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Video Jahrestag in München: Israelische Opferfamilien wollen nicht nach Bayern reisen

STORY: Fünfzig Jahre ist es her, dass ein palästinensisches Terrorkommando am 5. September 1972 in das Olympische Dorf in München eindrang und innerhalb von 24 Stunden elf Israelis tötete. Auch ein deutscher Polizist und fünf Palästinenser kamen ums Leben. Nun stehen Feierlichkeiten in Gedenken an die Opfer an, doch die Familien der Angehörigen wollen nicht anreisen. So auch Ankie Spitzer. Solange die Entschädigungsfrage ungeklärt sei, wolle sie nicht nach Bayern kommen. "Nach 50 Jahren des Lügens, der Demütigung, des Missbrauchs an uns. Wenn man endlich die Verantwortung übernimmt, dann sagt man, okay, wir haben alle Fehler gemacht, die möglich sind. Wir haben die ganze Situation falsch gehandhabt. Wir haben euch 50 Jahre lang an der Nase herumgeführt. Hier ist die Entschädigung, die ihr bekommen werdet. Ich will nicht, dass mir ein paar Euro hingeworfen werden. Das werden wir nicht akzeptieren. Wir werden nicht zu der Gedenkfeier gehen, bis Deutschland wirklich Verantwortung übernimmt, nicht nur mit Worten." Auch ihr Mann, der Fechter Andrei Spitzer, starb hier im Olympischen Dorf. Bereits geleistete Zahlungen werden von den Familien als zu gering eingeschätzt. Die deutsche Seite habe damit lediglich ein Schuldeingeständnis vermeiden wollen, so Spitzer gegenüber deutschen Medien. "Nach der Ermordung unserer Angehörigen war ich in dem Raum, und ich werde nie vergessen, wie ich dort stand. Ich war damals erst 26 Jahre alt, vor 50 Jahren, und ich sah mich um und sah das totale Chaos in diesem Raum. Überall Blut, an der Decke. Sie wurden dort erschossen und gefoltert, man ließ sie nicht ins Bad gehen. Es war so ein totales Desaster. Ich dachte: Hier hat mein friedliebender Mann die letzten Stunden seines Lebens verbracht. Wenn es das ist, was Menschen einander während dieser Spiele des Friedens, der Brüderlichkeit und der Freundschaft antun, dann muss ich darüber sprechen und nie wieder damit, damit so etwas nie wieder passiert." Spitzer gilt Sprecherin der betroffenen Familien. Ihr zufolge fordern die Familien eine Entschuldigung und die Öffnung aller Archive, um mehr über die Details des Attentats und den Umgang damit zu erfahren. "Wir wollen eine Entschädigung, die keine Geste ist, denn sie haben die ganze Zeit geredet, ohne jemals Verantwortung zu übernehmen. Aber jetzt, wo ihr die Verantwortung übernehmt, müsst ihr eine Entschädigung zahlen. Ich zumindest bin heute 76 Jahre alt, ich brauche nichts mehr. Aber wir haben 40 Waisenkinder, die ihr ganzes Leben im Schatten der schrecklichen Olympischen Spiele in München verbracht haben." Das jüngste Angebot der Bundesregierung stellt neben insgesamt zehn Millionen Euro auch die Öffnung der Archive in Aussicht, außerdem eine umfassende historische Aufarbeitung. Die Angehörigen verlangten zuletzt zehn Millionen Euro pro Familie. Sie führen internationale Standards an. Ein Sprecher des Bundesinnenministeriums sagte, die Regierung habe ihre Arbeit zum Gedenken an die Opfer und die tiefe menschliche und politische Dimension des Anschlags mit dem Näherrücken des 50. Jahrestag des Anschlags intensiviert. Die Regierung wünsche sich eine Beteiligung der Familien. Bisher waren an die elf Familien 1972 umgerechnet 1,5 Millionen Euro und im Jahr 2002 drei Millionen Euro geflossen. Die Familien gaben an, ein nicht unerheblicher Teil des Geldes habe in Gerichts- und Anwaltskosten investiert werden müssen.
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Ihre Angehörigen starben im Jahr 1972 bei dem Attentat und während der Geiselnahmen im Olympischen Dorf durch ein palästinensisches Terrorkommando. Seither ringen sie mit der Bundesregierung um eine aus ihrer Sicht angemessene Entschädigung für ihr Leid.

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