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Ex-Fußballnationalspieler Metzelder vor Gericht: drei Prozesstage, Hunderte Dateien und eine rätselhafte Zeugin

Ex-Fußballnationalspieler Christoph Metzelder steht in Düsseldorf vor Gericht
In Düsseldorf startet der Gerichtsprozess von Ex-Fußballnationalspieler Christoph Metzelder (Archivbild)
© Oliver Killig / DPA
Das Medieninteresse am Prozess von Christoph Metzelder ist gewaltig. Im größten Düsseldorfer Gerichtssaal wird auch stern-Reporter Johannes Röhrig dabei sein. Vorab beantwortet er die wichtigsten Fragen zu dem Verfahren.

An diesem Donnerstag (9.30 Uhr) beginnt vor dem Amtsgericht Düsseldorf der Prozess gegen den ehemaligen Fußball-Nationalspieler Christoph Metzelder. Wegen der Corona-Auflagen und des enormen Medieninteresses wurde die Verhandlung extra in den größten Saal des Düsseldorfer Justizzentrums verlegt, E 116. Erwartet wird ein kurzer Prozess: Vorerst sind nur drei Verhandlungstermine angesetzt.

Was wird Christoph Metzelder vorgeworfen?

Die Anklage wirft dem heute 40-jährigen Metzelder vor, im Zeitraum vom 9. Juli 2019 bis zum 1. September 2019 drei Frauen kinderpornographische Bilder geschickt zu haben. Die Vorgänge summieren sich auf insgesamt 29 Fälle; das heißt, jedes Versenden wird als einzelne Tat gewertet. Zudem wurden laut Anklage bei der Durchsuchung am 3. September 2019 auf Metzelders Mobiltelefon 297 Dateien mit kinder- und jungendpornographischen Inhalten entdeckt. Deswegen wird ihm auch Besitz von Kinderpornographie vorgeworfen. Juristisch werden die fast 300 Dateien allerdings als ein einzelner Fall bewertet.

Welche Strafe hat Metzelder zu erwarten?

Zunächst kann Metzelder – wie jeder Angeklagte – bis zu einem Urteilsspruch oder einem Geständnis die Unschuldsvermutung für sich in Anspruch nehmen. Sollten sich die Vorwürfe bewahrheiten, drohen bei solchen Delikten zwischen drei Monaten und fünf Jahren Haft. Der Besitz von Kinderpornographie allein kann nach Paragraf 184b des Strafgesetzbuchs, der hier zur Anwendung kommt, grundsätzlich auch nur mit einer Geldstrafe geahndet werden. Strafmaßverschärfend wirkt aber das Versenden der Bilder – im Juristendeutsch: "einer anderen Person den Besitz (...) zu verschaffen". Das Gesetz macht hier auch einen Unterschied zum Vorwurf des "Verbreitens" von Kinderpornographie. Dabei handelt es sich um das Versenden an eine große, meist anonyme Empfängergruppe – etwa in kriminellen Foren. Die Verbreitung wird Metzelder nicht vorgeworfen. Grundsätzlich gilt: Eine Haftstrafe bis zu zwei Jahren kann zur Bewährung ausgesetzt werden.

Was sagt Metzelders Verteidigung?

Metzelders Anwälte haben seit Bekanntwerden der Hausdurchsuchung im September 2019 alles versucht, eine Berichterstattung über den Fall verbieten zu lassen. Das Ziel: Ein geräuscharmes Verfahren mit möglichst überschaubarem Imageschaden für den gefallenen Helden. Dafür haben sie juristisch Punkte gemacht; haben sich gegen Veröffentlichungen im Rechtsausschuss des nordrhein-westfälischen Landtags gewehrt und sind mit Erfolg gegen eine Pressemitteilung des Amtsgerichts Düsseldorf durch die Instanzen gezogen – jenem Gericht also, vor dem sich Metzelder nun verantworten muss.

Das ehemalige katholische Piusheim im bayerischen Kreis Ebersberg.

Genützt hat das Metzelder wenig. Berichte, es gebe längst ein Geständnis, ließ er von seiner Verteidigung zwar dementieren. Doch zuletzt räumte sein Anwalt Ulrich Sommer zumindest indirekt einen Teil des Geschehens ein. Metzelder habe "Fehler gemacht", sagte Sommer in einem RTL-Interview. Gegenüber dem stern gab Strafverteidiger Sommer an, sein Mandant sei von einer Chatpartnerin gezielt angestachelt worden. Ihr Verhalten sei "nicht nur anregend, sondern letztlich deutlich fordernd im Hinblick auf die Übersendung der nunmehr diskutierten Fotodateien", so Sommer. Metzelder sei "keinesfalls pädophil".

Welche Rolle spielt die rätselhafte Zeugin?

Im Mittelpunkt des Prozesses steht auch eine Frau aus Norddeutschland, die zum ersten Mal in der Wochenzeitung "Die Zeit" von ihren Kontakten und Chats mit dem Angeklagten berichtete, und durch die die Ermittlungen ausgelöst wurden. Persönlich getroffen habe sie, die ein Fan Metzelders war, den Fußballer nur zwei Mal: Ende 2018 in einem Restaurant und dann im Mai 2019 in einem Zimmer eines Hamburger Hotels.

Nach der gemeinsamen Nacht soll es Anfang August 2019 über Instagram zunächst zum Austausch über sexuelle Tabus gekommen sein. Die frivolen Chats entwickelten daraufhin offenbar eine Dynamik, an deren Ende am 10. August das Verschicken der schlimmen Bilder sowie Kindesmissbrauchsfantasien gestanden haben sollen. Die Bilder sind strafbar, die Fantasien, so abwegig und abscheulich sie ausfallen mögen, sind es nicht.

Inzwischen zeichnet sich ab, dass die Frau damals gezielt testete, wie weit ihr One-Night-Stand bereit war zu gehen. Sie hat deswegen mittlerweile ebenfalls ein Verfahren am Hals – wegen des "Sich-Verschaffens" von kinderpornographischem Material, ein Umstand, den ihr Anwalt Leon Kruse als "absurd" bewertet: Seine Mandantin sei vom hehren Aufklärungswillen getrieben, "das stellt die Staatsanwaltschaft auch gar nicht in Frage", sagt Kruse gegenüber dem stern. Fraglich bleibe allein, ob sie rechtlich so agieren durfte.

Für den Prozess gegen Metzelder bringt ein Strafbefehl gegen die Hauptzeugin nun allerdings eine unglückliche Folge mit sich: Sie kann alle Aussagen, die sie selbst belasten könnten, verweigern.

wue

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