HOME

Sperrbezirk in Westerland: Sylter wollen Edel-Puff verhindern

Deutschlands "Bordellkönig" Jürgen Rudloff hat sich in die Nordseeinsel Sylt verliebt und plant ein Nobel-Bordell mitten im schicken Westerland. Die Liebe ist einseitig.

Von Annette Berger

Prostituierte in einer Bar. Gibt es bald einen Edel-Puff in Westerland auf Sylt?

Prostituierte in einer Bar. Gibt es bald einen Edel-Puff in Westerland auf Sylt?

Ein Online-Reiseführer zur deutschen Promi-Insel sagt es: In der Metropole Westerland werde "den Gästen alles geboten, was sie sich für einen erlebnisreichen und zugleich erholsamen Urlaub wünschen". Das Erlebnisangebot könnte erweitert werden, denn auf Sylt soll ein neues Edel-Bordell eröffnet werden.

Gegen die schon recht weit gediehenen Pläne für den "Gentlemen’s Club", den der Stuttgarter Bordellbetreiber Jürgen Rudloff eröffnen will, regt sich Widerstand. Kürzlich beschloss die Gemeinde Sylt: Ihr gesamtes Gebiet, immerhin mehr als die Hälfte der Insel, soll zum Sperrbezirk werden. Die Entscheidung könne bereits im kommenden Monat umgesetzt werden, schätzt der Vorsitzende des Hauptausschusses, Carsten Kerkamm. Das sagte er in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur und fügte hinzu: "Das soll ein Zeichen sein, dass das Bordell nicht gewollt ist."

Schwaches Mittel

Ob so ein Zeichen ausreicht? Vermutlich nicht. Denn einerseits legen sich die Sylter mit einem schlauen Geschäftsmann an. Rudloff ist nicht irgendein Puff-Bereiber, der lieber im Dunkeln bleibt. Er ist Eigentümer einer Kette von Großbordellen mit dem Namen "Paradise", vielen Deutschen aus dem Fernsehen als Talkgast bekannt und wirbt gern mit einem sauberen Image. Und er soll laut Recherchen der "Bild"-Zeitung Kontakte zu den Hells Angels haben.

Andererseits nützt ein Sperrbezirk nicht viel gegen die hierzulande legale Prostitution. Er kann das neue Bordell nicht verhindern, denn in einem solchen Bezirk sind Puffs nicht an sich untersagt, sondern lediglich die Straßenprostitution und das aggressive Werben von Bordelltürstehern, norddeutsch Koberer.

Westerlands Bürgermeisterin Petra Reiber lässt laut einem Bericht der "Sylter Rundschau" dennoch prüfen, inwieweit ein Sperrbezirk die Lokalität verhindern kann. Sie hat unter anderem Angst, dass das neue Amüsier-Lokal die organisierte Kriminalität anlockt, hieß es Mitte Januar in einem Bericht der "Hamburger Morgenpost", und dabei dachte Reiber wohl an die Hells Angels.

Sylt, das neue St. Pauli?

Wird Sylt künftig also zum St. Pauli an der Nordsee und zum Traumziel für Sextouristen? Das jedenfalls wäre eine große Veränderung für die bei Promis beliebte Insel, die als Inbegriff der vornehmen Zurückhaltung gilt. Aktuell jedenfalls gebe es wenig Prostitution auf der Nordseeinsel, so die "Sylter Rundschau". In dem einen schon existierenden Bordell seien schätzungsweise zwei bis vier Frauen hauptberuflich als Prostituierte tätig, andere wenige Sylterinnen schafften gelegentlich an, in der Hauptsaison gebe es etwas mehr Betrieb. Zudem brächten Touristen gelegentlich Escort-Damen mit.

Mitzubringen brauchen diese Touristen ihre Damen künftig vielleicht nicht mehr. Noch hat der Umbau des ehemaligen Kinos "Strandburg", das zu einer kleinen "Paradise"-Variante werden soll, nicht begonnen. Früheren Meldungen zufolge soll es aber schon Ende dieses Jahres fertig werden: Bordellbetreiber Rudloff hat die Genehmigung vom Bauamt in der Tasche.

Eine harmlose Tabledance-Bar?

Bürgermeisterin Reiber sieht in dem Bauantrag im Nachhinein eine "Volksverdummung", sprich: ein Täuschungsmanöver. Von Prostitution habe in dem Dokument nichts gestanden. Die Rede sei lediglich von einem "bordellähnlichen Betrieb" gewesen. Die Beamten gingen laut einem Bericht der "Hamburger Morgenpost" damals von einer eher harmlosen Tabledance-Bar aus - und erteilten die Genehmigung.

Jetzt fürchtet die Bürgermeisterin, dass ein zentraler Teil des Kurortes zum Rotlichtviertel verkommt. Puffbetreiber Rudloff hört das Wort "verkommt" vermutlich ungern. Er versprach, es werde edel zugehen in dem neuen Etablissement. 2,5 Millionen Euro will er investieren, rund 20 Damen sollen laut Medienberichten in seinem neuen Bordell arbeiten. Die Mädels würden Abendkleider tragen, außerdem gebe es eine Zigarrenlounge und "Live-Cooking".

Ein einst ruhiges Dorf im Wandel der Zeit

Die Sylter lassen sich dadurch nicht blenden - ebenso wenig wie "Emma"-Herausgeberin Alice Schwarzer. Sie hat Sylts Bürgermeisterin Unterstützung im Kampf gegen das Bordell angeboten.

Sylt hat schon viele Veränderungen erlebt, eine wird im Online-Reiseführer wie folgt beschrieben: "Als man im 19. Jahrhundert die heilende Wirkung der frischen Seeluft und des Badens im Meer entdeckte, zog es immer mehr Besucher auf die Insel Sylt." Damals sei das ruhige Dorf Westerland zum Seebad geworden - ein tief greifender Wandel im Leben der Inselbewohner. Gegen die nächste Veränderung werden sich die Sylter weiter wehren.