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Prozess im Fall Peggy: Ulvi K. steht vor dem Freispruch

Im neu aufgerollten Prozess um die vermisste Peggy sind sich Staatsanwaltschaft und Verteidigung ausnahmsweise einig: Der vor zehn Jahren wegen Mordes verurteilte Ulvi K. soll freigesprochen werden.

Im neu aufgerollten Prozess um die seit 13 Jahren spurlos verschwundene Peggy aus Oberfranken hat die Staatsanwaltschaft ihre Mordanklage gegen den geistig behinderten Ulvi K. fallen lassen. Die Vertreterin der Anklagebehörde plädierte am Dienstag vor dem Landgericht Bayreuth auf Freispruch. Verteidiger Michael Euler beantragte ebenfalls, seinen Mandanten freizusprechen. Das Urteil wird die Strafkammer an diesem Mittwoch (10 Uhr) bekanntgeben.

"Wir haben letztendlich nur das damalige Geständnis des Angeklagten. Wenn dieses aber möglicherweise falsch war, dann muss gelten: Im Zweifel für den Angeklagten", sagte Staatsanwältin Sandra Staade. In seinem Schlusswort sagte Ulvi K.: "Ich hab' die Peggy nicht umgebracht. Mein Wunsch ist, dass sie noch lebend gefunden wird."

Wie glaubhaft war K.'s Geständnis?

Die damals neun Jahre alte Peggy wird seit Mai 2001 vermisst, ihre Leiche wurde nie gefunden. Als ihr Mörder wurde Ulvi K. im April 2004 in einem Indizienprozess zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. Das Landgericht Hof sah es damals als erwiesen an, dass Ulvi K. Peggy tötete, um einen einige Tage vorher an ihr begangenen sexuellen Missbrauch zu vertuschen. Ulvi K. hatte die Tat im Juli 2002 gestanden, einige Monate später aber widerrufen.

In dem neuen Prozess ging es vor allem um die Frage, wie glaubhaft sein damaliges Geständnis war - es ähnelte der vermuteten Tatversion der Polizei auffällig. Das wurde aber erst später bekannt. Genau deswegen wird der Fall neu verhandelt.

Verteidiger sieht Geständnis als widerlegt an

Ein psychiatrischer Gutachter hielt es - anders als vor zehn Jahren - für "wissenschaftlich denkmöglich", Ulvi K. könne sich das Geständnis auch ausgedacht haben.

Verteidiger Euler sah das Geständnis aus drei Gründen als "eindeutig widerlegt": Zeugen hätten Peggy auch noch nach dem von der Polizei vermuteten Todeszeitpunkt in ihrem Heimatort Lichtenberg gesehen. Die Angaben seines Mandanten seien zudem höchst widersprüchlich gewesen und ihm zum Teil von der Polizei suggeriert worden. Der sexuelle Missbrauch Peggys durch Ulvi K. habe außerdem nie stattgefunden. "Dafür gibt es auch keinerlei Beweise."

Angeklagter ist in psychiatrischer Klinik

Staatsanwältin Staade bezeichnete den Missbrauch dagegen als unstrittig. Ulvi K. habe mehrfach und konstant wiederholt, Sexverkehr mit Peggy gehabt zu haben. Erst im Wiederaufnahmeverfahren habe er den Missbrauch dann über seinen Verteidiger plötzlich abgestritten.

Staade wies Kritik an der Arbeit der Ermittler zurück. Es habe gute Gründe gegeben, Ulvi K. unter Tatverdacht zu stellen. "Fakt ist, dass der Angeklagte bereits gegenüber kleinen Jungs körperlich übergriffig geworden ist", erklärte Staade. In Einzelfällen habe er Gewalt angewandt. Ulvi K. befindet sich wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern seit 2001 in einem psychiatrischen Krankenhaus. Die Haftstrafe wegen des Mordes an Peggy hatte er noch nicht angetreten.

Verteidiger Michael Euler lobte die Arbeit der ersten Soko, die das Verschwinden des Mädchens aufklären sollte. "Die hat fast alles richtig gemacht." Die Einheit stellte Anfang 2002 ihre Arbeit ergebnislos ein. Einen Täter konnte sie nicht überführen. Die Soko "Peggy 2" präsentierte dann im Herbst 2002 Ulvi K. als Mörder von Peggy. Euler sprach von dürftiger Ermittlungsarbeit.

fme/DPA / DPA