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+++ Liveticker zum politischen Aschermittwoch +++: Linken-Vorsitzender ätzt gegen Gauck

Spitzenpolitiker beschimpften sich mal wieder gegenseitig beim politischen Aschermittwoch: Die FDP bejubelte Philipp Rösler und Klaus Ernst meckerte in Passau über Gauck. Verfolgen Sie den Ablauf der Ereignisse noch einmal im stern.de-Liveticker.

+++16.49 Uhr: Klaus Ernst schimpft über Gauck+++

"Joachim Gauck ist kein Bürgerrechtler", sagt Klaus Ernst von der Linken beim politischen Aschermittwoch. "Er ist gegen die aktuellen Bürgerbewegungen, gegen Occupy und den Stuttgart-21-Protest, aber für Hartz IV. Der Kandidat sei für die Beibehaltung des jetzigen Finanzsystems. "Er will, dass alles so bleibt, wie es ist." Zustimmende Rufe aus dem Publikum: "Genau!"

+++16.34 Uhr: Linken-Vorsitzender lobt Wulff+++

Christian Wulff hingegen bauchpinselt der Vorsitzende der Linkspartei, Klaus Ernst. Seine Brille hat er abgenommen, weil sie sonst durch seine ausfallende Gestik abgefallen wäre. Er habe richtigerweise gesagt, dass der Islam zu Deutschland gehört. "Das war sicher schwer für seine Partei und ich hätte die Aussage von anderen erwartet, aber es war gut." Die Linke sei nicht beleidigt, dass man die Partei nicht zur Kür des Bundespräsidentenkandidaten geladen hätte. Aber dadurch seien fünf Millionen Wähler nicht beteiligt worden an diesem Vorgang. "Das finden wir schäbig."

+++16.23 Uhr: Künast bezeichnet Rösler als "Totalausfall"+++

Grünen-Bundestagsfraktionschefin Renate Künast hackt auf der FDP und deren Parteichef herum, Wirtschaftsminister Philipp Rösler sei ein "absoluter Ausfall". "Wo hat er denn geliefert?", fragt Künast in Biberach in Baden-Württemberg. "Er ist der größte Bremser aller Zeiten." Die Bundesregierung lasse etwa eine Rohstoffstrategie vermissen. An Mobilitätskonzepten fehle es auch.

+++16.00 Uhr: Auftritt von Winfried Kretschmann+++

Winfried Kretschmann, der erste grüne Ministerpräsident der deutschen Geschichte, spricht. Er fordert einen stärkeren Ausbau erneuerbaren Energien und kritisiert "schwachsinnige" FDP-Vorschläge, die weiter auf Kohle setze.

+++13.12 Uhr: Freie Wähler beschimpfen Stoiber+++

"Wenn der Archaeopteryx aus Wolfratshausen die CSU wieder aufrichten soll, muss sie wahrlich auf dem Boden liegen", sagt der Bundesvorsitzende Hubert Aiwanger in Deggendorf. Der Aschermittwoch der CSU werde wohl bald unter dem Motto "Körperwelten an der Donau" veranstaltet. Die Freien Wähler wollen bei der kommenden Landtagswahl in Bayern in die Regierung. "Aber nicht um jeden Preis", betont Aiwanger.

+++12.59 Uhr: Sprechchöre für Edmund Stoiber+++

"Stoiber Superstar", steht auf den Schildern, die Mitglieder der Jungen Union in der Passauer Dreiländerhalle hochhalten, als der CSU-Ehrenvorsitzende sich nach seiner Rede feiern lässt. Hunderte Gäste preisen Stoiber mit stehenden Ovationen. Stoiber nimmt einen Schluck aus der Maß und lässt sich von Seehofer herzen. "Edmund Stoiber brennt", lobt Seehofer den 70-Jährigen mit Reibeisenstimme. "Ich danke Gott, das wir in eingeladen haben." Die Zuhörer – teilweise mit weiß-blauem CSU-Schal - singen: "Oooooh, wie ist das schöön!"

