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New Jersey Zwei Teenager prügeln sich. Den Schwarzen fesselt die Polizei. Den Weißen setzt sie auf ein Sofa

Polizei in den USA beim Einsatz (Symbolfoto) Rassistischer Vorfall in New Jersey?
Bei Einsätzen der Polizei in den USA kommt es immer wieder zur rassistischen Vorfällen, wie jetzt mutmaßlich in New Jersey (Symbolfoto)
© iStockphoto / Getty Images
Ein Video aus New Jersey hat einmal mehr Rassismusvorwürfe gegen die US-Polizei ausgelöst. Die Aufnahme zeigt, wie zwei Teenager sich prügeln, bis eine Beamtin und ein Beamter einschreiten – und die Streithähne höchst ungleich trennen.

Für Gouverneur Philip D. Murphy sind die Bilder "zutiefst, zutiefst beunruhigend": Ein Video eines Polizeieinsatzes im US-Bundesstaat New Jersey hat die Rassismusdebatte in den USA erneut angefacht. Die Aufnahmen zeigen eine Prügelei zwischen zwei Teenagern – einem 15 Jahre alten Weißen und einem 14 Jahre alten Schwarzen – in einem Einkaufszentrum in Bridgewater. Nach wenigen Sekunden schreiten ein Polizist und eine Polizistin ein, um die Streithähne zu trennen. Doch während sie den schwarzen Jungen zu Boden drücken, muss sein Kontrahent sich nur auf ein Sofa setzen.

New Jerseys Gouverneur kritisiert Polizeieinsatz

Die Beamtin zerrt den weißen Teenager zurück und auf eine hinter ihm stehende Couch, während ihr Kollege den schwarzen Jungen, der sich augenscheinlich nicht wehrt, mit dem Knie am Boden fixiert um ihm Handfesseln anzulegen. Dann lässt die Polizistin den Weißen auf dem Sofa sitzen um ihrem Kollegen zu helfen und presst dem Schwarzen dabei ebenfalls ihr Knie in den Rücken.

"Yo, das ist, weil er schwarz ist", sagt eine Stimme im Hintergrund, bevor das Video endet. "Rassistisch motiviert".

Nachdem mehrere Fernsehsender über den Vorfall berichtet hatten, räumte die Polizei in Bridgewater auf Facebook ein, dass das Video "Mitglieder unserer Gemeinde verärgert" habe und kündigte interne Ermittlungen an. Gouverneur Murphy kritisierte den Polizeieinsatz auf Twitter: "Obwohl die Ermittlungen zu diesem Vorfall noch im Gange sind, bin ich zutiefst beunruhigt über die offenbar rassistisch ungleiche Behandlung in diesem Video", schrieb er.

Auch Steffie Bartley von der Bürgerrechtsorganisation National Action Network beklagte eine "implizite Voreingenommenheit" der Polizisten. "Warum lag der junge schwarze Mann mit Handschellen auf dem Boden, während der junge weiße Mann auf der Couch saß, als würde er alles überwachen?".

Darüber wunderte sich offenbar auch der 15-jährige Weiße: "Ich war verwirrt, weil sie ihn festhielten und nicht mich. Ich habe sogar angeboten, mich festnehmen zu lassen, als ich auf der Couch saß", erzählte der Junge dem US-Sender CBS News. Er habe seine Hände hingehalten und den Beamten gesagt, sie könnten ihn festnehmen. Doch die Polizistin habe entgegnet: "Nein, denn du warst ruhig". Auf dem Video ist tatsächlich zu sehen, wie der Teenager entsprechend seiner Beschreibung die Arme hebt.

Auch der 14 Jahre alte Schwarze sprach mit dem Sender über den Vorfall und berichtete, dass die Erfahrung ihm "das Gefühl gab, dass ... sie ihm zustimmten – dass ich weniger wert bin als er". Die Mutter des Jungen berichtete der "New York Times", ihr Sohn sei etwa 20 bis 30 Minuten lang gefesselt gewesen. "Die Polizisten sagten, es sei einfach das Protokoll für eine solche Situation, dass sie die Kinder in Handfesseln legen", erzählte sie. "Nur dass mein Sohn der einzige war, der Handfesseln trug."

Prominenter Bürgerrechtsanwalt vertritt Familie des Schwarzen

Sie wolle die Beamten zur Rechenschaft ziehen und mache sich Sorgen um ihren Sohn sagte die Mutter CBS News. Sie habe mit ihm darüber gesprochen, dass er ein schwarzer Mann sei, der von manchen als Bedrohung angesehen werden könnte: "Man muss mit jedem Jungen das Black-Man-America-Gespräch führen."

Mittlerweile hat die Familie des Schwarzen den Bürgerrechtsanwalt Benjamin Crump mit der Wahrnehmung ihrer Interessen beauftragt, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet. Crump hat auch die Familien von George Floyd, Breonna Taylor und anderen prominenten Opfern von Polizeigewalt gegen Schwarze vertreten. "Dies ist ein weiteres Beispiel für die Art von rassistischer Voreingenommenheit, die wir in unserem Polizeisystem ausmerzen müssen", erklärte der Anwalt am Donnerstag.

Im Mai 2020 hatten Videoaufnahmen des gewaltsamen Todes von Floyd durch einen weißen US-Polizisten international für Empörung gesorgt und landesweite Proteste gegen Rassismus und Polizeigewalt ausgelöst.

Quelle: CBS News, Reuters, "New York Times", CNN, Bridgewater Police auf Facebook


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