Schröder bei Stoibers "Servus, Herr Bundeskanzler"


Jobangebote brachte er nicht mit und auch mit Ratschlägen zum Ruhestand konnte Gerhard Schröder nicht dienen. Stoibers hatten den Alt-Kanzler in ihre Doppelhaushälfte nach Wolfratshausen geladen - und Schröder ließ es sich dort schmecken.

Bei Leberkäs und Weißbier hat Bayerns scheidender Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) seinen einstigen Erzrivalen Gerhard Schröder (SPD) zur Brotzeit im heimischen Wolfratshausen empfangen. In Anklang an das berühmte Frühstück Stoibers mit CDU-Chefin Angela Merkel 2002 besuchte der Ex-Kanzler den CSU-Chef und dessen Frau Karin am Samstag in deren Doppelhaushälfte. "Hoffentlich ein warmes Essen, ordentlich gekocht", sagte Schröder, bevor er offiziell begrüßt wurde. "Weißwurst, Leberkäs und Tafelspitz hab ich", sagte Stoiber am Gartentor. Seine Frau Karin begrüßte den Gast mit "Servus, Herr Bundeskanzler."

Schröders Hoffnungen wurden erfüllt: "Ich habe selten so gut gegessen", sagte er anschließend über Karin Stoibers Kochkünste. Stoiber sagte, man habe darüber gesprochen, "wie's war, und wie's weitergeht." Schröder sagte, er könne keine Tipps für den Ruhestand geben. "Das muss jeder für sich selbst entscheiden." Jobangebote für Stoiber habe er "keine zu machen". Am 13. Januar 2002 hatte Merkel Stoiber in Wolfratshausen die Kanzlerkandidatur angeboten.

100. Gründungsjubiläum des SPD-Ortsvereins Wolfratshausen

Schröder kam mit zwei schwarzen Luxuskarossen, aber ohne Blumen für Frau Stoiber. Die hatte reichlich aufgetischt: Es gab auch Salate, Schweinswürstl und selbst gemachte Fleischpflanzerl. Stoiber überredete Schröder, sich beim Getränk an bayerische Gepflogenheiten anzupassen: "Ich musste ihn überzeugen, keinen Weißwein zu trinken, sondern ein Weißbier. Das ging leichter als in der Politik." Die Auseinandersetzungen zur Zeit der rot-grünen Bundesregierung hätten den Respekt "nie tangiert." Damals pflegte Stoiber in jeder Wahlkampfrede zu rufen: "Die können's nicht! Die müssen weg!"

Der Ex-Kanzler gratulierte Stoiber zu dessen künftigem Job als Bürokratie-Bekämpfer im EU-Auftrag. "Ein Null-Dollar-Job", betonte der CSU-Chef, der auf Druck seiner Partei Ende September seine Spitzenämter abgibt. Schröder sagte: "Das ist der Unterschied zwischen uns. Ich kann es mir nicht leisten, umsonst zu arbeiten." Der Ex-Kanzler fügte hinzu: "Wann kommt unsereiner Pensionär schon mal umsonst zu einem warmen Mittagessen."

Anlass des Besuchs war das hundertste Gründungsjubiläum des SPD- Ortsvereins im sozialdemokratisch regierten Wolfratshausen. Die Genossen luden Schröder zu einer Bierzeltrede ein. Als Stoiber vom Schröder-Besuch in der Zeitung gelesen hatte, lud er ihn spontan ein. Auf den Unterschied der Brotzeit-Partner Merkel und Schröder angesprochen, antwortete Stoiber diplomatisch, beide seien große Persönlichkeiten. "Alles hat seinen Reiz."

DPA DPA

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