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Verhaftete Journalisten im Iran Merkel und Westerwelle bemühen sich um Freilassung

Einen Tag nach der Festnahme zweier Ausländer hat nun auch der Iran bestätigt, dass es sich um deutsche Staatsbürger handelt. Ihnen wird vorgeworfen, Kontakt mit einer "antirevolutionären Gruppe" gehabt zu haben. Bundeskanzlerin Angela Merkel und Außenminister Guido Westerwelle haben sich eingeschaltet - bislang ohne Ergebnis.

Der Iran hat am Dienstag die Festnahme von zwei deutschen Staatsbürgern bestätigt. Es sei unklar, ob es sich bei den beiden um Journalisten handle, sagte ein Sprecher des Außenministeriums, Raomin Mehmanparast, in Teheran. Sie seien auf dem Weg zum Haus des Sohnes von Sakineh Mohammadi Ashtiani in der Stadt Täbris festgenommen worden. Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) teilte mit, bei den Festgenommenen handele es sich um zwei Journalisten. Die 43-jährige Iranerin war wegen Ehebruchs zum Tod durch Steinigung verurteilt worden, was international für Entsetzen sorgte.

Außenministeriumssprecher Mehmanparast warf den festgenommenen Deutschen am Dienstag vor, Kontakte zu regierungsfeindlichen Gruppen außerhalb des Irans zu haben. Das Interview mit Ashtianis Sohn Sadschdschad Kadersadeh sei von einer gegen Teheran gerichteten Gruppe mit Sitz in Deutschland vermittelt worden. Bereits am Montag hatte die amtliche iranische Nachrichtenagentur IRNA die Festnahme zweier Ausländer gemeldet. Einem Justizsprecher zufolge waren sie mit Touristenvisa eingereist und hatten keine Dokumente bei sich gehabt, wonach sie Journalisten sind.

Merkel und Westerwelle bemühen sich um Freilassung

Bundeskanzlerin Angela Merkel setzte sich unterdessen für die Freilassung der festgenommenen Deutschen ein. "Wir haben natürlich ein großes Interesse daran, dass die beiden Staatsbürger wieder frei kommen", sagte Merkel in Bukarest nach Angaben des Bundespresseamts. "Das Auswärtige Amt unternimmt alles, was in unseren Möglichkeiten steht. Wir haben leider noch keinen neuen Sachstand." Außenminister Guido Westerwelle sagte, er habe den iranischen Außenminister Manouchehr Mottaki gebeten, sich persönlich um den Fall der beiden Deutschen zu kümmern. Das Auswärtige Amt bemühe sich mit Hochdruck um die Aufklärung der näheren Umstände, sagte der FDP-Politiker in New York.

Er habe veranlasst, dass ein Team der deutschen Botschaft sich nach Täbris begebe um "Zugang" zu den Festgenommenen zu erhalten, sagte Westerwelle weiter. Deutschland bemühe sich auf allen diplomatischen Ebenen darum, dass die beiden so schnell wie möglich nach Deutschland zurückkehren können. Details wollte er nicht nennen, um die Verhandlungen nicht zu gefährden.

Im Iran gebe es keine Pressefreiheit, sagte DJV-Sprecher Hendrik Zörner. Es sei äußerst gefährlich für ausländische Journalisten, in dem Land eine kritische Berichterstattung durchzuführen. In einem Interview des Nachrichtenportals news.de nannte die iranische Friedensnobelpreisträgerin Schirin Ebadi den Iran "ein großes Gefängnis für Journalisten".

Fall Ashtiani hatte weltweites Entsetzen ausgelöst

Der Fall der zum Tod durch Steinigung verurteilten Sakineh Mohammadi Ashtiani hatte weltweites Entsetzen ausgelöst. Der Iran hat das Steinigungsurteil gegen die zweifache Mutter zwar auf Eis gelegt, eine endgültige Entscheidung in ihrem Fall ist jedoch noch nicht gefallen. Der Aufenthaltsort von Ashtianis Sohn Sadschdschad Kadersadeh und ihrer Anwältin Hutan Kian war nach der Festnahme der beiden Deutschen am Dienstag unbekannt. Die Mobiltelefone Kadersadehs und Kians waren abgeschaltet. Dies ist möglicherweise ein Hinweis darauf, dass die beiden ebenfalls in Gewahrsam genommen wurden.

swd/DAPD dapd

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