HOME

Facebookgruppe mit Rache-Pornos: Schlampe, Lesbe oder Bitch - der Sexismus im Marine-Corps

Marines stellten die Nacktfotos von Kameradinnen in eine Facebookgruppe. Im Januar flogen sie auf, nun ergingen die ersten Strafen. Gleichzeitig berichten Veteraninnen über den haarsträubenden Sexismus in der Truppe.

Die Enthüllungen über den weitverbreiteten Sexismus schaden dem Ansehen des Marine-Corps.

Die Enthüllungen über den weitverbreiteten Sexismus schaden dem Ansehen des Marine-Corps.

Die Marine-Infanterie der USA gilt als Elite-Truppe mit hohem Ethos. Ihr Motto lautet seit 1883: semper fidelis (immer treu). Heutzutage öffnet sich die Truppe auch weiblichen Soldaten. Doch seit Wochen leidet das Ansehen der Marines unter einem ekeligen Sex-Foto-Skandal. Ohne Wissen und Zustimmung der Betroffenen wurden erotische Bilder von Frauen in einer Facebookgruppe mit dem Namen "Marines United" online gestellt. Bei den Opfern handelt es sich meist um weibliche Marines oder um Ex-Freundinnen von Soldaten.

Minderschwere Disziplinarfälle

Die Führung des Marine-Corps hatte angekündigt, scharf gegen die Gruppe vorzugehen. Nun wurden die ersten beiden Marines bestraft, berichtet das Truppenmagazin "Stars & Stripes". Die beiden Täter gehören dem 2. Bataillon des 4. Marine-Regiments an. Sie hatten die Bilder einer Vorgesetzten mit "erniedrigenden" Kommentaren versehen. Dafür wurden sie im Rang degradiert, im Sold heruntergestuft und müssen 45 Tage lang Sonderdienste schieben.

Bei beiden handelte es sich nicht um die Organisatoren der Gruppe, auch scheinen sie keine Bilder eingereicht zu haben. Es ist eher ein minderschwerer Fall, darum konnten hier auch schnell disziplinarische Konsequenzen gezogen werden. Strafrechtlich sind die Kommentare nicht relevant.

Weniger Täter als befürchtet

Aber gerade an diesen kleinen Fischen erkennt man, wie rigoros die Führung dieses Mal vorgehen will. Es ist ein Signal, dass auch die passiven Mitglieder der Gruppe, die nur durch sexistische Kommentare auffielen, bestraft würden. Der Kommandant der Einheit erklärte dazu: "Die Marines und Seeleute … tolerieren keine Angriffe auf andere Marines, weder online noch anderswo. Dieses Verhalten widerspricht den Werten unseres Korps."  

"Stars & Stripes" berichtet aber auch, dass umfangreiche Ermittlungen im Gange seien, die zu Strafverfahren führen könnten. Ermittelt wird derzeit gegen 15 aktive Mitglieder der Truppe und gegen zwölf Zivilisten. Bei den Zivilisten dürfte es sich um ehemalige Marines handeln, bei denen juristisch anders als bei aktiven Soldaten verfahren wird. Laut "Stars & Stripes" hat der Ermittlungsdienst der Marine (NCIS ) zudem weitere 29 Personen benannt, die sich keiner Straftaten schuldig gemacht hätten, deren Taten aber anders bestraft werden.

Laut "Marine Corps Time" sagte der Direktor der Ermittlungsbehörde NCIS, Andrew Traver, dass die Facebookgruppe zwar 30.000 Mitglieder hatte, aber nur ein kleiner Teil davon Zugriff auf die Bilder hatte und eine noch kleinere Gruppe im Verdacht stehe, das Gesetz gebrochen zu haben.

Sexismus bei den Marines

Im Zusammenhang mit dem Foto-Skandal berichtet die "Marine Corps Time" auch über die Aussage von zwei weiblichen Marines vor einer Gruppe von Politikerinnen der Demokratischen Partei. Dabei wurde deutlich, dass die sexistischen Probleme tiefer im Corps verwurzelt sind, als der Führung lieb sein konnte.

Stapellauf der "LCS-7 Detroit": US-Kriegsschiff geht spektakulär zu Wasser

Die Ex-Marine Erika Butner sagte aus, dass allen weiblichen Rekruten vom ersten Tag an klargemacht wurde, dass sie sich mit einer übertrieben sexistischen Kultur im Marine-Corps abfinden müssten. "Ich machen den Ausbildern gar keinen Vorwurf. Sie haben uns darauf vorbereitet, dass wir uns ein dickes Fell zulegen müssten. Das alles ist so tief in dieser Kultur drin. Die Ausbilder wissen auch nicht, wie man das ändern kann, also raten sie uns, mit dem Fluss zu schwimmen."

Schon im Jahr 2012 sprachen mehrere Ex-Soldatinnen mit den "Stars & Stripes" über den sexistischen Ungeist im Marine-Corps. Schon in der Ausbildungen würde ihnen beigebracht, dass es bei den Marines nur drei Typen von Frauen gäbe und sie sich entscheiden müssten, welcher Typ sie sein wollten: Schlampe, Lesbe oder Bitch.

"Dir wird beigebracht, dass eigentlicher jeder Kontakt zu einem männlichen Marine dich zur Schlampe abstempelt", sagte Katie Appeldorn. "Dann wird automatisch angenommen, dass du mit den Typen schläfst. Eine Lesbe – du musst nicht unbedingt auf Frauen stehen, um als Lesbe zu gelten. Die Ausbilder wollen, dass du eine Bitch bist. Bitch meint, du darfst Männern um dich herum niemals auch nur einen Zentimeter nachgeben.

Um diesen Geist zu brechen, müsse endlich einmal durchgegriffen werden, sagte Butner in Washington. "Man sollte damit beginnen, diese Leute zur Verantwortung zu ziehen. Ich glaube, man sollte ein paar Exempel statuieren. Erst das wird dazu führen, dass die Opfer sich zu erkennen geben."

Netz von einschlägigen Seiten

In Bezug auf einen älteren Skandal musste sich der Kommandant des Corps, General Robert B. Neller, erst unlängst schwere Kritik der Senatoren des Armed Services Committees wegen der stockenden Ermittlungen anhören. "Wenn wir Facebook nicht knacken können, wie sollen wir dann die Russen davon abhalten sich einmal quer durch unser Militär zu hacken", hielt ihm eine Senatorin vor. Ein Vorwurf, den sich die Navy im jüngsten Skandal nicht gefallen lassen will. Dieses Mal wird energisch gebohrt. Die Ergebnisse zeigen allerdings auch, dass es sich um keinen Einzelfall handelt.

Die Ermittlungen starteten mit einer Facebookgruppe, inzwischen wurde ein Netz von 150 einschlägigen Seiten aufgespürt. Selbst auf einer Seite, die mit der russischen Mafia in Verbindung stehen soll, sollen derartige Bilder aufgetaucht sein. Die Ermittler haben mittlerweile über 75.000 Bilder von weiblichen und männlichen Soldaten begutachtet.


Themen in diesem Artikel

Wissenscommunity