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Halle Urteil zum Schwimmunterricht: Muslimische Schülerin muss nicht nackt duschen

Schulkinder schwimmen im Becken
Für die Schülerin aus Halle ist das Urteil gefallen: Am Duschen vor dem Schwimmunterricht darf sie in Badebekleidung teilnehmen (Symbolbild) 
© Federico Gambarini / Picture Alliance
Im Eilverfahren hat ein Gericht entschieden: Die klagende Schülerin darf im Badezug unter die Dusche. Dies gelte auch in diesem Fall, selbst wenn die Badeordnung der Schwimmhalle aus hygienischen Gründen andere Regelungen treffe.

Eine muslimische Grundschülerin aus Sachsen-Anhalt darf vor dem Schwimmunterricht in ihrem Badeanzug duschen. Das geht aus einem Urteil des Verwaltungsgerichts Halle hervor, das am Mittwoch veröffentlicht wurde. Die Glaubensfreiheit umfasse auch das Tragen bestimmter Kleidung und stehe bereits Kindern zu, auch wenn diese bis zu ihrer Religionsmündigkeit zunächst von ihren Eltern vertreten würden. Dies gelte auch in diesem Fall, selbst wenn die Haus- und Badeordnung der Schwimmhalle aus hygienischen Gründen andere Regelungen treffe.

Die Schülerin hatte mit Verweis auf den Koran dargelegt, dass es nach ihrer Glaubensüberzeugung nicht erlaubt sei, sich vor anderen Personen, die nicht zur Familie gehören, nackt zu zeigen. Das Gericht erklärte, dass Artikel 4 des Grundgesetzes jedem Einzelnen das Recht gewährleiste, nach seiner Glaubensüberzeugung zu leben und seinen Glauben zu bekunden.

Zwar könnten sowohl die Glaubensfreiheit der Antragstellerin als auch das religiöse Erziehungsrecht der Eltern unter Umständen eingeschränkt werden, die Befreiung von Unterrichtsveranstaltungen sei jedoch im Hinblick auf die Integrationsfunktion der Schule nur in Ausnahmefällen möglich. Das Duschen vor dem Unterricht sei nicht Bestandteil des Schwimmunterrichts. Zudem komme ihm "keine integrative Funktion" zu und könne die religiösen Grundrechte der Schülerin nicht einschränken, erklärten die Richter.

Religiöse Bekleidungsvorschriften landen immer wieder vor Gericht

Religiöse Bekleidungsvorschriften haben verschiedene Gerichte schon mehrfach beschäftigt. So ziehen auch immer wieder Eltern vor Gericht, die ihre Kinder vom Schwimmunterricht befreien lassen möchten. 2013 scheiterte eine Frankfurter Schülerin vor dem Bundesverwaltungsgericht. Hier stellten die Richter den staatlichen Bildungs- und Erziehungsauftrag über die Glaubensfreiheit und verwiesen auf einen Burkini als akzeptablen Kompromiss.

gho DPA

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