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Sibirischer Wintereinbruch: Dutzende Menschen erfrieren in Ost- und Mitteleuropa

Die strenge sibirische Kälte lähmt Osteuropa. Viele Menschen erfrieren. Deutschland muss sich auf eine Woche voller "Eistage" einstellen, neue Minusrekorde zeichnen sich aber nicht ab. Höhepunkt der Kältewelle wird vermutlich der Freitag.

Durch den auch in Deutschland zu spürenden Kälteeinbruch sind in Mittel- und Osteuropa dutzende Menschen erfroren. Allein die ukrainischen Behörden meldeten am Montag den Tod von 18 zumeist alten oder obdachlosen Menschen, die in den vergangenen vier Tagen an Unterkühlung starben. Mehr als 20 weitere Menschen kamen in Polen, Litauen, Tschechien, Rumänien, Serbien und Mazedonien ums Leben.

Innerhalb von drei Tagen suchten in der Ukraine fast 500 Menschen wegen Erfrierungen oder Unterkühlung ein Krankenhaus auf, wie das Katastrophenschutzministerium mitteilte. Die Behörden öffneten deshalb 1500 Notunterkünfte, in denen sich Obdachlose aufwärmen können. Aus einigen Landesteilen wurden Temperaturen von minus 30 Grad Celsius gemeldet.

Ähnlich kalt war es am Wochenende auch in Polen, wo nach Angaben der Polizei zehn Menschen erfroren. Dort stieg die Zahl der Kältetoten seit dem Wintereinbruch damit auf 46. Bei den meisten Kältetoten handelt es sich laut Polizei um Obdachlose und ältere Menschen.

Krankenwagen bleiben im Schnee stecken

Im nordöstlichen Nachbarland Litauen starben am Wochenende nach Behördenangaben mindestens drei Menschen. In Tschechien wurde ein 26-Jähriger am Samstag erfroren auf einem Feld gefunden. Dort sollen die Temperaturen in den nächsten Tagen auf minus 30 Grad fallen, nachdem das Quecksilber bereits am Wochenende für einige Regionen minus 20 Grad angezeigt hatte.

In Rumänien gab es seit Sonntag laut Behörden insgesamt vier Kältetote. Seit Donnerstag starben damit bereits sechs Menschen durch die niedrigen Temperaturen. Unter den Opfern war auch eine 80-jährige Frau, die tot in ihrem Garten gefunden wurde. In der vergangenen Woche waren bereits zwei Menschen gestorben, als sie auf Krankenwagen gewartet hatten, die im Schnee stecken geblieben waren.

Bei Schneestürmen in Bulgarien kamen in der vergangenen Woche fünf Menschen ums Leben, wie örtliche Medien am Montag berichteten. In Serbien starben am Wochenende drei Menschen an Unterkühlung, wie die Nachrichtenagentur Tanjug meldete. Im Südwesten Mazedoniens erfror nach Polizeiangaben ein 63-jähriger Mann. Die heftigen Schneefälle in Serbien beeinträchtigten insbesondere im Süden den Straßenverkehr und die Stromversorgung. In 14 Gemeinden wurde der Notstand ausgerufen. Am Sonntag hörte es auf zu schneien, dafür sanken die Temperaturen in der Nacht zum Montag in Zentralserbien auf 20 Grad unter Null.

"Eistage" in Deutschland

Für Deutschland erwarten die Meteorologen des Deutschen Wetterdienstes (DWD) bis zum Wochenende "Eistage" - auch tagsüber bleiben die Temperaturen unter null Grad. Neue Minusrekorde stehen nicht bevor, doch Eis stoppt die Schifffahrt am Dienstag auf Teilen der Oder. Zudem weht ein kräftiger Ostwind, der die Kältewirkung verstärkt. Nennenswerte Schneefälle sind nicht zu erwarten.

"Der Höhepunkt der Kältewelle wird vermutlich am Freitag erreicht", sagte DWD-Meteorologe Thomas Ruppert am Montag mit Blick auf Deutschland. Dann beginnt der Tag auf den Höhen des Bayerischen Waldes und im Erzgebirge voraussichtlich mit Werten um minus 20 Grad - bei klarem Himmel und über Schnee kann es noch kälter werden. Bis dahin sinken die Temperaturen stetig. Am Mittwoch herrscht dann überall Dauerfrost zwischen minus 1 und minus 11 Grad. Erst am Wochenende lässt die Kälte etwas nach. "Von einem Rekord ist das noch weit entfernt", sagte Ruppert.

Dennoch werden die Westoder und die Oder entlang der Grenze zu Polen ab Dienstag (31. Januar) für die Schifffahrt gesperrt. Das sagte eine Sprecherin des Wasser- und Schifffahrtsamtes Eberswalde. Die Westoder ist zugefroren, auf der Oder treiben Schollen. Auch die obere Oder-Havel-Wasserstraße ist in großen Teilen gesperrt.

DPA/AFP / DPA