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Unwettertief "Nadine": Verletzte nach Unwetter - Fernverkehr im Norden eingestellt - Waldbrand in Bayern

Das erste Unwetter nach langer Zeit der Trockenheit und Hitze hat heftige Schäden in Deutschland verursacht: Menschen wurden verletzt, der Bahnverkehr zum Teil eingestellt. In Bayern kämpfen Einsatzkräfte indes aus der Luft mit einem Waldbrand.

Auch in Niedersachsen - wie hier in Algermissen - verdunkelte sich der Himmel, als eine Unwetterfront am Himmel aufzog

Auch in Niedersachsen - wie hier in Algermissen - verdunkelte sich der Himmel, als eine Unwetterfront am Himmel aufzog

DPA

Wegen des starken Unwetters galten am Donnerstagabend in zahlreichen Regionen Deutschlands entsprechende Warnungen des Deutschen Wetterdienstes DWD. Vielerorts gingen starke Niederschläge nieder, es gab Gewitter und Sturmböen.

Mehrere Menschen wurden durch das Unwetter verletzt. Beim Durchzug einer Unwetterfront in Mittelhessen löste sich eine 20 Meter lange Jalousie an einem Café in Bad Vilbel und verletzte drei Menschen, einen davon schwer, wie ein Polizeisprecher in Gießen berichtete.

Bahnverkehr wegen Unwetter zum Teil eingestellt

Die Deutsche Bahn hat indes den Fernverkehr in weiten Teilen Norddeutschlands eingestellt. Nördlich von Hannover seien keine ICE- und IC-Züge mehr unterwegs, teilte das Unternehmen auf Twitter mit.

Der Bahnverkehr war bereits zuvor in einigen Regionen stark beeinträchtigt. In Rheinland-Pfalz und im Saarland sperrte die Bahn wegen umgestürzter Bäume oder wegen Ästen in der Oberleitung mehrere Strecken, darunter die Strecken Mainz-Mannheim, Hamm-Bielefeld sowie Saarbrücken-Forbach. Auch im Bereich Frankfurt am Main gab es zahlreiche Störungen. 

Wie die Bahn außerdem mitteilte, wurde auch die ICE-Linie 10 zwischen Berlin und dem Ruhrgebiet wegen des Unwetters unterbrochen. Mehrere Bäume im Gleis bei Rheda-Wiedenbrück (Nordrhein-Westfalen) sowie eine Störung zwischen Wolfsburg und Hannover (Niedersachsen) hatten demnach zu Ausfällen auf der Verbindung geführt. Ein Sprecher der Bahn sagte, dass versucht werde, die Strecke so schnell wie möglich wieder freizugeben.

Für Reisende, die ihre Fahrt nicht mehr fortsetzen konnten, stellte die Deutsche Bahn nach eigenen Angaben an mehreren Bahnhöfen wie Dortmund, Hamm oder Berlin Aufenthaltszüge bereit.

Das Unternehmen empfiehlt Reisenden, sich vor Fahrtbeginn über die Streckensperrungen im Internet zu informieren.

Umgestürzte Bäume blockierten auch die A3 (Frankfurt-Würzburg) bei Seligenstadt in Hessen. Die Autobahn wurde am Nachmittag in Fahrtrichtung Würzburg komplett gesperrt. Der Verkehr staute sich auf einer Länge von mehr als 20 Kilometern. 

In Hamburg wurde der U-Bahn-Betrieb der Linie 3 zeitweise eingestellt, nachdem Bäume auf die Gleise gefallen waren. Auch im "Metronom"-Regionalverkehr in Richtung Niedersachsen gibt es Einschränkungen. Die Feuerwehr der Hansestadt rückte zu über 100 Einsätzen aus, auch das Volksfest "Hamburger Dom" wurde unterbrochen. Ein Mann wurde verletzt.

+++ Wie das Unwetter über Deutschland zieht, können Sie hier in Echtzeit verfolgen. +++

Unwetter mit orkanartigen Sturmböen von bis zu 110 Stundenkilometern und Regen erreichten auch das bevölkerungsreichste Bundesland Nordrhein-Westfalen. Ab dem frühen Nachmittag bildeten sich bei bis zu 30 Grad die ersten Gewitter und Schauer entlang der Eifel und des Niederrheins, sagte in Essen ein DWD-Sprecher. Die Wetterexperten schlossen auch die Bildung von Tornados nicht aus. Die Regenmengen hielten sich nach Angaben des DWD mit zehn bis maximal 20 Litern pro Quadratmeter zunächst in Grenzen, auch Hagel sei nur vereinzelt aufgetreten. Der Sturm machte sich dafür umso mehr bemerkbar: Böen mit 110 Stundenkilometern wurden im Bezirk Arnsberg gemessen, 101 Stundenkilometer in Wuppertal.

Wegen einer Gewitterzelle über dem Gelände des Frankfurter Flughafens sei um 15.20 Uhr die Abfertigung aus Sicherheitsgründen eingestellt worden, sagte eine Flughafensprecherin. Dies bedeutete, dass es zunächst keine Abflüge und Landungen mehr gegeben habe. Nach Wetterbesserung wurde demnach um 15.50 Uhr die Abfertigung wieder aufgenommen. Seither herrsche "wieder normaler Betrieb", sagte die Sprecherin.

Die Lufthansa reservierte dort vorsorglich etwa 3000 Hotelzimmer, falls Passagiere stranden sollten. Die Fluggesellschaft stellte sich eigenen Angaben zufolge darauf ein, dass rund 6000 Passagiere betroffen sein könnten.

Wegen des aufziehenden Gewitters haben die Veranstalter der Leichtathletik-Europameisterschaften in Berlin die Zuschaueaufgerufen, zunächst im Olympiastadion zu verharren. "Bitte bleiben Sie hier, das ist der sicherste Ort für sie", hieß es unmittelbar nach dem abschließenden 100-Meter-Hürden-Lauf der Frauen in mehreren Durchsagen. Kurz nach 22.30 Uhr hatten fast alle Zuschauer bei nachlassendem Regen die Tribünen verlassen. Am Breitscheidplatz waren wegen einer Gewitterwarnung durch den DWD bereits die geplanten Siegerehrungen vertagt worden.

Waldbrand in Bayern

In Bayern kämpften Feuerwehrleute unterdessen mit Löschhubschraubern gegen einen Waldbrand in der Gemeinde Kiefersfelden. Der Landkreis Rosenheim rief den Katastrophenfall aus. Auf der Website des Landkreises hieß es, der Brand könne "nur aus der Luft bekämpft werden". "Das Gelände ist so steil und die Winde so unberechenbar, dass Einsatzkräfte nicht in der Nähe des Brandherds eingesetzt werden können." In der Nacht sollten die Helikopter jedoch am Boden bleiben.

Die nahe gelegene Ramsauer Alm wurde den Angaben zufolge vorsorglich evakuiert. Feuerwehrleute positionierten sich, um ein Übergreifen der Flammen auf die Alm zu verhindern. Rund 200 Kräfte von Feuerwehr, Polizei, Rettungsdienst und Bergwacht seien im Einsatz.

Laut DWD ist die große Hitze nun vorerst vorbei - sommerlich warm bleibt es trotzdem. Hoch "Kevin" bringt trockene Luft - außer dem Südosten Bayerns und Schleswig-Holstein.

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mit DPA- und AFP-Material