+++12.56 Uhr: Roth ätzt gegen regierende "Chaos-Truppe"+++

Grünen-Chefin Claudia Roth greift die Bundesregierung wegen des Umgangs mit der Affäre um Christian Wulff scharf an. "Es war wirklich ein würdeloses Klammerspiel, das wir in den letzten Wochen erlebt haben", ruft sie in Landshut mit schriller Stimme. Schwarz-Gelb sei eine "Chaos-Truppe". Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) habe zu lange ihre schützende Hand über Bundespräsident Wulff gehalten. Joachim Gauck könne dem Bundespräsidentenamt nun Würde zurückgeben. "Wir wollen doch die Unabhängigen, an denen man sich reiben kann, und nicht irgendwelche Partei-Pappfiguren vorne dran."

+++12.44 Uhr: FDP feiert Rösler frenetisch+++

Die bayerische FDP empfängt ihren Bundesvorsitzenden Philipp Rösler beim politischen Aschermittwoch mit stürmischem Beifall. Die Landesvorsitzende und Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger sagt vor 400 Parteianhängern in Dingolfing, Rösler habe die Stürme bei der Suche nach einem neuen Bundespräsidenten "standfest überstanden". Doch sie versucht auch, die Wogen nach dem Koalitionskrach mit der CDU/CSU zu dämpfen: "Weder Drohgebärden noch Triumphgeheul ist jetzt das Gebot der Stunde."

+++12.33 Uhr: Gabriel spottet über "Horst Drehhofer"+++

SPD-Chef Sigmar Gabriel attackiert den zurückgetretenen Bundespräsidenten Christian Wulff. Merkel habe solche Leute in Amt und Würden gebracht wie Wulff, "der sich wie ein Amigo benimmt, der das Land sich selbst und der CDU zur Beute macht", ruft Gabriel im Vilshofener Aschermittwochs-Zelt ins Mikro. Über den schwarz-gelben Streit bei der Suche nach einem Nachfolger für Wulff sagt Gabriel: "Das hatte Karnevalistenqualität." Das nächste Opfer Gabriels ist die CSU, die noch am Samstag gesagt habe, man sei gegen Joachim Gauck, und am Sonntag dann Gauck die Gefolgschaft versprochen habe. "Das ist frei nach Horst Drehhofer - was stört mich mein Geschwätz von gestern?", so der SPD-Chef

+++12.23 Uhr: "In Bayern leben die klügsten Deutschen!"+++

Jetzt bauchpinselt Edmund Stoiber sein bayerisches Publikum. Der "Spiegel", der die regionalen Blätter selten in der "wahren Berichterstattung über Bayern" übertreffe, habe in einer Titelgeschichte den Freistaat gepriesen. Jetzt kennt Stoiber kein Halten mehr. Ihm versagen fast die Wort. Er reißt die Hände hoch bis über seinen Kopf und versucht, eine Titelzeile in die Luft zu malen. "In Bayern leben die klügsten Deutschen, meine Damen und Herren", habe das Magazin geschrieben. "In Bayern!" Stoiber lacht wie ein kleiner Junge über den aufbrausenden Applaus. "Da müssen wir doch auch mal stolz sein! Auch wenn wir natürlich das Selbstbewusstsein, haben dass wir Bayern besonders klug auf die Welt kommen."

+++12.14 Uhr: Stoiber preist Gaucks Agenda+++

"Man kann auch mit dem zweiten Aufschlag ein As verwandeln", ruft Stoiber in die Halle und meint den Kandidaten für das Bundespräsidentenamt, Joachim Gauck. Der sei für die Freiheit und habe auch für Thilo Sarrazin ein gutes Wort gefunden. Er sei gegen einen übermächtigen Staat und gegen einen Beitritt der Türkei zur EU. Immer wieder rudert der CSU-Ehrenvorsitzende dabei wild mit den Armen und wackelt mit dem weißen Haupt. Gauck stehe zu Hartz IV - im Gegensatz zu einigen seiner Unterstützer. "Was soll ich denn eigentlich gegen den Mann einwenden? Das ist doch unsere Politik!"

+++12.00 Uhr: Der CSU-Ehrenvorsitzende schlägt zurück+++

"Stoiber, Stoiber", fordern die Gäste in der Dreiländerhalle in Passau schon vor seiner Rede den Ehrenvorsitzenden. Artig bedankt der sich für den herzlichen Empfang. "Ich kann nur festhalten: Die Südkurve, sie steht. Der Aschermittwoch ist das Heimspiel der CSU." Er wolle nett sein, man habe ja schließlich den Interims-Bundespräsidenten vor Ort. "Wir grüßen auch herzlich die anderen, die in kleineren Veranstaltungen unser Bayern zu verstehen suchen." Ein Seitenhieb auf die SPD und ihr Aschermittwoch-Treffen in Vilshofen. Vor seinem Sturz als Ministerpräsident vor fünf Jahren war Stoiber leidenschaftlicher Redner auf der Traditionsveranstaltung.

