morgenstern
Der Papst ist eine Nummer zu groß für Sie, Mr. Trump

Papst Leo XIV streitet mit Trump
Papst Leo hat Trump für den Krieg im Iran kritisiert. In den nächsten Tagen bereist er Afrika. Auf dem Kontinent erfreut sich die katholische Kirche noch großer Beliebtheit
© dpa
Donald Trump legt sich mit Papst Leo XIV. an. Warum macht er das – und was hat Verteidigungsminister Hegseth damit zu tun? Außerdem: Merz so unbeliebt wie Scholz. Die Lage am Morgen.

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

die große Kunst des Donald Trump ist, dass er im Grunde ungefiltert sagt, was ihm in den Sinn kommt. Und ihm ist auch keine Ausrede zu schlecht, so wie gerade jetzt auch wieder. Gestern postete er ein mittels KI erstelltes Bild von sich als Jesus. Heute Nacht, als ihm auch viele seiner Anhänger Blasphemie vorwarfen, löschte er es und sagte: „Ich dachte, es zeigt mich als Arzt.“ Er macht sich seine Welt eben, wie sie ihm gefällt.

Der US-Präsident hat längst keine Hemmungen mehr. So zu beobachten in den letzten Tagen bei seinem öffentlichen Duell mit Papst Leo XIV. Der Pontifex schwieg lange zu all den Themen, die die Welt gerade bewegen. Unter dem Eindruck des Irankrieges und Trumps Drohung, dass eine ganze Zivilisation sterben könne, mahnte er dann aber doch öffentlich zur Zurückhaltung. In einer Predigt kritisierte er die Trump-Regierung und deren Krieg gegen den Iran. Er sagte: „Er hört die Gebete derer nicht, die Krieg führen, sondern weist sie zurück und sagt: ‚Auch wenn ihr noch so viel betet, ich werde nicht hören: Eure Hände sind voll Blut.‘“

Damit setzte er offensichtlich einen Wirkungstreffer bei Trump. Die Worte des Papstes haben erhebliches Gewicht, da sich bisher nur sehr wenige Menschen in Machtpositionen so klar und öffentlich gegen Trump gestellt haben. Und dann ausgerechnet am Ende einer ohnehin schon schlechten Woche für Trump mit hohen Spritpreisen, gescheiterten Iranverhandlungen und der Wahlniederlage seines Verbündeten Viktor Orbán in Ungarn. Die Antwort vom US-Präsidenten kam schnell und scharf. Der Papst sei „schrecklich“ und wolle, dass der Iran die Atombombe bekomme. Leo nahm’s gelassen und erwiderte: „Ich habe keine Angst vor der Trump-Regierung.“ Um dann nachzulegen und zu sagen, dass „Friedensstifter gesegnet sind“.

Bei all dem Spektakel bleibt die Frage: Warum legte Trump sich so öffentlich mit dem Papst an? Sind doch viele seiner Wähler religiös. Die Antwort könnte bei US-Verteidigungsminister Pete Hegseth liegen. Von Trump ist bekannt, dass er sich von seinem direkten Umfeld stark beeinflussen lässt. Wer sein Ohr hat, dem folgt er. Derzeit scheint das der ultragläubige Christ Hegseth zu sein, der seit Wochen die Auseinandersetzung mit dem Iran zu einer Art Heiligem Krieg erklärt. 

Donald Trump lässt sich von Pete Hegseth beeinflussen

Der 45-jährige Hegseth ist Mitglied einer obskuren calvinistischen evangelikalen Bewegung. Der Papst ist für ihn schon lange ein Antagonist, wie für viele MAGA-Anhänger. Hegseth ist radikal überzeugt, dass gar überhaupt nichts passiert auf Erden, was nicht Gottes Wille ist. Gott steuere alles, eben auch den Irankrieg. Sogar noch mehr, die militärische Gewalt sei auch dessen Wille.

Auf seinem rechten Bizeps hat Hegseth die lateinischen Worte „Deus Vult“ eintätowiert. Übersetzt heißt das sinngemäß „Gott will es“. Das gilt historisch als Ausruf der Kreuzritter, wird heute aber auch von rechten Gruppierungen in den USA benutzt. Es hat eine starke islamfeindliche Konnotation. Es heißt, der Verteidigungsminister sei überzeugt, es sei die Aufgabe eines wahren Christen, Gottes Reich auf Erden aufzubauen, bevor Jesus zurückkehrt. Dazu könnte es für ihn auch zählen, im Nahen Osten wieder das Christentum zu etablieren. 

Genau damit scheint er bei Donald Trump einen Nerv zu treffen. Vielleicht ist dem die Idee, sein Handeln entspreche Gottes Willen, zu Kopf gestiegen. Doch dieses Mal könnte Trump sich mit dem Falschen angelegt haben. Wie schnell er das Jesus-Bild gelöscht hat, könnte ein Zeichen dafür sein. Die katholische Kirche hat eben lange Erfahrung in Sachen Macht und Diplomatie, von der Trump und Co. nur träumen können. Sie haben fast 2000 Jahre demonstriert, wie sie mit Abweichlern und Renegaten umgehen. 

Sexualisierte Gewalt: Deepfake-Videos im Internet

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5-Minuten-Talk: Die drei Profiteure des schwarz-roten Streits

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Und sonst? Es gibt drei Profiteure des schwarz-roten Dramas. Wer das ist – das erklären die stern-Politikchefs Veit Medick und Jan Rosenkranz.

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Alexandra Kraft

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