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Brasilien: Gangster, der als Tochter verkleidet fliehen wollte, tot in Zelle gefunden

Der brasilianische Bandenchef Clauvino da Silva wollte auf spektakuläre Weise aus dem Gefängnis fliehen, nämlich als seine Tochter verkleidet. Doch er scheiterte. Nun ist er tot in seiner Zelle gefunden worden.

Mit Maske, Perücke, Brille und in Frauenkleidern hat ein Häftling versucht, aus einem Gefängnis in Rio de Janeiro zu entkommen.

Der Gangster-Boss Clauvino da Silva aus Brasilien machte weltweit Schlagzeilen. Nicht etwa wegen seiner Verbrechen, sondern wegen seines Fluchtversuchs. Da Silva wollte als seine eigene Tochter verkleidet, die ihn an dem Tag besucht hatte, aus dem Gefängnis fliehen. Er trug dabei enge Jeans, ein rosafarbenes T-Shirt und eine Silikonmaske samt Perücke. Doch der Versuch schlug fehl, Wärter wurden misstrauisch und schnappten ihn vor den Gefängnistoren. Der Ausbruchsversuch des 42-Jährigen ging um die Welt. Gegen da Silvas Tochter und acht weitere Personen wurden Ermittlungen eingeleitet.

Nur wenige Tage nach seinem Versuch, aus der Haft zu entkommen, ist Clauvino da Silva tot in seiner Zelle im Gefängnis von Bangu aufgefunden worden, wie die Nachrichtenagenturen AP und Reuters unter Berufung auf Behörden aus Rio de Janeiro berichten. Eine Untersuchung des Todes wurde eingeleitet.

Schon 2013 aus Gefängnis geflohen

Da Silva alias "Baixinho" (der Kleine) war als Bandenchef in Drogenhandel verwickelt. Er soll zum mächtigen Verbrechersyndikat Comando Vermelho (Rotes Kommando) gehören und saß eine knapp 73 Jahre lange Haftstrafe wegen Drogenhandels ab. Nach Einschätzung der Gefängnisverwaltung stand sein jüngster Ausbruchsversuch in direktem Zusammenhang mit einer Aktion gegen die Führungsriege des Comando Vermelho.

Der Verbrecher war bereits einmal aus dem Gefängnis ausgebrochen, im Jahr 2013. Damals setzte er sich gemeinsam mit 30 anderen Häftlingen ebenfalls während der Besuchszeiten durch einen Tunnel und die Kanalisation ab. Er wurde später festgenommen.

Brasilien hat starke Probleme mit seinem Gefängnissystem. Viele Gefängnisse sind überfüllt und es kommt zu Gewalt. Vergangene Woche starben 57 Häftlinge bei einem Gewaltausbruch in einem Gefängnis im Bundesstaat Para, viele wurden laut Medienberichten enthauptet. Im Mai starben im Bundesstaat Amazonas 50 Gefängnisinsassen unter ähnlichen Umständen. Laut Reuters gebe es 750.000 Häftlinge in Gefängnissen, eine Verachtfachung in den letzten dreißig Jahren. Gangs in den Gefängnissen üben gewaltige Macht aus, auch über die Gefängnismauern hinaus.


Sie haben suizidale Gedanken? Hilfe bietet die Telefonseelsorge. Sie ist anonym, kostenlos und rund um die Uhr unter (0800) 1110111 und (0800) 1110222 erreichbar. Auch eine Beratung über E-Mail ist möglich. Eine Liste mit bundesweiten Hilfsstellen findet sich auf der Seite der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention.

Quellen: Nachrichtenagenturen AP, Reuters, DPA, "The Guardian", BBC

rw