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CSU: Stoibers Handlanger

Nach seinem Sturz habe Edmund Stoiber der "blanke Hass" auf seine Nachfolger getrieben, sagt ein intimer Kenner der CSU. Aber alleine hätte er Beckstein und Huber nicht stürzen können. Es ging nur, weil der neue designierte Vorsitzende Horst Seehofer die Intrige meisterhaft mitspielte.

Eine Analyse von Hans Peter Schütz

Die Schuldzuweisungen sind eindeutig. Edmund Stoibers Drahtzieherrolle im CSU-Chaos sei "diabolisch" gewesen. Einen blindwütigen Rachfeldzug gegen seine Nachfolger Günther Beckstein und Erwin Huber habe er inszeniert. "Der einzige Schuldige an dem Desaster", schimpft Gerold Tandler, einst enger Weggefährte Stoibers in der CSU.

Was viele bei dieser rigorosen Schuldzuweisung verdrängen, die jetzt in der CSU über Stoiber als den "Mephisto aus Wolfratshausen" herziehen: Ohne den Handlanger Horst Seehofer wäre Stoibers Rachfeldzug gegen das Duo Huber/Beckstein nie möglich gewesen. Er war Mittäter, letztlich sogar der bessere Intrigant als Stoiber.

Seehofers Traumjob

Seit langem wollte Seehofer seinen Traumjob erobern, den CSU-Vorsitz. Als Stoiber Anfang 2007 in die Krise geriet, sah er das mit Wohlgefallen, wie ein intimer Kenner der obersten CSU-Führung schildert. Seehofer sei klar gewesen, dass er selbst den Sprung an die Spitze nicht schaffen würde, so lange Stoiber CSU-Chef und Ministerpräsident war. Bliebe Stoiber im Amt, würde er bald zu alt für dessen Nachfolge sein. Also ließ Seehofer Günther Beckstein und Erwin Huber entzückt gewähren, als die den Sturz Stoibers im Wildbad Kreuth betrieben. Sich selbst positionierte er dezent als Verteidiger Stoibers und zeigte bedenkliche Miene zu den Aktionen von Huber und Beck. Sein heimliches Kalkül: Wenn Stoiber endlich weg ist, werde ich den Sprung an die CSU-Spitze an Huber vorbei schon schaffen. Schließlich schätze ihn die CSU-Basis sehr als den besten Stellvertreter Stoibers und den ungleich brillanteren Redner.

Kaum hatten Huber und Beckstein Stoiber erledigt, betrieb Seehofer in der Kulisse die Intrige gegen sie. Stoiber gegenüber ließ er Entsetzen erkennen, wie dessen Sturz hemmungslos schnell vollzogen worden sei. Die neue CSU-Spitze soll er als Pygmäen geschäht haben, die viel zu alt sind, und als Provinzpolitiker, denen jede Statur fürs entscheidende politische Geschäft in Berlin fehle. Damals auch schon 58 Jahre alt, vertrat er in den Monaten vor der Neuwahl des CSU-Vorsitzenden im Herbst 2007 den Standpunkt, Huber und Beckstein könnten schon wegen ihres Alters kein Team für die Zukunft sein. "Die können es doch einfach nicht," lästerte er immer wieder. Schon gar nicht seien sie der Strategie Angela Merkels gewachsen. Die wolle die CSU doch zur Regionalpartei erniedrigen.

"Der glatte Hass"

Seehofers Pech war, dass er zum falschen Zeitpunkt von der Affäre um seine außereheliche Beziehung erwischt wurde, die auch dazu beitrug, dass er die Kampfabstimmung um den CSU-Vorsitz gegen Huber klar verlor. Danach verbündete er sich offen ganz eng mit Stoiber, versöhnte sich mit seinem bisherigen Intimfeind Markus Söder, der Stoibers engster Mitarbeiter als CSU-Generalsekretär gewesen war. Den zum CSU-Ehrenvorsitzenden abgeschobenen Stoiber trieb zu diesem Zeitpunkt "endgültig der blanke Hass um auf die beiden, die ihn gestürzt hatten", wie ein Kenner der Intrige die Situation in den Monaten vor der Bayern-Wahl beschreibt. Stoiber habe, so sagt ein Mitglied des CSU-Präsidiums, von seinen Mitstreitern "den Kadavergehorsam gefordert, mit dem er die Partei in den Untergang getrieben hat." Von dem Nürnberger Söder habe er die Stimme gegen den Nürnberger Beckstein verlangt. Und noch immer wünsche er sich Söder als neuen Fraktionschef in München. Die Devise Stoibers war: Die beiden, die mich beerbt haben, die müssen weg. Sein wichtigster Gehilfe dabei: Seehofer.

Beim Blick auf den politischen Lebensweg Seehofers ist die Partnerschaft mit Stoiber bemerkenswert. Denn Seehofer verdankte seine Karriere ausschließlich Theo Waigel. Dem Mann, den Stoiber nach zehn Amtsjahren als CSU-Chef mit Details über dessen Liaison mit der Skirennläuferin Irene Epple, heute Waigels Frau, 1999 intrigant gestürzt hatte. Kaum saß Seehofer 1980 im Bundestag, hatte Waigel ihn als großes Nachwuchstalent gefördert, ihn zum Staatssekretär beim Arbeits- und Sozialminister Norbert Blüm gemacht und schließlich ins Amt des Gesundheitsministers der Regierung Kohl bugsiert. Während seiner Waigel-Zeit war Seehofer ein erklärter Stoiber-Gegner, der immer wieder forderte, Waigel müsse den Ministerpräsidenten an die Kandare eines Waigel-treuen CSU-Generalsekretärs legen. In der CSU erinnern sich auch viele daran, wie Stoiber wieder einmal im Wildbad Kreuth die CSU zusammenbrüllte und Seehofer den Wutausbruch verachtungsvoll immer wieder mit "reiner Populismus" kommentierte.

"Ein reiner Narzisst"

"Dass er dann einige Jahre später diesem Stoiber mit dem Satz geschmeichelt hat, er sei größer als Strauß, das drückt schon ein Stück Charakterlosigkeit aus", sagt ein erfahrener CSU-Mann. Und unter die heutige Beziehung zwischen Seehofer und Stoiber sagt ein anderer: "Ich verstehe nicht, wie Stoiber sich mit dem Mann wieder verbünden konnte, der vor einem Jahr seinen Sturz sich wünschte." Und schon gar nicht verstehen diese Kritiker, wie Seehofer immer wieder sagen kann: "Diese CSU ist mein Leben." Die Wahrheit sei doch: "Der ist ein reiner Narzisst."