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Kriminalität: Portugal liefert Oliver Shanti aus

Der in Lissabon verhaftete mutmaßliche Kinderschänder Ulrich Schulz alias Oliver Shanti ist wieder in Deutschland. Die portugiesischen Behörden haben ihn ausgeliefert. Die Münchner Staatsanwaltschaft wirft dem 59-Jährigen sexuellen Missbrauch von Kindern in mehr als 300 Fällen vor.

Die portugiesischen Behörden haben den mutmaßlichen Kinderschänder Ulrich Schulz alias Oliver Shanti nach Deutschland ausgeliefert. Die Polizei von Lissabon habe ihn bereits am Freitag an Beamte des Präsidiums München übergeben, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft am Montag mit. Nach der Landung in München sei der 59-Jährige in die Justizvollzugsanstalt Stadelheim gebracht worden. Dem gebürtigen Hamburger, der zeitweise Guru einer sektenähnlichen Gemeinschaft war, werden mehr als 300 Fälle von sexuellem Missbrauch von Kindern zur Last gelegt. Er selbst machte bisher keine Angaben zu den Vorwürfen.

Bei der Auslieferung sei auch ein Münchner Notarzt dabei gewesen. Es werde geprüft, ob für Shanti ein psychologisches Gutachten erstellt werden müsse. Deshalb sei er in die Krankenabteilung von Stadelheim gebracht worden.

Der seit sechs Jahren gesuchte Esoterik-Musiker war am 27. Juni in Portugal festgenommen worden. Shanti war bei einem Besuch der Deutschen Botschaft in Lissabon von Mitarbeitern erkannt worden. Als er das Botschaftsgebäude verließ, griffen die Fahnder der portugiesischen Polizei zu.

Das Münchner Amtsgericht hatte schon 2002 Haftbefehl erlassen, seither fahndeten Zielfahnder des Polizeipräsidiums München in Zusammenarbeit mit dem Bundeskriminalamt international nach ihm.

Die Münchner Staatsanwaltschaft wirft dem Mann sexuellen Missbrauch von Kindern mit "weit über 300 Einzeltaten vor". Einzelne Opfer seien zwischen drei und sieben Mal in der Woche misshandelt worden. Die meisten Taten sind laut den Ermittlern in Portugal verübt worden, wo der Sektenführer zusammen mit einem Dutzend Anhängern auf einem Landgut bei Vila Nova de Cerveira gelebt haben soll.

Schulz und seine Anhänger produzieren unter dem CD-Label "Sattva Music" mit großem Erfolg Meditations- und Entspannungsmusik. Die Kommune hatte bis Mitte der 80er Jahre in Viechtach im Bayerischen Wald und in München gelebt und war dann nach Portugal umgezogen. Der Fall kam Anfang 2002 durch die Anzeige einer Mutter aus Berlin ins Rollen. Sie hatte ihren krebskranken Sohn zwecks Luftveränderung in die Landkommune geschickt.

DPA / DPA