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Paketbomben in Botschaften: Anschlagserie erschüttert Rom

In den Botschaften der Schweiz und Chiles explodieren zwei Paketbomben, eine weitere wird in der Vertretung der Ukraine entdeckt. Die Ermittler verdächtigen italienische Anarchisten als Drahtzieher.

Am Tag vor Heiligabend erschüttern Paketbombenfunde in mehreren Botschaften die italienische Hauptstadt Rom. Bei der Explosion eines Sprengsatzes in der Schweizer Botschaft wird ein Mitarbeiter schwer verletzt, auch in der chilenischen Vertretung geht eine Paketbombe hoch. Kurz darauf wird in der ukrainischen Botschaft wegen eines verdächtigen Päckchens Bombenalarm ausgelöst.

Nach ersten Erkenntnissen explodierte das Paket in der Schweizer Botschaft, als es von Mitarbeitern geöffnet wurde. Ein 53-Jähriger wurde an beiden Händen schwer verletzt. Er könnte seine linke Hand ganz verlieren, berichten Medien. Zur Explosion in der chilenischen Botschaft waren am frühen Nachmittag noch keine Einzelheiten bekannt.

Wohl kein islamistischer Hintergrund

In den vergangenen Wochen war immer wieder vor islamistischen Anschlägen gewarnt worden, doch die römischen Ermittler haben eine andere Spur: Italienische Anarchisten könnten die Absender des Sprengstoffpakets an die Schweizer Botschaft sein, hieß es. Dabei gehe es ihnen möglicherweise um drei in der Schweiz festgenommene italienische Gesinnungsgenossen.

In Rom wird vor allem auf die in der Schweiz festgenommenen italienischen Anarchisten Constantino Ragusa, Silvia Guerini und Luca Bernasconi verwiesen. Bernasconi stammt aus dem schweizerischen Tessin, hat aber seinen Wohnsitz in Italien. Sie sollen am 15. April in der Schweiz unter dem Verdacht verhaftet worden sein, einen Anschlag auf den IBM-Sitz im Land vorbereitet zu haben

Erst am Dienstag hatte ein verdächtiges Päckchen in einem Waggon der römischen U-Bahn für Aufregung gesorgt. Bürgermeister Gianni Alemanno gab wenige Stunden später allerdings Entwarnung. Es habe sich nach Untersuchungen von Experten herausgestellt, dass das Päckchen nicht explodieren konnte.

Höhere Sicherheitsstufe für deutsche Botschaft

Italiens Außenminister Franco Frattini verurteilte den Anschlag auf die Schweizer Botschaft schärfstens, ebenso. Bundesaußenminister Guido Westerwelle.

Nach den Explosionen setzte das Auswärtige Amt die Sicherheitsmaßnahmen für die deutsche Botschaft herauf. Ein Sprecher sagte, generell seien die Sicherheitsvorkehrungen der deutschen Auslandsvertretungen nach den jüngsten Vorkommnissen schon sehr hoch. Für die Botschaft in Rom seien die Sicherheitsmaßnahmen jetzt noch einmal angepasst worden.

Zusammenhang mit Paketbomben-Serie im November?

Anfang November waren in Großbritannien und Dubai zwei Paketbomben entdeckt worden, die per Luftfracht aus dem Jemen in die USA geschickt werden sollten. Eine davon war am Flughafen Köln-Bonn umgeladen worden.

Kurz darauf hatte eine Serie von Paketbomben aus Griechenland für Unruhe gesorgt. Mehr als ein Dutzend Paketbomben waren entdeckt worden und teilweise detoniert. Die Pakete waren an Botschaften in Athen, internationale Institutionen im Ausland und ausländische Regierungschefs gerichtet, darunter an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU).

swd/fw/DPA/AFP / DPA