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Selbstbestimmtes Sterben Volksreferendum: Neuseeland legalisiert die aktive Sterbehilfe

Neuseelands Premierministerin Jacinda Ardern
Neuseelands Premierministerin Jacinda Ardern hat bei der Abstimming über Sterbehilfe mit "Ja" gestimmt
© George Heard / DPA
Sterbehilfe – ob passiv oder aktiv – ist weltweit ein Thema, doch nur selten können sich Befürworter und Kritiker auf eine Regelung einigen. Anders in Neuseeland. Dort wird sterbenskranken Patienten ein selbstbestimmter Tod ermöglicht.

In Neuseeland ist der sogenannte medizi­nisch begleitete Suizid in Form der aktiven Sterbehilfe legal. Etwas über ein Jahr nach einem Volksreferendum trat nun der "End of Life Choice Act" in Kraft, bei dem 65,2 Prozent der Neuseeländer mit Ja gestimmt hatten. Das berichtet die US-amerikanische Nachrichtenagentur "Voice of America" (VOA).

Befürworter des Gesetzes loben, dass Neuseeländer, die "am Ende ihres Lebens schrecklich leiden", nun eine selbstbestimmte Wahlfreiheit, Mitgefühl und Würde erleben können, so der Bericht der VOA. Um die Sterbehilfe in Anspruch nehmen zu können, muss die betroffene Person an einer unheilbaren Krankheit leiden, die ihr Leben voraussichtlich innerhalb von sechs Monaten beenden würde. Alternativ muss ein erheblicher Leidensdruck mit einer sichtbaren Verschlechterung des Befindens vorliegen, führt die Nachrichtenagentur Euronews aus. Die Person muss weiterhin unzweifelhaft in der Lage sein, eine informierte und selbstbestimmte Entscheidung über den Suizid zu treffen.

Befürworter des Gesetzes begrüßen die selbstbestimmte Wahlmöglichkeit

Die stellvertretende Vorsitzende der rechtsliberalen Partei "ACT New Zealand Party" Brooke van Velden hatte sich besonders für das neue Gesetz eingesetzt. Sie sagte gegenüber dem "Radio New Zealand", dass die Maßnahmen dem beliebten Land im Südpazifik zugute kommen würden: "Dieses Wochenende wurde Neuseeland zu einer freundlicheren, mitfühlenderen und humaneren Gesellschaft, die es Menschen, die in ihren letzten Tagen mit ihrer unheilbaren Krankheit kämpfen und leiden, Wahlfreiheit und Mitgefühl gibt, um zu entscheiden, wie und wann sie gehen", sagte Velden.

Kritiker mahnen jedoch auch nach Inkrafttreten des Gesetzes an, dass sich Patienten mit chronischen Erkrankungen möglicherweise verpflichtet fühlen könnten, den begleiteten Suizid als Mittel zu verwenden, um ihre Familien nicht zu belasten, führt die VOA aus. Auch werde kritisiert, dass "unzureichende Palliativversorgungsdienste" besser ausgestattet werden müssten, damit unheilbar kranke Patienten besser versorgt werden könnten.

Weiterhin wird befürchtet, dass die "Sterbehilfe" dazu genutzt werden könnte, Gesundheitskosten zu senken und dass die Benachteiligung der Maori-Ureinwohner und Bürger der Pazifikinseln noch verstärkt werden könnte, merkt das Ärzteblatt in einem Bericht über das Gesetz an.

Kirche möchte Patienten während der Sterbehilfe beistehen

Vertreter der Kirche hätten gesagt, dass sie zwar die "vorsätzliche Tötung von Menschenleben" ablehnten, so die VOA. Dennoch wollen sie Menschen, die sich nach den neuen Gesetzen für die "Sterbehilfe“ entscheiden, Fürsorge und Rat anbieten.

Zur Überwachung des Umsetzung des Gesetzes hat die Regierung drei Experten ernannt, darunter einen Medizinethiker. Die neuseeländische Premierministerin Jacinda Ardern sagte, sie selbst habe im vergangenen Jahr bei dem Referendum über die freiwillige Sterbehilfe und die Legalisierung von Freizeit-Cannabis mit "Ja" gestimmt.

Sterbehilfe – aktiv oder passiv – ist erst in wenigen Ländern legal

Neuseeland schließt sich einer bislang kleinen Gruppe von nunmehr acht Ländern an, in welchen die aktive Sterbehilfe legal ist. Weltweit erlauben dreizehn Staaten den medizinisch begleiteten Suizid, darunter auch Deutschland, die Schweiz und ab 2022 auch Österreich. Die Niederlande waren das erste Land, das die aktive Sterbehilfe legalisiert hatte.

Quellen: Voice of America (VOA), Ärzteblatt, Euronews, New Zealand Parliament

nib

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