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Festnahme in Schwerin: Geplanter Anschlag verhindert - Syrer seit 2015 in Deutschland

Mit der Festnahme eines 19-jährigen Syrers hat die Polizei laut Innenminister Thomas de Maizière einen neuerlichen Terroranschlag in Deutschland verhindert. Der Verdächtige kam 2015 nach Deutschland.

Der in Schwerin unter Terrorverdacht festgenommene Syrer hatte nach Angaben der Bundesanwaltschaft über das Internet Kontakt zu einer Person, die sich selbst als "Soldat des Kalifats", also als Anhänger der Terrormiliz Islamischer Staat (IS), bezeichnete. "Wir wissen aber nicht, wer diese Person ist, und wir wissen nicht, ob er ihn (den Festgenommenen) in seinen Plänen bestärkt hat", sagte die Sprecherin der Bundesanwaltschaft, Frauke Köhler, am Dienstag in Karlsruhe. Es gebe keine belastbaren Anhaltspunkte dafür, dass weitere Personen an der Anschlagsvorbereitung beteiligt waren. Nach den Worten von Innenminister Thomas de Maiziére (CDU) wurde durch die Festnahme ein "schwerer Terroranschlag in Deutschland vereitelt.

Gegen den Syrer wird zunächst nicht wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung ermittelt, sondern wegen Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Straftat, sagte Köhler. "Ob der Beschuldigte bereits ein konkretes Ziel für seinen Sprengstoffanschlag ins Auge gefasst hatte, ist derzeit noch unklar."

Nach Angaben von Landesinnenminister Lorenz Caffier (CDU) kam der 19-Jährige 2015 als Flüchtling nach Deutschland. Er habe im Februar 2016 in Mecklenburg-Vorpommern einen Asylantrag gestellt. Seit April 2016 sei er im Besitz einer befristeten Aufenthaltserlaubnis gewesen und habe subsidiären Schutz gehabt. Bisher sei der junge Syrer nicht auffällig gewesen. "Die Festnahme zeigt, dass wir Personen, bei denen es Anhaltspunkte dafür gibt, dass von ihnen eine konkrete Gefahr ausgeht, fest im Visier haben", sagte Caffier mit Blick auf die Festnahme.

Zugriff rechtzeitig, um Attentat zu verhindern

Der 19-Jährige habe sich elektronische Bauteile und Chemikalien beschafft - darunter über einen Internetversandhändler Schwefelsäure- und Wasserstoffperoxid enthaltende Oxidatorlösungen. Beide Chemikalien sind neben Aceton Bestandteile des hochexplosiven Sprengstoffs TATP. Dieser sollte offenbar als Initialsprengstoff für eine größere Sprengladung dienen. Es seien auch Bauteile für eine Fernzündung gefunden worden.

"Nach allem was wir wissen, erfolgte der Zugriff zum richtigen Zeitpunkt: spät genug, um Beweise zu sichern und gleichzeitig früh genug, um die Gefahr zuverlässig zu bannen", erklärte de Maizière am Dienstag. Alle Beteiligten - Verfassungsschutz, Kriminalpolizei, SEK und Justiz - hätten "hervorragende Arbeit" geleistet, lobte der Minister. Die Gefährdungslage in Deutschland sei unverändert hoch.

Einsatz gegen Syrer am frühen Morgen

Spezialkräfte hatten den Syrer am frühen Morgen in Schwerin unter dem Verdacht der Vorbereitung eines islamistisch motivierten Bombenanschlags festgenommen. In Schwerin und auch in Hamburg wurden Wohnungen durchsucht - laut Bundesanwaltschaft von bisher "nicht tatverdächtigen Personen".

dho / DPA