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Tel Aviv: Geiselnahme in Botschaft Palästinenser wollte Asyl erzwingen


In der türkischen Botschaft in Tel Aviv hat ein Palästinenser den Konsul und seine Frau festgehalten und Asyl in der Türkei gefordert. Der 32-Jährige soll unter psychischen Problemen leiden - und ist zudem Wiederholungstäter.

Dramatischer Zwischenfall in der türkischen Botschaft in Israel: Ein Palästinenser hat sich nach Medienberichten am Dienstagabend in dem Gebäude in Tel Aviv verschanzt. Ein israelischer Polizeisprecher bestätigte, es seien mehrere Schüsse gefallen. Den Berichten zufolge wurde der Mann am Bein verletzt, als türkische Sicherheitsbeamte auf ihn schossen – und ihn anschließend überwältigten. Der Palästinenser habe politisches Asyl in der Türkei gefordert und Mitarbeiter der Botschaft bedroht. Vor der Botschaft standen Krankenwagen und zahlreiche Polizeikräfte bereit.

Israelische Medien berichteten, es handele sich bei dem Mann um einen ehemaligen Kollaborateur mit Israel. Er leide unter psychischen Problemen. Der 32-Jährige aus Ramallah im Westjordanland fühle sich von Israel fallengelassen und von der Palästinensischen Autonomiebehörde verfolgt, hieß es. Er habe den türkischen Konsul und dessen Frau kurzfristig in einem Raum in der Botschaft festgehalten. Die beiden konnten den Berichten zufolge jedoch aus dem Gebäude entkommen. Laut israelischem Rundfunk hatte der Palästinenser in einem Telefonat gedroht, das Botschaftsgebäude niederzubrennen, wenn er in der Türkei kein Asyl erhalte.

Israelische Polizei durfte nicht eingreifen

Die israelische Polizei hatte sich um Einlass in die Botschaft, die in unmittelbarer Nähe zum Tel Aviver Badestrand liegt, bemüht. Polizeisprecher Mickey Rosenfeld betonte, alle Vorfälle im Bereich der Botschaft unterlägen türkischer Verantwortung. Man habe sich um eine diplomatische Lösung der Krisensituation bemüht.

Wie die türkische Regierung nach der Überwältigung des Mannes mitteilte, war er mit einem Messer, einem Benzinkanister und einer Spielzeugpistole in die Botschaft eingedrungen. Er sei zum ersten Stock hinauf geklettert und habe dort ein Fenster eingeschlagen. Danach habe er geschrien, dass er Asyl fordere, und versucht, den türkischen Vize-Konsul als Geisel zu nehmen. Das Sicherheitspersonal der Botschaft konnte den Mann überwältigen, dabei sei er durch Schüsse verletzt worden.

Geiselnehmer ist Wiederholungstäter

Nach israelischen Medienberichten hat der Palästinenser sich vor vier Jahren schon einmal in der britischen Botschaft verschanzt, die in der selben Straße liegt. Damals habe er nach acht Stunden aufgegeben. Anschließend sei deutlich geworden, dass er nur eine Spielzeugwaffe bei sich trug. Die Haftstrafe für den Überfall hatte er gerade erst abgesessen. Auf sein Konto gingen auch Eigentums-und Drogendelikte.

Zunächst hatte eine Nachrichtenagentur berichtet, dass ein Mann sich aus unbekannten Gründen nahe der Botschaft ausgezogen habe, nackt durch die Straßen gelaufen und dann von einem Unbekannten erschossen worden sei. Diese Berichte wurden jedoch nicht bestätigt.

Angespanntes Verhältnis zwischen Türkei und Israel

Türkische Medien berichteten am Abend nur mit großer Zurückhaltung über den Zwischenfall. Die Beziehungen zwischen Israel und der Türkei - ehemals enge Bündnispartner - sind seit dem Gaza-Krieg zur Jahreswende 2008/2009 angespannt. Seit das israelische Militär am 31.Mai 2010 das türkische Hilfsschiff "Mavi Marmara" stürmte und neun Aktivisten tötete, herrscht Eiszeit. Die "Mavi Marmara" wollte die israelische Seeblockade durchbrechen und direkt Hilfsgüter zu den Palästinensern im Gazastreifen bringen. Der israelische Angriff löste weltweit Bestürzung aus. Inzwischen untersucht eine Sonderkommission der Vereinten Nationen den blutigen Militäreinsatz im Mittelmeer.

swd/DPA/AFP/APN DPA

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