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Eigentlich streng gesichert Spektakulärer Einbruch in Dresdens Schatzkammer Grünes Gewölbe – Wie hoch ist der Schaden?

Spurensuche rund um das Residenzschloss in Dresden. Unbekannte sind in das Grüne Gewölbe eingebrochen
Spurensuche rund um das Residenzschloss in Dresden: Unbekannte sind in das Grüne Gewölbe des sächsischen Kurfürsten August des Starken eingebrochen.
© Sebastian Kahnert / DPA
Es gilt als einmalige Schatzkammer Europas: Das Grüne Gewölbe in Dresden ist zur Zielscheibe von Einbrechern geworden. Der Schaden könnte in die Millionen gehen. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer ist bestürzt.

In Dresdens berühmte Schatzkammer, das Grüne Gewölbe, ist am frühen Montagmorgen eingebrochen worden. Der Einbruch betrifft den historischen Teil der wertvollen Staatlichen Kunstsammlungen. Die Schadenshöhe ist noch unklar. Auch was genau aus dem Museum gestohlen wurde, ist derzeit noch nicht bekannt. Die Räume des Museums sind eigentlich streng gesichert. Über Details will die Polizei im Tagesverlauf informieren.

Täter setzten womöglich Stromkasten in Brand

Nach Informationen der "Bild"-Zeitung wurden historische Schmuckstücke, Diamanten und Edelsteine im Millionenwert gestohlen. Am Montagmorgen gegen fünf Uhr früh soll demnach ein Stromkasten unter der Augustusbrücke in Brand gesetzt worden sein, um die Stromzufuhr der Kunstsammlungen lahmzulegen. Eine Sprecherin des Energieversorgers Drewag bestätigte den Brand: "Die Drewag musste den Schaltkasten außer Betrieb setzen." Im Anschluss sollen die unbekannten Täter laut "Bild" durch ein Eckfenster in das Residenzschloss eingestiegen sein, in dem sich große Teile des Wettinerschatzes befinden.

Ein Zimmer des  historischen Grünen Gewölbes, das seinen Namen durch die teils malachitgrüne Bemalung erhielt (Archivbild)
Ein Zimmer des historischen Grünen Gewölbes, das seinen Namen durch die teils malachitgrüne Bemalung erhielt (Archivbild)
© Sebastian Kahnert / DPA

In acht Kabinetten sind dort etwa 3000 Kunstwerke aus Gold, Silber, Edelsteinen, Elfenbein und Bernstein vor reich verzierten Schauwänden und Prunktischen zu sehen. So gibt es unter anderem ein Bernsteinkabinett, ein Elfenbeinzimmer, ein Weißsilberzimmer und das Silbervergoldete Zimmer.

Die Kabinette sind nur durch eine Schleuse begehbar, die den Besucher von Staub und Schmutz befreit. Aus konservatorischen Gründen ist die Zahl der täglichen Besucher in diesem "begehbaren Tresor" begrenzt.

Die meisten Kunstwerke sind nicht in Vitrinen verschlossen, sondern stehen frei auf Konsolen und Tischen. Nur im Juwelenzimmer, dem Highlight der Schatzkammer, liegen die Schmuckstücke unter Glas. Hier steht auch der berühmte "Mohr mit Smaragdstufe" mit 16 Edelsteinen von Balthasar Permoser und dem Hofjuwelier Johann Melchior Dinglinger.

Eines der wertvollsten Stücke des Grünen Gewölbes wird derzeit im Metropolitan Museum of Art in New York ausstellt – der Grüne Diamant. Das Hut-Schmuckstück mit dem einzigartigen Stein von 41 Karat und natürlicher Färbung gilt als spektakulärste Leihgabe der Ausstellung "Making Marvels: Science and Splendor at the Courts of Europe" des Metropolitan Museum of Art.

