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US-Army Die Soldatin Vanessa Guillen wurde belästigt, ermordet und zerstückelt. Sie ist kein Einzelfall

Monatelang wurde nach Vanessa Guillen gesucht, schließlich fanden freiwillige Helfer ihre Überreste. 
Monatelang wurde nach Vanessa Guillen gesucht, schließlich fanden freiwillige Helfer ihre Überreste. 
© US Army / Commons
Vanessa Guillen wurde auf einem Armeestützpunkt sexuell belästigt und mit einem Hammer erschlagen, um die Tat zu vertuschen. Nach diesem Fall teilen unzählige Soldatinnen ihre Geschichten, wie sie in der Armee vergewaltigt wurden. Und die Täter immer davongekommen sind.

Sexuelle Übergriffe und selbst Vergewaltigungen kommen in den US-Streitkräften immer wieder vor. Das Militär wird der sexuellen Gewalt nicht Herr, denn allzu viele sehen einfach weg, oder zählen sexuelle Übergriffe zu den üblichen Demütigungen, denen junge Soldaten eben ausgesetzt werden.

Der Fall von Vanessa Gillen wirft ein besonderes Licht auf diese Kultur des Missbrauchs. Denn Gillen wurde nicht nur belästigt, sie wurde ermordet. Das letzte Mal wurde Vanessa Guillen am 22. April auf dem Parkplatz des 3. Kavallerieregiment in Fort Hood, Texas, gesehen. Anfang der Woche haben freiwillige Helfer verscharrte Leichenteile gefunden. Noch sind sie nicht eindeutig identifiziert, doch aller Voraussicht nach handelt es sich um die Überreste der jungen Frau.

Für ihre Familie ging die quälende Zeit der Ungewissheit vorbei. Der Fall hat ganz Amerika aufgerüttelt. Auf einer Pressekonferenz sagte die Anwältin der Familie, Natalie Khawam, Guillen sei vor ihrem Verschwinden von ihrem Vorgesetzten sexuell belästigt worden und habe dies ihren Schwestern, ihrer Mutter und anderen Soldaten gesagt. Der Mann sei ihr gefolgt, als sie duschte. Offiziell wurden diese Vorwürfe nie gemeldet. "Sie hatte Angst davor, es zu melden, weil die sexuelle Belästigung von einem Vorgesetzten kam, daher hatte sie Angst vor Vergeltung", sagte Khawam. "Wir glauben, dass die Person, die sie getötet hat, die Person ist, die sie sexuell belästigt hat."

Die Familie fordert eine Untersuchungskommission. "Sie haben meine Schwester nicht beschützt", sagte Guillens Schwester, Lupe Guillen. "Wie kann so etwas auf einer Militärbasis passieren?"

Der Hauptverdächtige, Aaron David Robinson, hatte sich erschossen, als die Polizei ihn stellte. "Während die Strafverfolgungsbehörden versuchten, mit dem Verdächtigen Kontakt aufzunehmen, zückte Robinson eine Waffe und nahm sich das Leben", sagte Damon Phelps von der Kriminalpolizei der US-Armee. Cecily Aguilar, 22, Ex-Frau eines anderen Soldaten, wurde verhaftet, weil sie Robinson geholfen haben soll, die Leiche zu beseitigen. Aguilar wusste von Robinson, dass er Vanessa Guillen mit einem Hammer totgeschlagen hatte. Beide zusammen sollen die Leiche dann mit einer Art von Machete zerstückelt haben. Die Überreste wurden in Löchern vergraben, die später mit Beton verfüllt wurden.

US-Army: Die Soldatin Vanessa Guillen wurde belästigt, ermordet und zerstückelt. Sie ist kein Einzelfall

Vanessa Guillen ist kein Einzelfall, unter dem Hashtag #IAmVanessaGuillen posten unzählige Soldatinnen ihre erschütternden Geschichten – meistens Fälle, die nie angezeigt worden sind. Eine Veteranin aus der Navy schrieb, sie sei vor über 30 Jahren im Dienst vergewaltigt worden. "Das ist nichts Neues, aber diese Dinge wurde immer totgeschwiegen. Ich wurde auf einem Schiff der Marine mitten auf dem Ozean vergewaltigt. Sie sagten mir, wenn ich es melde, würden sie mich über Bord werfen und meine Leiche würde nie jemand finden. Das war vor 30 Jahren."

Eine "Morgan" schrieb, sie sei mit 18 vergewaltigt worden, einfach, weil sie "Frischfleisch" war. Hätte sie dies öffentlich gemacht, wäre sie unehrenhaft entlassen worden. Maira Carrier postete: "Ich kam in die Armee, als ich 17 Jahre alt war. Ich war als Kind Opfer sexueller Übergriffe und Belästigungen und dachte, die Armee sei meine Fahrkarte aus diesem Leben heraus, aber stattdessen kam ich in eine noch schlimmere Welt."

US-Army: Die Soldatin Vanessa Guillen wurde belästigt, ermordet und zerstückelt. Sie ist kein Einzelfall

Sadie Strong veröffentlichte ein altes Bild von sich, es zeigt eine junge Frau wie ein Schulmädchen in Uniform. Sie schreibt, dieses Mädchen sei 2012 im Nahen Osten gestorben. Damals wurde sie von einer Gruppe von Vorgesetzten vergewaltigt. Sie hat die Tat am nächsten Tag angezeigt, aber das brachte nichts. Die Männer hielten zusammen und deckten sich, die medizinische Akten verschwanden. Sie wurde versetzt und dort von einem anderen Soldaten betäubt und erneut vergewaltigt.

Gefährlicher als der Feind

Emily Elisabeths Post lautet: "Mein Name ist Emily. Es war vor 11 Jahren an meinem ersten Dienstort. Ich schlief, betrunkene Marines traten die Tür meiner Baracke ein und vergewaltigten mich. Ich schloss mich schließlich im Badezimmer ein und sie schrien: 'Niemand wird dir glauben, du bist eine neue Frau, wir werden mit dieser Sache davonkommen.'"

Eine Userin mit dem Namen "SheCow" schrieb: "Ich diente im aktiven Dienst als Jet-Mechaniker. Die Männer, die mich sexuell missbraucht haben, tragen noch heute Uniform. Statistisch gesehen, ist es wahrscheinlicher, dass Sie von jemandem vergewaltigt werden, der die gleiche Uniform trägt wie Sie, als dass Sie vom Feind beschossen werden."

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