Festnahme im Südwesten
Frau mit BH gefesselt und getötet – Sexualmord von 1985 vor Aufklärung?

Immer wieder gelingt es der Polizei, Cold Cases aufzuklären
Immer wieder gelingt es der Polizei, Cold Cases aufzuklären (Symbolbild)
© David Inderlied

Debattieren Sie mit!

  • Mit stern-Account aktiv an allen Debatten teilnehmen und kommentieren.
Jetzt registrieren
Über 40 Jahre lang bleibt ein Cold Case aus Baden-Württemberg ungelöst. Jetzt nehmen Ermittler einen 70-Jährigen fest – durch Spuren aus den 1980er Jahren.

Im Winter 1985 erschüttert ein Gewaltverbrechen den Südwesten der Bundesrepublik. Am 10. März entdecken Spaziergängerinnen in einem Wald bei Deggingen im Landkreis Göppingen (Baden-Württemberg) die Leiche einer Frau. Sie liegt nackt an einem Wanderweg, ihre Beine sind mit einem BH gefesselt. Der Körper weist schwere Verletzungen an Kopf und Oberkörper auf.

Die Polizei benötigt einige Zeit, um die Tote zu identifizieren. Es handelt sich um eine 31-jährige Frau ohne festen Wohnsitz, die als Küchenhilfe gearbeitet hat. Die Ermittlungen in ihrem Umfeld führen zunächst zu keinem Ergebnis.

Mord an 31-Jähriger aus Baden-Württemberg wird Cold Case

Die rechtsmedizinische Untersuchung liefert wenig später erste Hinweise auf das Tatgeschehen. Es sei „massive Gewalt“ ausgeübt worden, teilt die Polizei mit. Das Verletzungsmuster ähnele dem eines Überrollens mit einem Kraftfahrzeug.

Trotz intensiver Ermittlungen gelingt es den Behörden nicht, einen Tatverdächtigen zu identifizieren. Nicht in den Wochen, nicht in den Monaten, nicht in den Jahren nach der Tat. Die Akten des Falls wandern über die Zeit immer weiter nach unten – irgendwann sehen die Beamten keine neuen Ermittlungsansätze mehr. Der Mord an der 31-Jährigen wird zum Cold Case.

Jetzt, mehr als 40 Jahre später, rückt das Verbrechen wieder in den Fokus der Ermittler. Die beim Polizeipräsidium Ulm eingerichtete „Ermittlungsgruppe Oberberg“ profitiert dabei von der Weitsicht der damaligen Beamten: Sie hatten bereits 1985 Spuren gesichert, die später für DNA-Analysen genutzt werden konnten – eine Methode, die sich erst in den 1990er Jahren im Polizeialltag etablierte.

Die neuen Untersuchungen führen die Ermittler auf die Spur eines heute 70-jährigen Mannes aus Schwendi im Landkreis Biberach. Details dazu nennen die Behörden nicht. Fest steht jedoch: Bereits Anfang November 2025 durchsucht die Polizei das Wohnhaus des Mannes. Dabei kommen unter anderem ein Spezialfahrzeug und eine Sonde zur Feststellung von Hohlräumen zum Einsatz.

Und die Beamten waren erfolgreich: „Insgesamt konnten durch die Ermittler eine Vielzahl von Asservaten aufgefunden und sichergestellt werden“, so die Polizei. Der Mann wird vorübergehend festgenommen, jedoch zunächst wieder auf freien Fuß gesetzt. Die Ermittlungen gegen ihn gehen weiter.

Verdächtiger wird nach mehr als 40 Jahren festgenommen

An diesem Donnerstag erklären Polizei und Staatsanwaltschaft dann: „Auf Grundlage der Auswertung der im Rahmen der Durchsuchung beschlagnahmten Asservate, einer umfassenden Neubewertung der vorhandenen Beweismittel, der Erkenntnisse eines ergänzenden rechtsmedizinischen Sachverständigengutachtens sowie des bereits zuvor erfolgten Abgleichs einer DNA-Spur erhärtete sich der Tatverdacht gegen den 70-Jährigen.“

Der Beschuldigte wurde am 14. April widerstandslos festgenommen. Ein Richter ordnete noch am selben Tag Untersuchungshaft an. Dem Mann wird Mord vorgeworfen. Nach Angaben der Ermittler soll er die Frau getötet haben, um ein zuvor begangenes Sexualdelikt zu verdecken. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Die Ermittlungen gehen weiter – mehr als vier Jahrzehnte nach der Tat.

Quellen: Polizeipräsidium Ulm I, II, III, Nachrichtenagenturen DPA und AFP

PRODUKTE & TIPPS

Kaufkosmos

Mehr zum Thema