Das Grüne Gewölbe in Dresden

Das 1723 bis 1729 eingerichtete Grüne Gewölbe ist eine der reichsten Schatzkammern und eines der ältesten Museen Europas. Ihren Namen verdankt die um 1550 entstandene "Geheime Verwahrung" - so der ursprüngliche Name - malachitgrünen Abfärbungen einzelner Bauteile. Sachsen-Kurfürst und Polen-König August der Starke (1670-1733) ließ die tresorartigen Zimmer im Residenzschloss um 1723 von Zwinger-Architekt Matthäus Daniel Pöppelmann zum öffentlichen Schatzkammermuseum ausbauen. Dort wurden Meisterwerke der Juwelier- und Goldschmiedekunst, herausragende Werke aus Elfenbein, einmalige Steinschnitte und kostbare Bronzestatuetten aufbewahrt.


Die Sammlung reicht von seltenen Trinkgefäßen des Mittelalters, verspielten Luxusgegenständen der Renaissance und des Frühbarock bis zu Figuren von Bildhauer Balthasar Permoser, Prunkschalen und Kabinettstücken von Hofjuwelier Johann Melchior Dinglinger. Während andere Sammlungen in Notzeiten eingeschmolzen oder veräußert wurden, überstand das Museum alle Wirren bis zum Zweiten Weltkrieg.


Im Februar 1945 zerstörten Bomben drei der acht Räume. Schon 1942 waren die Kostbarkeiten aus Gold, Edelsteinen, Perlmutt, Bernstein, Perlen oder Korallen ausgelagert worden. Im Mai 1945 beschlagnahmte die Rote Armee auch diese Sammlung und brachte sie nach Moskau. 13 Jahre später kehrte sie zurück. Etwa 100 Stücke fehlen bis heute. Von den rund 4000 Exponaten konnte mangels Platz von 1974 an nur ein Viertel gezeigt werden, der Rest blieb im Depot. Bis zur Schließung 2004 wurden im Interim im Albertinum knapp 20 Millionen Besucher gezählt.


Im Herbst 2004 wurde das Neue Grünen Gewölbe mit 1071 Kunstwerken als moderner Teil der Schatzkammer im Schloss eröffnet. Mit der Präsentation von weiteren knapp 3000 Stücken in den rekonstruierten Barockräumen war die einzigartige Schatzkammersammlung nach 64 Jahren wieder komplett.

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer reagierte bestürzt auf den Einbruch: "Nicht nur die Staatlichen Kunstsammlungen wurden bestohlen, sondern wir Sachsen", sagte der CDU-Politiker. Die Werte, die im Grünen Gewölbe und im Dresdner Residenzschloss zu finden sind, seien "von den Menschen im Freistaat Sachsen über viele Jahrhunderte hart erarbeitet worden". "Man kann die Geschichte unseres Landes, unseres Freistaats nicht verstehen ohne das Grüne Gewölbe und die Staatlichen Kunstsammlungen Sachsens."

Das Grüne Gewölbe, das seinen Namen durch die teils malachitgrüne Bemalung erhielt, gilt als einmalige Schatzkammer Europas. Sachsens Kurfürst August der Starke (1670-1733) hatte die prachtvollen Räume zwischen 1723 und 1730 anlegen lassen. Im Zweiten Weltkrieg wurden das Residenzschloss und mit ihm Teile des Grünen Gewölbes weitgehend zerstört. Die Kunstgegenstände waren zuvor ausgelagert worden und wurden nach Kriegsende von der Roten Armee beschlagnahmt und in die Sowjetunion gebracht. Erst 1958 erhielten die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden die komplette Sammlung wieder zurück.

Heute wird die Schatzkammer in zwei Abteilungen präsentiert. Der historische Teil befindet sich im Erdgeschoss des Residenzschlosses in den authentisch wiederhergestellten Räumen der Sammlung. Eine Etage weiter oben zeigt das Neue Grüne Gewölbe besondere Einzelstücke.

mad DPA AFP

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