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Ölpest im Golf von Mexiko: BP gelingt Abtrennung von Steigrohr

Endlich ein kleiner Erfolg für BP: Dem Ölkonzern gelang es, die Steigleitung abzutrennen, aus der seit Wochen Öl austritt. Der schwierigste Teil der Operation steht aber noch bevor. Inzwischen ist der Ölteppich auf fast 25.000 Quadratkilometer angewachsen.

Nach mehreren Fehlschlägen ist den Experten des Energiekonzerns BP nun ein Teilerfolg bei der Eindämmung der Ölpest im Golf von Mexiko gelungen. Mit einer riesigen hydraulischen Zange durchtrennten sie am Meeresboden die defekte Steigleitung, aus der seit Wochen Öl ins Meereswasser strömt, wie Küstenwachen-Admiral Thad Allen mitteilte.

In einem weiteren Schritt sollte über die Schnittstelle ein Trichter gesenkt werden, der das austretende Öl an die Meeresoberfläche pumpt. Über den möglichen Erfolg dieses Vorhabens ließen sich zunächst noch keine Aussagen treffen. Allen sprach von einer "herausfordernden Aufgabe".

Zangeneinsatz mit Nachteilen

Zunächst hatten die BP-Ingenieure zunächst versucht, das Rohr mit einer diamantbesetzten Säge zu durchtrennen. Die über Roboter ferngesteuerte Säge war aber am Mittwoch in dem Rohr stecken geblieben. Der Einsatz der Zange hat gegenüber der Präzisionssäge den Nachteil, dass die Schnittkante an dem Rohr weniger glatt ausfällt. Dadurch erhöht sich das Risiko, dass zwischen dem Rohr und dem Trichter weiteres Öl austritt.

In der Zwischenzeit strömen weiter tausende Tonnen Rohöl pro Tag unkontrolliert ins Meer. Nach Louisiana, Mississippi und Alabama bereiteten sich nun auch die Behörden von Florida auf eine Verseuchung ihrer Küsten vor. Sie rechneten damit, dass das Öl dort spätestens am Samstag an Land gespült wird. Die Strände im Nordosten Floridas sind als Urlaubsziel beliebt und haben eine erhebliche wirtschaftliche Bedeutung für den Staat.

Fischereiverbotszone halb so groß wie Deutschland

Die US-Wetterbehörde NOAA vergrößerte die Verbotszone für die Fischerei auf 230.000 Quadratkilometer - eine Fläche, mehr als halb so groß wie Deutschland. Inzwischen sind auch Gewässer vor der Südwest-Küste Floridas Sperrgebiet. Das Ölleck im Golf von Mexiko wird von der US-Regierung mittlerweile als größte Umweltkatastrophe in der Geschichte der USA eingestuft.

BP-Chef Tony Hayward gab zu, dass der Konzern auf das Leck am Meeresgrund nicht vorbereitet gewesen sei. "Es stimmt ohne Zweifel, dass wir nicht die Werkzeuge hatten, die in einen Werkzeugkasten gehören", sagte Hayward der Zeitung "Financial Times". Auf Druck Washingtons erklärte sich BP inzwischen bereit, die Kosten für den Bau von sechs künstlichen Sandinseln vor Louisianas sensiblem Marschland in Höhe von 360 Millionen Dollar (293 Millionen Euro) zu übernehmen - damit stiegen die bisherigen Ausgaben des Konzerns zur Bewältigung der Ölpest auf 1,35 Milliarden Dollar.

Ein umstrittener Vorschlag ist indes kein Thema mehr: Die US-Regierung werde die sprudelnde Ölquelle im Golf von Mexiko nicht mit einer Atombombe beschießen, um das Bohrloch zu schließen. Dieser Vorschlag geisterte seit Wochen durch die Medien. Eine nukleare Option sei niemals geplant gewesen und werde es auch niemals geben, äußerte sich eine Sprecherin des US-Energieministerium in der "New York Times" erstmals zu diesem Thema. Zuletzt war der Vorschlag von einem Energiefachmann ins Spiel gebracht worden. Angeblich habe die Sowjetunion vor Jahrzehnten leckende Gasquellen auf diese Weise geschlossen.

Obama reist nach Louisiana

USA-Präsident Barack Obama wird am Freitag erneut in die von der Ölpest betroffenen Region am Golf von Mexiko reisen. Er werde in Louisiana die Fortschritte im Kampf gegen die Ölkatastrophe begutachten, teilte das Weiße Haus mit. Es ist die dritte Reise des Präsidenten ins Krisengebiet. Zuletzt war er am vergangenen Freitag dort. Kritiker hatten Obama ein schlechtes Krisenmanagement vorgeworfen. Er habe sich unter anderem zu selten in der betroffenen Region blicken lassen.

Als Konsequenz aus der Ölpest will US-Präsident Obama das innenpolitisch umstrittene Gesetz zur Förderung alternativer Energien vorantreiben. Die Abhängigkeit der USA von fossilen Brennstoffen und die anhaltenden Risiken der Ölförderung ließen "nur einen Weg" für die künftige Energiepolitik der USA zu, nämlich eine Abgabe auf Verschmutzung durch Kohlendioxid (CO2), sagte Obama in Pittsburgh. Er räumte ein, dass ein entsprechender Gesetzentwurf derzeit noch nicht über die nötige Mehrheit im Senat verfüge.

DPA/AP/AFP / AP / DPA