morgenstern
Macht müde, nervt, kann weg – warum wir am Wochenende trotzdem an der Uhr drehen

Ein kleines Kind gähnt. Die Zeitumstellung macht müde: Am 29. März beginnt die Sommerzeit 2026.
Gääähn! Die Zeitumstellung macht müde – und hält sich dennoch beständig.
© Tetra Images - Mike Kemp / Getty Images
Es ist wieder Zeit für die Zeitumstellung. Wann hat das endlich ein Ende? Außerdem: Collien Fernandes' mutiger Demo-Auftritt. Die Lage am Morgen.

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

am Wochenende erwartet uns wieder ein halbjährlich gewohntes Ärgernis: die Zeitumstellung. In der Nacht zum Sonntag löst die Sommerzeit die Winterzeit ab. Was wie immer erstmal gut klingt: Tschüss Winter-Tristesse, willkommen zurück, gutes Leben! Aber natürlich wissen wir alle: Stimmt vorerst nicht, vom Sommer sind wir Ende März noch viele Regen-Graupel-Kälte-Momente entfernt.

Die begriffliche Irreführung: geschenkt. Schlimmer wiegt für viele der Schlafzeit-Klau. Am frühen Sonntagmorgen wird die Uhr von zwei auf drei Uhr vorgedreht. Eine Stunde Schlaf – futsch, einfach so. „Hallo Sommerzeit“ heißt übersetzt erstmal: „Hallo Müdigkeit“.

Seit vielen Jahren ist die Zeitumstellung im gleichen Maße unpopulär. Und trotzdem bleibt sie. Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema.

Zeitumstellung am Sonntag: Was Sie wissen müssen

Wann wurde die Sommerzeit eingeführt – und warum?

In Deutschland wurde die Sommerzeit 1980 eingeführt, um Energie zu sparen. Die Idee: Wenn sich der Beginn unseres Alltags quasi um eine Stunde nach vorn verschiebt, ist weniger Beleuchtung nötig – und der Energieverbrauch sinkt. Mittlerweile weiß man, dass die Effekte hier allenfalls marginal sind: Einsparungen an der einen Stelle gleichen sich durch Mehrverbrauch an der anderen Stelle wieder aus.

In Deutschland gab es schon einmal Zeitumstellungen: während der beiden Weltkriege und nach dem Zweiten Weltkrieg bis 1949. In Großbritannien und Irland gibt es die Zeitumstellung (fast) durchgehend seit 1916. Italien führte sie 1966 dauerhaft wieder ein. Und 1976 war Frankreich mit der Einführung der Sommerzeit der Impulsgeber für den Schritt in weiteren europäischen Staaten: Ab den 1980er- und 1990er-Jahren folgten schrittweise alle Länder der Europäischen Gemeinschaft (EG), dem EU-Vorläufer. 

Seit 1996 wird in allen EU-Ländern zweimal jährlich an der Uhr gedreht: Am letzten März-Sonntag (dieses Jahr: 29. März 2026) beginnt die Sommerzeit, am letzten Sonntag im Oktober (dieses Jahr: 25. Oktober 2026) die Normalzeit beziehungsweise die Winterzeit.

Wie beliebt ist die Zeitumstellung?

Ganz und gar nicht beliebt! In Umfragen geben regelmäßig zwischen 70 und 75 Prozent der Deutschen an, dass sie sich eine Abschaffung der Zeitumstellung wünschen. Die hohen Ablehnungswerte sind seit Jahren relativ stabil. Auch in vielen anderen EU-Ländern wünscht sich laut Umfragen eine Mehrheit ein Ende der Zeitumstellung – aber nirgendwo so stark wie in Deutschland.

Welche Probleme macht sie?

Vornehmlich hat die Zeitumstellung Auswirkungen auf unseren Schlafrhythmus: Nach der Umstellung auf die Sommerzeit müssen wir für Arbeit oder Schule faktisch eine Stunde früher aufstehen. Die Folgen: unter anderem Müdigkeit, Schlafstörungen, Gereiztheit. Frauen sind einer aktuellen Umfrage zufolge stärker betroffen.

