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Dreifachmord in Jena: "Es war sehr blutig" – Mann soll drei Wochen altes Baby, zwei Erwachsene und sich selbst getötet haben

Ein 38-Jähriger tötete in Jena offenbar seine Ex-Freundin, deren neuen Partner und einen drei Wochen alten Säugling. Vieles deutet auf eine Beziehungstat hin – eine von Dutzenden jedes Jahr.

Polizeiabsperrung vor einem Wohnhaus in Jena

Unter den vier Toten in Jena ist auch ein Baby, wie die Polizei bestätigte

DPA

"Eine unvorstellbare Größenordnung" nennt Familienministerin Franziska Giffey (SPD) im "Spiegel" (kostenpflichtiger Artikel) diese Zahlen des Bundeskriminalamtes: Rund 114.000 Frauen wurden im vergangenen Jahr zum Opfer ihres Freundes, Ehemannes oder Ex-Partners. Geschlagen, misshandelt, gestalkt, bedroht – oder gar getötet: 147 überlebten 2017 den Angriff des Mannes nicht.

Mal sind die brutalen Attacken nur eine Randnotiz in den Lokalzeitungen, mal verstören sie Menschen einer ganzen Region. Im thüringischen Jena herrschen seit Montagnachmittag Fassungslosigkeit und Trauer.

Vier Tote in Jena-Winzerla

Es ist schon dunkel, als Bestatter nach stundenlanger Spurensicherung durch die Polizei insgesamt vier Leichen aus der Dachgeschosswohnung eines Plattenbaus in der Ernst-Zielinski-Straße am Rande der Carl-Zeiss-Stadt tragen müssen: Eine 25-jährige Mutter, ihr erst drei Wochen altes Baby und der 43-jährige Lebensgefährte der Frau sind tot. Mutmaßlich ermordet vom Ex-Freund und Vater des Säuglings. Der 38-Jährige habe sich anschließend selbst das Leben genommen, sagte der zuständige Staatsanwalt einem Reporter der Nachrichtenagentur DPA. Alle waren Deutsche.

Staatsanwaltschaft und Polizei bemühen sich nun, die Hintergründe des angenommenen Dreifachmordes und des Suizids zu klären. Eines steht nach derzeitigem Ermittlungsstand fest: Der mutmaßliche Täter und die 25-Jährige haben sich getrennt. Wann ist jedoch noch unklar. Der 38-Jährige zog nach der Trennung aus der gemeinsamen Wohnung im Stadtteil Winzerla aus, kehrte am Wochenende dorthin zurück – und stach offenbar zu.

Hintergründe noch unklar

Als mögliche Tatwaffe komme ein Messer in Betracht, so die Staatsanwaltschaft. "Es war sehr blutig." Einen Bericht des MDR, wonach der mutmaßliche Täter sich und das Baby durch die Rauchgase eines in der Wohnung entzündeten Holzkohlegrills getötet habe, bestätigte die Behörde nicht. Die vier Leichen werden in der Rechtsmedizin untersucht, um die genauen Todesumstände zu klären.

Laut "Thüringer Allgemeine" führten zwei Vermisstenmeldungen die Polizei am Montag in den Plattenbau. Gegen 15 Uhr öffnete demnach die Feuerwehr die Tür der Wohnung, Beamte machten dann den grausigen Fund.

Eine Beziehungstat, die Menschen in Thüringen und darüber hinaus schockiert – und die doch leider kein Einzelfall in Deutschland ist.


Sie haben suizidale Gedanken? Hilfe bietet die Telefonseelsorge. Sie ist anonym, kostenlos und rund um die Uhr unter (0800) 1110111 und (0800) 1110222 erreichbar. Auch eine Beratung über E-Mail ist möglich. Eine Liste mit bundesweiten Hilfsstellen findet sich auf der Seite der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention.

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Quellen: "Spiegel", MDR, "Thüringer Allgemeine"

mit DPA-Material