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Nach Kinderpornografie-Prozess: Spedition druckt hämischen Edathy-Protest auf Laster

Nach der Einstellung des Verfahrens gegen Sebastian Edathy gegen eine Geldauflage kochten die Emotionen hoch. Ein Familienbetrieb aus Kamen bringt den Protest gegen das Urteil nun auf die Straße.

"Kinderpornos Download: 5000,- ..Opfer haben lebenslänglich" ist auf dem Lkw-Auflieger zu lesen

"Kinderpornos Download: 5000,- ..Opfer haben lebenslänglich" ist auf dem Lkw-Auflieger zu lesen

Auch Tage nach dem Ende des Kinderpornoprozesses um den ehemaligen SPD-Bundestagsabgeordneten Sebastian Edathy ist der Fall noch lange nicht abgeschlossen. Nach dem wütenden Kommentar von Til Schweiger und zahlreichen Diskussionen um die Rechtmäßigkeit der Einstellung des Verfahrens protestiert ein Unternehmen aus dem nordrhein-westfälischen Kamen auf der Straße gegen die vermeintliche Ungerechtigkeit. Die Spedition und Baustofffirma Stegemöller kommentiert den Fall Edathy mit Sprüchen auf zwei ihrer Lastwagen.

"Kinderpornos Download: 5000,- ..Opfer haben lebenslänglich" steht auf einem Banner zu lesen, der auf einem Auflieger montiert wurde. So will die Spedition auf ihre eigene Weise zeigen, dass sie nicht mit dem Ausgang des Edathy-Prozesses einverstanden ist. Das Bild postete Geschäftsführerin Nadine Stegemöller auf Facebook. Auf einem weiteren Banner ist zu lesen: "Da kann #E….y ja froh sein, das er ‚nur‘ Kinderpornos runtergeladen hat und keine Musik. Sonst hätten sie ihn ja richtig drangekriegt! Schämt euch was."

Protest von Sauerland bis Niederrhein

Die Motive sollen auf den Straßen in der Region zwischen Sauerland und Niederrhein zu sehen sein. "Wir wollten sowieso was zum Thema Kindesmissbrauch machen. Und das Thema Edathy ist so durch die Presse gegangen, da haben wir uns auf den Zug gesetzt", sagte Nadine Stegemöller den Ruhr Nachrichten.

Bereits vor zwei Jahren hat das Unternehmen ebenfalls mit zwei Bannern die gemeinnützige Organisation Innocence in danger unterstützt. Diese Initiative für den Kinderschutz wird auch von Til Schweiger unterstützt. Der Schauspieler setzt sich seit Jahren für die Rechte von Kindern und Jugendlichen ein.

Nicht die erste Aktion dieser Art

Die Firma Stegemöller nutzt ihre Flächen auf den Lkw-Aufliegern allerdings auch noch für andere Anliegen, wie Proteste gegen das Pelztragen oder Sympathiebekundungen für den BVB, schreiben die Ruhr Nachrichten. Bis zu 1500 Euro soll die Beschriftung eines Banners kosten.

"Wir haben schon einige Auflieger mit einer Beschriftung, die ähnliche Themen aufgreifen und hätten nie damit gerechnet, dass dieser nun solche 'Wellen schlägt'", lässt der Familienbetrieb in einer Mitteilung verlauten. Sie hätten mit den Aufschriften nur mahnen und nicht urteilen wollen.

"Prozess dürfte nicht eingestellt werden"

Nach einem großen Medienecho kann die Familie Stegemöller die Anfragen zu der Aktion kaum bewältigen. "Dieses Problem sollte lediglich in unserer Gesellschaft weiter thematisiert werden, damit vielleicht doch eine Diskussion angeregt wird, die sogar etwas an der Gesetzeslage ändern könne", heißt es.

Die Einstellung des Verfahrens war juristisch einwandfrei. Der Prozess wurde vom Landgericht Verden gegen Zahlung einer Geldauflage von 5000 Euro eingestellt – wegen mangelnder Schwere der Schuld. Edathy hatte zugegeben, die fraglichen Fotos und Videos besessen zu haben. Spediteurin Stegemöller ist von dem Urteil nicht überzeugt: "In dieser Richtung dürfte das durch eine Geldzahlung nicht eingestellt werden", sagt sie.

Auch mit diesem Spruch protestiert die Firma Stegemöller

Auch mit diesem Spruch protestiert die Firma Stegemöller

Geldauflage geht an Kinder-Feuerwehr

Unterdessen legte das Landgericht Verden am Dienstag fest, dass die 5000 Euro an den Jugend- und Kinderfeuerwehrverband in Niedersachsen ausgezahlt werden sollen. Der Kinderschutzbund Niedersachsen hatte die Annahme des Geldes zuvor verweigert und mit der fehlenden Reue Edathys begründet. Es solle nicht der Eindruck entstehen, sich von Vergehen gegen Kinder freikaufen zu können.

Ungemach droht Sebastian Edathy weiter aus Richtung der SPD. Die Bezirksschiedskommission der Partei in Hannover will das bisher ruhende Parteiordnungsverfahren gegen den ehemaligen Bundestagsabgeordneten erneut aufnehmen. Um Edathy auszuschließen, müsste ihm ein parteischädigendes Verhalten nachgewiesen werden. Allerdings lassen die Statuten auch andere Sanktionen wie eine Rüge oder eine mehrjährige ruhende Mitgliedschaft zu. Ob Edathy also am Ende die SPD verlassen muss, ist noch offen.

Matthias Kahrs