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Todenhöfer schreibt offenen Brief: "Herr Netanjahu, stellen Sie sich vor, Sie lebten in Gaza ..."

Erst kürzlich sorgte Jürgen Todenhöfer für Aufregung, als er Joachim Gauck als Gotteskrieger darstellte. Nun hat er einen offenen Brief an Netanjahu geschrieben und macht damit auf Facebook Furore.

Sorgt immer wieder mit Kritik für Kritik: Jürgen Todenhöfer

Sorgt immer wieder mit Kritik für Kritik: Jürgen Todenhöfer

Neues von Jürgen Todenhöfer: Erst vor wenigen Wochen hatte der ehemalige CDU-Bundestagsabgeordnete auf seinem Facebook-Account Joachim Gauck in ein Dschihadisten-Outfit retuschiert und war dafür heftig kritisiert worden. Nun hat der Publizist das soziale Netzwerk erneut genutzt, um gehört zu werden - und einen offenen Brief an Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu veröffentlicht, der mächtig Wellen schlägt.

Ausführlich geht Todenhöfer darin auf den Gaza-Konflikt ein und bezieht deutlich Position für die palästinensische Seite. "Sehr geehrter Herr Ministerpräsident Netanjahu", beginnt er den Brief - "darf ich Ihnen mitten im Krieg ein paar Fragen stellen?"

Was dann folgt, ist eine lange Abhandlung, die sich um eben diese Fragen dreht: "Haben Sie sich schon mal vorgestellt, wie es wäre, wenn Sie nicht in Tel Aviv, sondern in Gaza auf die Welt gekommen wären? Was würden Sie als Bürger von Gaza von Israels Ministerpräsident Netanjahu halten, dem Sie einen Großteil Ihres Leids verdanken? Wie würden Sie reagieren, wenn Sie aus den Nachrichten erfahren würden, dass Israel nun auch noch das Shifa-Krankenhaus bombardieren will, in dem Ihre schwerverletzte Enkelin liegt?"

"Ich teile es mit Tränen in den Augen"

Im Internet stößt der Brief auf große Resonanz. Tausendfach wurde er geliket und geteilt, einige Kommentatoren schlagen den Verfasser bereits für den Friedensnobelpreis vor. Ein "Held der Wahrheit und der Gerechtigkeit" sei er und als Journalist "der anständigste und ehrlichste Mensch der gesamten Zunft". "Ich teile es mit Tränen in den Augen", schreibt eine Nutzerin und eine andere: "Respekt. Es wäre schön, wenn das die Medien auch so rüber bringen würden."

Andere kritisieren, dass Todenhöfer zu einseitig argumentiere. "Verfassen Sie doch bitte auch noch einen vergleichbaren Brief an die Generäle der Hamas!", fordert einer. In ähnliche Richtung geht ein weiterer Kommentar: "Wie üblich diskreditiert sich die so genannte Friedensbewegung selbst. Hat Herr Todenhöfer ähnlich leidenschaftliche Briefe geschrieben, immer wenn die Hamas vom Hof eines Krankenhauses in Gaza aus Raketen auf Israel abfeuert und die Menschen ringsherum jubeln? Das hat Israel hinzunehmen?"

Umstrittener Publizist

Todenhöfer, der von 1972 bis 1990 für die Christdemokraten im Bundestag saß, ist passionierter Pazifist und bereist seit Jahren Krisengebiete. Er kritisierte die USA und den Westen für die Kriege im Irak und in Afghanistan. Zuletzt veröffentlichte er das Buch "Du sollst nicht töten. Mein Traum vom Frieden." Seit Beginn des neuen Gaza-Konflikts hat er sich immer wieder kritisch zum Vorgehen Israels geäußert.

Seine Positionen sind jedoch umstritten. Während seine Unterstützer ihn für seine Friedensbemühungen schätzen, kritisieren ihn andere als "Demagogen des Mainstreams" und seinen Pazifismus als PR-Masche. Viele werfen ihm außerdem vor, die palästinensische Hamas zu verharmlosen.

car