerbe gehört nun auch das historische Wassersystem im Oberharz, das im Mittelalter angelegte "Harzer Wasserregal". Das UNESCO-Welterbekomitee beschloss am Samstag in Brasilia einstimmig, die im Harz bereits bestehende Welterbestätte aus der früheren Grube Rammelsberg und der Altstadt von Goslar um das Wassersystem zu erweitern. Ebenfalls neu aufgenommen wurden unter anderen das Hochland im Herzen Sri Lankas, ein Meeresschutzgebiet bei Hawaii, das Bikini-Atoll und die Marshall-Inseln.

Der Antragsteller, das niedersächsische Kulturministerium, teilte die Entscheidung am Sonntagmorgen in Hannover mit. Die Oberharzer Wasserwirtschaft ist ein System aus Teichen, Gräben, Stollen und Wasserläufen, das ab dem Mittelalter für die Versorgung des Harzer Bergbaus mit Wasserkraft errichtet wurde. Die niedersächsische Kulturministerin Johanna Wanka bezeichnete es als "das größte seit dem Mittelalter weiter entwickelte montane Wasserwirtschaftssystem der Welt" und das bedeutendste vorindustrielle Energieversorgungssystem. Die Aufnahme in die Welterbeliste sei eine "berechtigte Auszeichnung für dieses Meisterwerk menschlicher Schöpfungskraft".

Das auch Oberharzer Wasserregal genannte System trieb früher die Wasserräder der Harzer Bergwerke an, die so ihre Entwässerungspumpen ständig in Bewegung halten konnten. Für die Wasserwirtschaft wurden im Mittelalter und der frühen Neuzeit 149 Stauteiche, rund 500 Kilometer Gräben, 160 Kilometer Wasserstollen und 30 Kilometer größere Wasserläufe angelegt. Für den Abbau von Silber, Blei und Kupfer blieb die Wasserkraft bis ins späte 19. Jahrhundert die einzige Energiequelle. Das Wasserversorgungssystem geht auf die Mönche des Klosters Walkenried zurück. Der gotische Bau und drei Schachtanlagen aus dem 19. Jahrhundert sind ins Weltkulturerbe einbezogen.

Everglades und madagassische Regenwälder auf Roter Liste

Ebenfalls am Samstag wurde bekannt, dass weitere sieben Orte in die Welterbe-Liste aufgenommen wurden. Nun gehören auch das Bikini-Atoll und die Marshall-Inseln dazu. In den 40er und 50er Jahren erprobten die US-Streitkräfte dort ihre Atombomben. Diese Tests hätten schwerwiegende Folgen auf die geologische Beschaffenheit und die Umwelt der Atolle gehabt, weshalb sie den "Aufbruch ins Nuklearzeitalter" symbolisierten, hieß es in einer Mitteilung der UNESCO. Außerdem wurde verkündet, dass des Turaif-Gebiet in Saudi-Arabien aufgenommen wurde, ebenso wie die Orte früherer australischer Strafkolonien, ein Schrein in Ardabil im Iran sowie der historische Basar von Täbris, das ebenfalls im Iran liegt. Außerdem dürfen sich nun auch die historischen Dörfer Hahoe und Yangdong in Südkorea zum Welterbe zählen.

Bereits am Freitag (Ortszeit) hatte der Welterbe-Ausschuss der UN-Organisation in Brasilia neue Stätten bekanntgegeben. Die srilankischen Gebirgswälder seien Orte mit einer außergewöhnlichen Tier- und Pflanzenwelt, die besonders wegen der großen Artenvielfalt geschützt werden müssten. Sie liegen bis zu 2.500 Meter hoch. Mehrere bedrohte Tierarten wie eine Primatenart und der srilankische Leopard leben dort.

Papahanaumokuakea liegt im Nordwesten Hawaiis und gilt für die Kultur der Ureinwohner sowie wegen der Korallenriffe und Lagunen als bedeutsam. Die Ansammlung von Inseln und Atollen erstreckt sich über eine Länge von mehr als 1.900 Kilometern.

Die UNESCO setzte die amerikanischen Everglades und die Atsinanana-Regenwälder Madagaskars auf die Rote Liste des bedrohten Welterbes. Das tropische Marschland im US-Staat Florida sei aus demselben Grund gefährdet, aus dem es von 1993 bis 2007 schon einmal auf der Liste gestanden habe: dem Abzweigen von Wasser in Städte. Die madagassischen Regenwälder werden dem Ausschuss zufolge wegen illegalem Abholzen und der Jagd auf vom Aussterben bedrohte Lemure gefährdet. Der Ausschuss beklagte, dass trotz eines Verbots von Rodung und Export von Palisander und Ebenholz Madagaskar die Ausfuhr der Tropenhölzer genehmige. Er kritisierte auch, dass Länder unter den Abnehmern seien, die die Konvention für das Welterbe ratifiziert hätten.

APN / APN