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Wehrbeauftragter legt Jahresbericht vor: Soldaten sind massiv überlastet

In seinem Jahresbericht 2012 hebt Hellmut Königshaus besonders die Mängel in der Bundeswehr hervor: Psychische Erkrankungen würden oft zu spät erkannt - die Soldaten seien überlastet.

Eine weiterhin tiefgreifende Verunsicherung und Überlastung vieler Soldaten hat der Wehrbeauftragte des Bundestags, Hellmut Königshaus (FDP), beklagt. "Die Dienst- und Einsatzbelastung hat vielfach die Grenzen der Belastbarkeit erreicht und teilweise überschritten", sagte Königshaus am Dienstag in Berlin bei der Vorstellung seines Jahresberichts für das Jahr 2012. Deutliche Defizite sieht Königshaus auch nach wie vor bei der Vereinbarkeit von Dienst und Familie, zum Beispiel bei der Kinderbetreuung.

Königshaus kritisierte Stationierungsentscheidungen im Zusammenhang mit der Bundeswehrreform, die "zu weiterer Pendelei und nochmals stärkerer Belastung der Soldatenfamilien führen". Auch die weiterhin bestehende Ungewissheit über die eigene Zukunft wegen der geplanten Veränderungen trage nicht zu einer Besserung der Stimmung in der Bundeswehr bei. Auch würden bei der Bundeswehr "viele Dinge für normal gehalten, die anderswo nicht normal sind", zum Beispiel die Pflicht zu einer Anreise auf dem Truppenübungsplatz am Sonntagnachmittag, auch wenn der Einsatz dort erst am Montag beginne.

Psychische Vorbelastung vor Einsatz nicht erkannt

Zur Kinderbetreuung sagte Königshaus, trotz wiederholter Kritik bereits in den vergangenen Jahren seien bislang "Verbesserungen nur in geringem Umfang geplant" und das meistens dort, wo - etwa im medizinischen Bereich - es bereits größere Probleme bei der Personalgewinnung gebe. Als unverständlich bezeichnete es der Wehrbeauftragte, dass vorhandene Förderprogramme der Bundesregierung für betriebliche Kita-Angebote von der Bundeswehr nicht genutzt würden, obwohl diese sich neben privaten Arbeitgebern ausdrücklich auch an staatliche Institutionen richten würden.

In seinem Bericht ging Königshaus auch erneut auf psychische Erkrankungen von Rückkehrern aus dem Auslandseinsatz ein. In rund der Hälfte der Fälle würden hier schon vor dem Einsatz vorhandene Vorbelastungen nicht erkannt. "Diesem Aspekt muss bei der Überprüfung der Einsatzverwendungsfähigkeit ein größeres Augenmerk gewidmet werden", verlangte der Wehrbeauftragte. Insbesondere dürften nicht erkannte Vorerkrankungen im psychischen Bereich Soldaten nicht im Nachhinein zum Nachteil ausgelegt werden, wenn es etwa um die Frage von Entschädigungen gehe.

mme/AFP / AFP