Silvio Berlusconi Kirche schaltet sich in Rosenkrieg ein


Rosenkrieg im Hause Berlusconi: In einer Talkshow ist Italiens Ministerpräsident nun in die Offensive gegangen. Die Vorwürfe seiner Frau seien "absolut falsch", er verkehre nicht mit Minderjährigen. Dennoch hat sich mittlerweile auch die Kirche in den Streit eingeschaltet - zum Leidwesen des Regierungschefs.

Italiens Regierungschef Silvio Berlusconi hat im Rosenkrieg mit seiner scheidungswilligen Gattin Veronica Lario eine weitere öffentliche Breitseite abgefeuert. In der Talkshow "Porta a Porta" des RAI-Fernsehens verlangte Berlusconi, Veronica solle jetzt öffentlich eingestehen, in eine "Medienfalle" linker Zeitungen getappt zu sein.

Italiens First Lady hatte offen dagegen protestiert, dass der 72-Jährige Showgirls und Sängerinnen als Kandidatinnen für die Europawahlen ausgewählt hatte. Auch könne sie nicht mit jemandem leben, "der sich mit Minderjährigen trifft", kommentierte sie Berichte über einen Besuch Berlusconis bei der Geburtstagsfeier einer 18-jährigen neapolitanischen Schönheit. Lario will deshalb italienischen Medienberichten zufolge noch diese Woche die Scheidung einreichen.

Sowohl die Kandidatinnenfrage als auch der Besuch bei der Geburtstagsfeier sei "absolut falsch" dargestellt, ereiferte sich der Mailänder Medienzar und Milliardär in der Talkshow. "Es ist eine Lüge, dass ich mit Minderjährigen verkehre", erklärte Berlusconi. Der Ministerpräsident hatte bereits am Montag seine Frau öffentlich und persönlich aufgerufen, sich bei ihm zu entschuldigen. Er sehe diesmal keine Chance, die immer mal wieder kriselnde Beziehung zu flicken.

Politischen Beobachtern zufolge geht Berlusconi bei seinem öffentlichen Ehe-Streit derzeit in die die Offensive, weil er um katholische Stimmen bei den Europawahlen bangt. Im Vatikan gab es dazu schon kritische Äußerungen von italienischen Bischöfen. Nun hat mit dem deutschen Kurienkardinal Walter Kasper sich auch ein führender Vatikan-Vertreter kritisch zu Berlusconis Verhalten geäußert und ihn zur "Mäßigung" aufgerufen. Kasper sagte, er erwarte "vor allem von einem Regierungschef" mehr Seriosität. "Das Verhalten des Regierungschefs erscheint uns seltsam", so Kasper. Öffentlicher Trennungsstreit verstärke das Leiden und gebe "vor allem den Jüngeren ein schlechtes Beispiel".

Mitten im Wahlkampf für die Europawahlen ging Berlusconi erneut auch hart mit der Linken ins Gericht, die ihn "mit ihren Zeitungen" weiterhin attackiere. "Es reicht mit der Komplott-Theorie", schallt es dazu aus der Opposition zurück. Der Rosenkrieg der Berlusconis sei mittlerweile eine "öffentliche Angelegenheit", meinte der Chef der wichtigsten Oppositionspartei, Dario Franceschini von der PD. Tatsächlich erreicht jede TV-Sendung zu den Ehe-Scharmützeln hohe Einschaltquoten. Auch gestern sahen mehrere Millionen Italiener noch die spätabendliche Talkshow.

Berlusconi werden etliche Affären nachgesagt, was ihm durchaus nicht missfällt. Angefangen von dem exzentrischen Ex-Pornostar Cicciolina, die als Abgeordnete im Parlament saß. Der Regierungschef soll sie bei einem gemeinsamen Yacht-Ausflug verführt haben. Auch die Ex-Schönheitskönigin Michela Brambilla soll seinem Charme erlegen sein, als sie auf 15-Zentimeter-Absätzen durch die Provinz stakste, um Berlusconis Fanclubs zu organisieren. Mit der Ministerin für Gleichstellung, Mara Carfagna, ein 33-jähriges früheres Nacktmodell, soll ebenso was gelaufen sein. Ganz zu Schweigen von den vielen blutjungen Frauen, für die Berlusconi mehrmals den Direktor des Staatsfernsehens RAI anrief, um sie für eine Schauspielkarriere zu empfehlen.

Vorerst aber dominiert seine Frau weiter die Schlagzeilen: Erst am Dienstag hatten italienische Medien berichtet, die 52-jährige Lario habe sich für das Scheidungsverfahren eine bekannte Juristin genommen - Maria Cristina Morelli, die erfolgreich für das Recht der berühmten Komapatientin Eluana Englaro auf Sterbehilfe gekämpft hatte - ein Recht, das Silvio Berlusconi der Patientin trotz eines 17-jährigen Wachkomas vehement abgesprochen und als geplanten "Mord" bezeichnet hatte.

AFP/DPA DPA

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