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Cold Case: Vor 20 Jahren wurde Tristan grausam ermordet - jetzt hat die Polizei eine neue Spur

Der Fall Tristan Brübach erschütterte vor 20 Jahren die Republik. Der blonde Junge aus Höchst wurde am helllichten Tag grausam ermordet. Der Täter ist weiterhin unbekannt - doch jetzt verfolgt die Polizei eine neue Spur.

Fundort der Leiche Tristan Brübachs in einer Unterführung in Frankfurt

In diesem Tunnel in Frankfurt wurde vor 20 Jahren die Leiche des 14-jährigen Tristan Brübach entdeckt

Das Bild des blonden Jungen mit dem etwas trotzig-selbstbewussten Blick war vor 20 Jahren in jeder Zeitung, erschien auf allen Fernsehbildschirmen. Tristan Brübach, 13 Jahre alt, aus Frankfurt am Main - von einem Unbekannten ermordet.

Spielende Kinder hatten am späten Nachmittag des 26. März 1998 auf einem Betonsockel in einem Tunnel im Stadtteil Höchst die verstümmelte Leiche des Jungen gefunden. Nicht einmal eine Stunde zuvor war Tristan zuletzt lebend gesehen worden. Der Mord an dem Jungen entsetzte viele Menschen weit über das Rhein-Main-Gebiet hinaus. Wer der Täter ist, ist weiterhin ein Rätsel.

Mehr als 100 Beamte gingen nach der Entdeckung des ermordeten Jungen Hinweisen, Spuren und Zeugenaussagen nach. "Je mehr Zeit in einem Ermittlungsverfahren vergeht, umso unwahrscheinlicher ist es, Spuren zu finden und zu sichern beziehungsweise die Tat aufzuklären", sagt Chantal Emch von der Frankfurter Polizei. "Daher sind insbesondere die ersten polizeilichen Maßnahmen von großer Relevanz und sollten möglichst zeitnah umgesetzt werden."

Mehr als 23.000 Hinweise gingen bei den Ermittlern ein, nicht nur unmittelbar nach der Tat, sondern auch in den Folgejahren. In der Fernsehsendung "Aktenzeichen XY ... ungelöst" wurde über den Fall Tristan berichtet. Die Ermittlungen führten auch ins Ausland; nach Frankreich. Aktuell werde ein Hinweis aus der Schweiz überprüft, so Emch.

Fall Tristan Brübach bei "Aktenzeichen XY"

Mittlerweile befasst sich der Frankfurter Kriminalhauptkommissar Uwe Fey alleine mit dem Fall Tristan. Bei Bedarf wird er von anderen Beamten unterstützt. Denn Mord verjährt nicht. "Die Technik entwickelt sich immer weiter, es gibt immer wieder neue Erkenntnisse in der Kriminalistik", sagt Emch. Auch nach 20 Jahren werde noch Hinweisen nachgegangen, werden alte Spuren erneut aufgegriffen und überprüft. "Die Frankfurter Kriminalpolizei lässt nichts unversucht, den Mörder zu ermitteln", versichert die Polizeisprecherin.

Solch einen Rucksack hatte Tristan bei sich

Solch einen Rucksack hatte Tristan bei sich

Da ist zum einen ein mit Tristans Blut gelegter Fingerabdruck, eine der wichtigsten Spuren dieses Falles. Er wird in regelmäßigen Abständen mit vorhandenen Daten abgeglichen - bisher allerdings ohne Erfolg. Bis heute ist zudem rätselhaft, wer nach der Tat im Besitz von Tristans Rucksack war, der erst im März 1999 gefunden wurde.

Auch wenn viele Spuren kalt geworden sind: "Es ist grundsätzlich nicht auszuschließen, dass Menschen nach vielen Jahren ihr Gewissen erleichtern möchten und sich mit ihrem Wissen an die Polizei wenden", sagt Emch. Das könnten Zeugen, der Täter selbst oder aber Menschen sein, die als Ärzte, Anwälte oder Geistliche zum Schweigen verpflichtet sind.

Am Jahrestag von Tristans Ermordung treffen sich auf dem Friedhof in Frankfurt-Höchst die Mitglieder einer Initiative, die die Erinnerung an Tristan lebendig halten will. Denn alle nächsten Angehörigen von Tristan sind bereits tot, nun läuft die Ruhefrist für das Reihengrab aus. Der Grabstein von Tristan soll unter einem Baum unweit des Grabes, das dann eingeebnet wird, weiter an den Jungen erinnern.

"Es ist ein anhaltendes Entsetzen"

Der Kinderschutzaktivist Michael Fiedler hat mit anderen Mitgliedern der Initiative Spenden für die kleine Gedenkstätte gesammelt. Er kannte Tristan nicht persönlich, aber der Fall geht im nahe. In den vergangenen Jahren besuchte er wiederholt Tristans Grab, um dort eine Kerze anzuzünden, Blumen nieder zu legen und das Grab zu pflegen.

"Ich wurde dann immer wieder von Besuchern benachbarter Gräber angesprochen", sagt er. "Da sind viele, die sich noch an Tristan erinnern." Zum 20. Jahrestag des grausamen Todes von Tristan werde wohl auch eine Gruppe ehemaliger Mitschüler zu der Gedenkfeier kommen.

Dass Tristans Schicksal vielen in Frankfurt-Höchst noch gegenwärtig ist, ist auch vor dem gerahmten, mittlerweile von der Witterung gezeichneten Bild zu sehen, das auf dem Höchster Schlossplatz am Sockel eines Sandstein-Kreuzes angebracht wurde. "Für Tristan" steht auf einem weißen Grablicht unter dem Bild. Eine dunkelrosafarbene Rose liegt als Zeichen von Anteilnahme und Erinnerung daneben. "Das ist wie eine Wunde, das darf man nicht vergessen", sagt auch Fiedler.

Die Tat, so meint er, ist in Höchst ins kollektive Bewusstsein gerückt. "Es ist ein anhaltendes Entsetzen."

+++ Ein anderer Cold Case beschäftigt die Polizei in Hamburg. Dort sucht sie seit fast 20 Jahren nach der verschwundenen, damals zehnjährigen, Hilal Ercan. Lesen Sie hier, wie Ermittler den Fall lösen wollen. +++


Weitere Informationen zu dem Fall hat das Bundeskriminalamt bereitgestellt. Die Beamten fragen unter anderem:

  • Wer hat am Tattag Beobachtungen gemacht und sich der Polizei noch nicht oder nicht vollständig mitgeteilt?
  • Wer kannte Tristan oder Personen aus seinem Umfeld?
  • Wer hat eine bestimmte Person als Täter in Verdacht? Auffällig könnte zum Beispiel sein, dass jemand sein Verhalten geändert, sich verdächtig geäußert oder ohne erkennbaren Grund sein gewohntes Lebensumfeld verlassen hat (Flucht).
  • Ein Abschnitt der Tat fand vermutlich im Liederbach statt. Hose und Schuhe des Täters könnten daher zumindest teilweise durchnässt worden sein. Wem ist am Tattag eine Person mit durchnässter und/oder blutbefleckter Kleidung aufgefallen?

Das Phantombild des Verdächtigen im Fall Tristan

Das Phantombild des Verdächtigen

Zudem haben die Ermittler im Jahr 2009 das Phantombild eines Verdächtigen veröffentlicht, der sich zur Tatzeit regelmäßig in der Nähe des Tatortes aufgehalten haben könnte. Er wird als etwa 1,75 Meter groß, 20 bis 30 alt und schlank beschrieben. Sein Gesicht soll blass gewesen sein, er hatte seinerzeit dunkelblonde, fettige, längere Haare, die als Zopf bzw. Pferdeschwanz getragen wurden und eine insgesamt ungepflegte Erscheinung. Im Bereich der Oberlippe soll er eine Narbe gehabt haben.

Für Angaben, die zur Ergreifung des Mörders von Tristan Brübach führen, hat die Staatsanwaltschaft Frankfurt eine Belohnung von 15.000 Euro ausgesetzt, eine Privatperson stellt zusätzlich 5.000 Euro zur Verfügung.

Hinweise nehmen die Mordkommission der Frankfurter Polizei unter (069) 75551108, das Bundeskriminalamt unter (0611) 5513101 oder jede andere Polizeidienststelle entgegen.

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Eva Krafczyk/DPA/wue