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Justizirrtum: Ihm drohten 99 Jahre Knast - doch ein Selfie bewies seine Unschuld

Christopher Precopia fiel aus allen Wolken, als er im September 2017 an seinem Arbeitsplatz verhaftet wurde. Er soll eine Ex-Freundin angegriffen haben und ein "X" in ihre Brust geritzt haben. Erst Selfies konnten seine Unschuld beweisen.

Christopher Precopia bei ABC NEWS

Christopher Precopia berichtet ABC NEWS unter Tränen von seinem Fall.

Es muss ein Albtraum für den Texaner Christopher Precopia gewesen sein. An einem Septembertag 2017 kamen plötzlich Polizisten zu seiner Arbeitsstelle und verhafteten ihn. Er hatte keine Ahnung, warum die Beamten ihn mitnahmen und ins Williamson County Gefängnis steckten. Als er die Begründung hörte, traf es ihn wie ein Schlag: Seine Jugendliebe von der Highschool hatte den 21-Jährigen beschuldigt, in ihr Haus eingedrungen zu sein, sie ins Gesicht geschlagen und ein "X" in ihre Brust geritzt zu haben. "Ich hatte keine Ahnung, warum das alles passierte und ich fühlte mich verloren", zitieren mehrere US-Medien den Beschuldigten. In einem Video von "ABC News" wird auch die Verletzung des Opfers gezeigt.

Precopia wurde angeklagt und erst gegen eine Kautionszahlung von 150.000 Dollar auf freien Fuß gesetzt. Dennoch: Für das Verbrechen drohten dem jungen Mann eine Haftstrafe von bis zu 99 Jahren. Doch Precopia hatte Beweise für seine Unschuld: Laut dem Ankläger soll sich der Angriff am 20. September 2017 gegen 19.20 Uhr ereignet haben. Doch genau zu diesem Zeitpunkt war Precopia rund 100 Kilometer entfernt in Austin im Bundesstaat Texas. Und das konnte er auch beweisen. Denn dort war er gemeinsam mit seiner Mutter in einem Hotel - und hatte Selfies bei dem Ausflug gemacht. "Es ist wie die Gnade Gottes, dass der Ankläger sagte, es sei an dem Tag passiert, an dem ich 100 Prozent sagen kann, wo er war“, sagt seine Mutter Erin Precopia. Das Selfie veröffentlichte der junge Mann in sozialen Medien. 

Trotz dieses stichhaltigen Beweises hielt die örtliche Polizei an den Vorwürfen fest. Normalerweise bekommen Angeklagte die Möglichkeit, sich zu den Vorwürfen zu äußern - dies scheint bei Precopia nicht der Fall gewesen zu sein. Auf die Frage, warum er überhaupt festgehalten würde, sollen die Beamten gesagt haben: "Verhalten Sie sich nicht so, als wüssten Sie nicht, wovon wir sprechen ", so sein Anwalt Rick Flores zu "ABC News". Offenbar vermuteten die Polizisten, dass Precopia noch weitere Verbrechen geplant haben könnte.

Am Ende, neun Monate später, wurde nun die Anklage endgültig fallen gelassen. Die vorgelegten Selfies und die Veröffentlichungen in den sozialen Netzwerken überzeugten die Staatsanwaltschaft von der Unschuld des Mannes. 

Ex-Freundin gesteht

"Meistens beschäftigen wir uns mit Vorfällen im Graubereich", sagt Rick Flores. "Es ist normalerweise nicht schwarz oder weiß. Aber dies ist einer der Fälle, in denen ich eindeutig beweisen kann, dass er diese Straftat nicht begangen hat." Er vermutet, dass der Angriff auf die junge Frau inszeniert worden ist. Sie selbst gab später zu, ihren Ex-Freund wegen der schwierigen Beziehung in der Vergangenheit angezeigt zu haben. 

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kg