Warum wird die Zeitumstellung nicht einfach abgeschafft?

Kurz gesagt: weil sich die EU-Staaten nicht einig werden. Die Abschaffung der Zeitumstellung wird zwar seit Jahren diskutiert, Streit gibt es aber bei der Frage, welcher Uhren-Dreh denn nun abgeschafft werden soll. Soll dauerhaft die Normalzeit (also die Winterzeit) gelten – was beispielsweise viele Schlafmedizinerinnen und -mediziner empfehlen? Oder doch die Sommerzeit? 

Die unterschiedlichen Ansichten darüber begründen sich hauptsächlich in den geografischen Lagen: Würde dauerhaft die Normalzeit gelten, wären Sommerabende in Deutschland beispielsweise deutlich kürzer. Und bei dauerhafter Sommerzeit würde etwa in Madrid im Winter an einigen Tagen erst nach 9:30 Uhr die Sonne aufgehen.

Ab 2018 wurde das Ende der Zeitumstellung konkret geplant, die EU-Kommission legte einen entsprechenden Gesetzentwurf vor. Seitdem liegt der Ball bei den Mitgliedstaaten. Bis sich hier jemand bewegt, wird weiter geforscht: Bis Ende des Jahres soll eine von der Kommission beauftragte Studie zu den Folgen einer Abschaffung fertig sein. Ein Ende des Umstellungs-Ärgers ist also weiter nicht in Sicht.

Der Wal ist verschwunden

Mein Kollege Kai Müller ist weiterhin an der Ostsee, um über die Lage des dort gestrandeten Wals zu berichten. Und am frühen Freitagmorgen meldete er: Der Wal ist verschwunden. Doch was bedeutet das? Wir berichten in unserem Blog weiter live vor Ort: 

Collien Fernandes' mutiger Demo-Auftritt

Seit Moderatorin und Schauspielerin Collien Fernandes schwere Vorwürfe gegen ihren Ex-Mann Christian Ulmen öffentlich gemacht hat, erfährt sie viel Solidarität – aber leider genauso viel Hass. Ein misogyner Mob tobt sich in Kommentarspalten aus, beleidigt oder wittert eine links-woke Verschwörung. Manch einer schreckt offenbar selbst vor Morddrohungen nicht zurück, weshalb Collien Fernandes die Teilnahme an einer Demo gestern Abend in Hamburg erst absagte

Am Ende kam Collien Fernandes doch – laut eigenen Angaben mit Polizeischutz und schusssicherer Weste. Meine Kollegin Laura Hindelang war vor Ort beim mutigen Auftritt auf dem Hamburger Rathausmarkt: 

5-Minuten-Talk: Wird die FDP zur spannendsten Partei des Landes?

Die FDP zerlegt sich, verliert Wahlen, zieht Spott und Häme auf sich. Aber tot ist sie noch lange nicht. Das hat auch mit einem Mann zu tun, der bald Parteichef werden könnte, wie die stern-Politikchefs Veit Medick und Jan Rosenkranz heute im 5-Minuten-Talk besprechen:

Weitere Schlagzeilen im Überblick

Das passiert am Freitag, dem 27. März 2026

  • Der Bundestag stimmt über eine Reform der privaten Altersvorsorge ab, der Bundesrat entscheidet über das Spritpreis-Paket und die Grundsicherung.
  • Der Satiriker El Hotzo steht wegen eines hämischen Kommentars zum Attentat auf Donald Trump erneut vor Gericht.
  • Die Deutsche Fußball-Nationalmannschaft der Männer startet gegen die Schweiz ins WM-Jahr.

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Ab Montag begrüßt Sie an dieser Stelle meine Kollegin Alexandra Kraft. Ich wünsche Ihnen einen angenehmen Freitag und ein schönes Wochenende – eventuellem Zeitumstellungs-Ärger zum Trotz!

Stefan Düsterhöft

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