+++11:53 Uhr: Gabriel schimpft über Finanz-Zockerei+++

SPD-Chef Sigmar Gabriel attackiert im Bierzelt die Zockerei auf den Finanzmärkten. Die Finanztransaktionssteuer sei wichtig. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) habe unrecht, wenn sie sage, man müsse das Vertrauen der Märkte gewinnen. "Wir müssen das Vertrauen der Menschen gewinnen." Und im Freistaat müsse endlich Schluss sein mit der Machtversessenheit der CSU. "Bayern muss wieder den Bayern gehören und nicht der CSU", brüllt Gabriel durch das Zelt.

+++11:37 Uhr: "Rechts von uns darf es keine Partei geben"+++

Seehofer spricht jetzt leiser, auch um seine Stimme zu schonen. Das Thema ist ebenfalls ernst. "Rechts von uns darf es keine demokratisch legitimierte Partei geben", erinnert Seehofer an die Worte von CSU-Ikone Franz-Josef Strauß. Es geht um die NPD, über deren Verbot nach den Morden der Neonazis aus dem "Nationalsozialistischen Untergrund" wieder diskutiert wird. "Null Toleranz für Gewalt bleibt unser Kompass", ruft der CSU-Chef wieder lauter mit brüchiger Stimme in die Halle.

+++11:31 Uhr: SPD beschwört die Revolution in Bayern+++

Die SPD prophezeit die Ablösung der schwarz-gelben Koalition im Freistaat. "Wir sind auf dem Weg zu einem Wechsel in Bayern", sagt SPD-Generalsekretärin Natascha Kohnen in Vilshofen. "Hier wird der zukünftige Ministerpräsident von Bayern sprechen heute", rief sie dem SPD-Spitzenkandidaten für die Landtagswahl 2013, dem Münchner Oberbürgermeister Christian Ude zu.

+++11:23 Uhr: Seehofer meckert über Solidarität unter Ländern+++

Der Länderfinanzausgleich ist die Nemesis des CSU-Chefs. "Das System müssen wir ändern", wettert Seehofer. Bayern sei als einziges Bundesland in der Geschichte Deutschlands vom Nehmerland zum Geberland geworden. Die Zuhörer sind begeistert. Er will den Länderfinanzausgleich dem Bundesverfassungsgericht vorlegen. Die anderen Länder sollten doch auch mal solide hauswirtschaften. Der Bayer zahlt nicht gern für die Schulden anderer. "Ich verspreche Euch, Bayern wird das erste schuldenfreie Land in Deutschland sein", ruft er.

+++11:13 Uhr: CSU-Chef attackiert die Schuldenstaaten +++

"Wir leben nicht zulasten der Zukunft durch die Schuldenmacherei", ruft Seehofer seinen Fans zu. Mit ihrem ausgeglichenen Haushalt seien die Bayern einzigartig in Deutschland und Europa. Das gefällt den Passauer Gästen. Lautstarker Applaus in der Halle.

+++11:00 Uhr: Horst Seehofer begrüßt seine Zuhörer

Weil der CSU-Vorsitzende und bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer als Bundesratspräsident in der Übergangsphase formell das deutsche Staatsoberhaupt ist, hat dieser sich selbst Zurückhaltung auferlegt. Das merkt der geneigte Besucher aber kaum. "Wir sind das Original. Alle anderen sind das Plagiat", wettert Seehofer gleich zur Begrüßung gegen die Gegenparty der SPD in Vilshofen. Erstmals erwarten die Sozialdemokraten mehr Gäste als die CSU. Statt der üblichen scharfen Attacken will sich Seehofer eher grundsätzlich äußern. Ergänzend zu Seehofer wird der CSU-Ehrenvorsitzende Edmund Stoiber in Passau als Aschermittwoch-Redner ein Comeback feiern.

jar/DPA/AFP/Reuters / DPA / Reuters