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Österreich Maria O. wurde fast 40 Jahre lang nicht vermisst – jetzt ermittelt die Polizei wegen Mordverdachts

Cold Case in Österreich
Jahrzehntelang glaubten alle, Maria O. hätte ihre Familie im Stich gelassen und sei ausgewandert (Symbolbild)
© Beest / Getty Images
Der Fall der Österreicherin Maria O. wirft viele Fragen auf: Vor 40 Jahren verschwand die junge Frau, laut ihrem Ex-Partner wanderte sie nach Kanada aus. Doch mittlerweile steht der Mann im Verdacht, Maria O. damals ermordet zu haben.

Seit 1982 fehlt von Maria O. jede Spur. Wann genau die Österreicherin verschwand, ist nicht eindeutig festzulegen. Erst im Rahmen einer Gerichtsverhandlung im März 1982 fiel auf, dass die damals 21-Jährige schlicht nicht mehr da war: Dabei sollte es um das Sorgerecht für ihr einige Monate altes Baby gehen. Doch Maria O. erschien nicht. Ihr früherer Lebensgefährte, der Vater des Kindes, erklärte, sie habe sich nach Kanada zu ihrem Bruder abgesetzt – damit war die Sache für Jahrzehnte erledigt.

Doch nachdem lange scheinbar niemand Maria O. vermisst hatte, kommt seit einigen Jahren wieder Bewegung in den Fall. Gerhard O., das Kind, um das es bei jener Sorgerechtsverhandlung ging, ist davon überzeugt, dass seine Mutter ermordet wurde. "Nein, meine Mama hat mich damals nicht im Stich gelassen, sie wurde umgebracht. Von meinem Vater", sagte er im Mai der österreichischen "Kronenzeitung". 

Maria O. verschwindet vor Sorgerechtsverhandlung

Maria O. stammt aus dem Bezirk Amstetten in Niederösterreich, dort lernte die Pflegekraft 1979 ihren späteren Lebensgefährten, einen Maurer, kennen. Sehr bald aber stellte sich der Mann als psychisch und physisch gewalttätig heraus, berichten Zeugen aus jener Zeit. Laut "Kurier" soll er Maria O. brutal geschlagen haben und auch während ihrer Schwangerschaft nicht damit aufgehört haben. Auch von "psychischer Unterdrückung" ist die Rede. Aus den Beschreibungen ergibt sich, dass die gesamte Beziehung für O. eine Tortur gewesen sein muss. Laut Recherchen des "Kurier" lassen sich die Anschuldigungen aber nach so langer Zeit kaum noch verifizieren.

Das Jugendamt schritt ein und holte das Kind aus der dysfunktionalen Familie, Gerhard O. wollte in einer Pflegefamilie untergebracht. Seine Mutter versuchte, das Sorgerecht wieder zurückzubekommen und ging dafür auch vor Gericht. Doch zur Verhandlung tauchte sie nicht auf. Die Erklärung ihres Lebensgefährten, von dem sie sich mittlerweile getrennt hatte, sie sei nach Kanada ausgewandert, schien dem Umfeld zu genügen. Auch Staatsanwaltschaft und Polizei sahen offenbar keinen Anlass, weiter nachzuforschen.

Dabei gab es einige Unstimmigkeiten, berichtet der "Kurier". Es habe Anzeichen dafür gegeben, dass Maria O. darum bemüht war, ihr Leben in Österreich wieder in den Griff zu bekommen: Sie habe sich von ihrem gewalttätigen Partner getrennt, eine Wohnung und einen Job gehabt, sowie sich für die Gerichtsverhandlung eigens ein neues Kleid gekauft. Dass sie dann nicht dort erschien, hätte Verdacht erregen müssen.

Österreichische Polizei ermittelt: War es ein Mord?

Das passierte erst 2019, also 37 Jahre nach dem Verschwinden. Der ehemalige Lebensgefährte soll damals im Streit seiner neuen Partnerin gedroht haben: "Ich betonier dich ein wie die Maria." Die Frau ging zur Polizei, die Ermittlungen liefen an. Bisher haben sie bezüglich eines möglichen Mordes kein klares Ergebnis gebracht. Dafür kamen andere Verbrechen ans Licht: Der Mann hatte drei seiner Nichten sexuell missbraucht. Dafür wurde er im Mai zu 13 Jahren Gefängnis verurteilt.

"Cold Case": DNA-Spuren überführen Mörder nach mehr als 30 Jahren

Den Vorwurf des Mordes an seiner ehemaligen Freundin streitet er weiterhin ab und spricht von einer "Mega-Intrige" gegen ihn. Seinem Sohn, der als Kind von einem Onkel und seiner Frau adoptiert wurde, hatte er erzählt, dass seine Mutter ihn "nicht gemocht" habe – was Gerhard O. auch jahrzehntelang glaubte. Lange hoffte er auf eine Kontaktaufnahme seitens seiner Mutter und versuchte vergeblich, sie selbst zu finden. Mittlerweile ist er überzeugt, dass sie Opfer eines Gewaltverbrechens durch seinen Vater geworden ist. Doch ob der Fall tatsächlich jemals aufgelöst werden kann, bleibt unklar.

Quellen: "Kurier" / "Kronenzeitung" / Österreich findet euch

epp

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