VG-Wort Pixel

Vergewaltigungsvorwurf gegen Strauss-Kahn Französin zeigt Ex-IWF-Chef an


Gut anderthalb Monate nach der Festnahme von Dominique Strauss-Kahn in den USA wegen sexueller Übergriffe wirft auch eine Französin dem zurückgetretenen Leiter des Internationalen Währungsfonds versuchte Vergewaltigung vor.

Die Journalistin Tristane Banon erstatte Anzeige gegen ihren Landsmann Dominique Strauss-Kahn, kündigte ihr Rechtsanwalt David Koubbi am Montag an. Die Vorwürfe waren seit längerem bekannt.

Die Entscheidung, Strauss-Kahn anzuzeigen, sei bereits Mitte Juni gefallen, also deutlich vor der überraschenden Wende des Falles in der vergangenen Woche, als die Vorwürfe gegen den Franzosen zu bröckeln begannen, sagte Banons Anwalt im Gespräch mit dem Nachrichtenmagazin "L'Express", das am Dienstag veröffentlicht werden sollte. Seine Mandantin und er hätten sich "die nötige Zeit" gelassen, um sich nicht von der US-Justiz "instrumentalisieren" zu lassen. Die Anzeige werde der Pariser Staatsanwaltschaft am Mittwoch zugehen.

Banon hatte heimischen Medien nach Strauss-Kahns Festnahme Mitte Mai in den USA berichtet, der frühere französische Finanzminister habe sie 2002 sexuell genötigt. Die 31-jährige Journalistin und Buchautorin hatte bereits im Februar 2007 in einer Fernsehsendung berichtet, Strauss-Kahn habe sie fünf Jahre zuvor zu vergewaltigen versucht - den Namen des sozialistischen Politikers überlegte der Sender allerdings mit einem Piepton, um ihn unkenntlich zu machen.

Die Autorin sagte damals, Strauss-Kahn sei wie ein "brünftiger Schimpanse" über sie hergefallen, als sie ihn bei den Vorarbeiten zu ihrem ersten Buch getroffen habe. Der Politiker habe sie zu sich eingeladen, weil sie ein Interview mit ihm führen wollte; in der Wohnung habe er sie massiv bedrängt, ihren BH aufgemacht und versucht, ihr die Jeans auszuziehen. Das Wort Vergewaltigung, das sie - gegen ihn ringend - ausgestoßen habe, habe ihn "nicht sonderlich" geschreckt, sagte Banon im Fernsehen. Sie habe Strauss-Kahn seinerzeit nicht angezeigt, weil sie nicht als eine Frau gelten wollte, "die ein Problem mit einem Politiker hat".

Strauss-Kahn war im Mai wegen des Vorwurfs eines massiven sexuellen Angriffs auf ein Zimmermädchen in New York festgenommen worden und deshalb als IWF-Chef zurückgetreten. Am Freitag entschied ein Gericht in New York jedoch, den 62-Jährigen wegen Zweifeln an der Glaubwürdigkeit des mutmaßlichen Vergewaltigungsopfers unter Auflagen freizulassen. Die französischen Sozialisten gaben am Montag zu erkennen, dass sie trotz Strauss-Kahns überraschender Freilassung vorerst nicht mit seiner Rückkehr in die heimische Politik rechnen. Dass "DSK", der vor seiner Festnahme als aussichtsreichster Anwärter auf das Amt des Staatschefs gegolten hatte, sich nun als Kandidat für die Präsidentschaftswahl im kommenden Jahr aufstellen lasse, sei derzeit "das unwahrscheinlichste Szenario", sagte der Parteisprecher der Sozialisten, Benoît Hamon. Für jemanden, der Derartiges durchgemacht habe wie Strauss-Kahn, sei eine Kandidatur "nicht der erste Gedanke".

Auch Strauss-Kahns Parteifreund, der sozialistische Abgeordnete Jean-Christophe Cambadélis, sah keinen Hinweis darauf, dass "DSK" in den Wahlkampf ziehen wolle. Strauss-Kahn habe ihn nicht gebeten, mit den Sozialisten über eine Verlängerung der Bewerbungsfrist zu sprechen, die kommende Woche abläuft, sagte Cambadélis im Radiosender France Culture.

AFP AFP

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker