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Proteste gegen Militärjunta Arzt berichtet aus Myanmar: Er lernte auf Youtube, Schusswunden zu behandeln

Proteste gegen Militärjunta: Arzt berichtet aus Myanmar: Er lernte auf Youtube, Schusswunden zu behandeln
In Myanmar ist es beim gewaltsamen Vorgehen des Militärregimes gegen Straßenproteste zur bisher blutigsten Eskalation seit dem Putsch vor knapp zwei Monaten gekommen. Medienberichten und Augenzeugen zufolge schossen Sicherheitskräfte am Samstag in mehreren Städten des Landes auf demonstrierende Regimegegner und töteten dabei über einhundert Menschen. Allein in Mandalay im Zentrum des Landes seien mindestens 40 Personen ums Leben gekommen, darunter ein 13-jähriges Mädchen, berichtete das Nachrichtenportal "Myanmar Now". In der Wirtschaftsmetropole Yangon seien mindestens 27 Menschen getötet worden. Dennoch hat die Opposition für Sonntag weitere Proteste angekündigt. Der UN-Sonderberichterstatter für Myanmar, Tom Andrews, bezeichnete das Vorgehen der Militärjunta in dem Land als "Massenmord". Es sei an der Zeit für die Welt einzugreifen - wenn nicht durch den Sicherheitsrat, dann durch ein internationales Gipfeltreffen zu Myanmar. Man könne die Öl- und Gaszahlungen und damit die Finanzströme an das Militär in dem Land einstellen, sagte Andrews.
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In Myanmar eskaliert die Gewalt, das Militärregime geht brutal gegen Demonstranten vor. Im englischen "Guardian" hat ein Arzt erzählt, wie er und seine Kollegen auf den Straßen versuchen, Leben zu retten – zu oft vergeblich.

Jeden Morgen nach dem Aufstehen spricht er ein Gebet, dann schreibt er die wichtigsten Informationen über sich selbst auf seinen Unterarm: die Blutgruppe, eine Telefonnummer für den Notfall, sein Gewicht. Seine Frau bittet er, sie möge sich um die Kinder kümmern, falls er nicht zurückkomme. Sie antwortet: "Wenn du stirbst, bin ich stolz auf dich."

Der Mann, der anonym mit der englischen Tageszeitung "The Guardian" gesprochen hat, ist Arzt in dem Land, das gerade blutige Auseinandersetzungen erlebt – in Myanmar. Anfang Februar hatte das Militär dort wegen angeblichen Wahlbetrugs die Staatsrätin Aung San Suu Kyi abgesetzt und die Macht übernommen. In den vergangenen Wochen gingen jeden Tag hunderte Menschen gegen die Militärjunta auf die Straße, die Proteste wurden von den Machthabern brutal niedergeschlagen. Nach Angaben der myanmarischen Menschenrechtsorganisation AAAP wurden dabei bisher 459 Menschen getötet (Stand: Montag, 29. März).

Gewalt in Myanmar: Ärzte sind nur mit Warnweste und Stethoskop unterwegs

Der anonyme Mediziner schilderte dem "Guardian", wie er die vergangene Woche in seinem Land erlebt hat – und bietet schonungslose Einblicke in den blutigen Konflikt. Die in der Öffentlichkeit bekannten Todeszahlen seien zu niedrig, vermutet er. Die Militärs würden viele Verletzte mitnehmen, ohne dass er und seine Kollegen sie versorgen könnten: "Vielleicht werden sie behandelt, vielleicht auch nicht." Mit Schusswunden habe er bisher keine Erfahrung gesammelt, sagt der Mediziner. Die Behandlungsmethoden habe er sich mit Youtube-Videos selbst beigebracht.

Die Ausrüstung sei sehr begrenzt, Morphium hätten die Ärzte gar nicht zur Verfügung, da es ein verschreibungspflichtiges Medikament sei. Während um sie herum geschossen wird, sind die Mediziner ohne kugelsichere Westen unterwegs. Sie verfügen lediglich über eine Weste, mit der sie als Ärzte zu erkennen sind, und ein Stethoskop. Über Handy werden sie zu den Verletzten gerufen – und versuchen, mit ihren bescheidenen Mitteln möglichst viele Leben zu retten. Mittlerweile allerdings hat die Militärregierung die mobile Datenübertragung unterbrochen.

"Es ist wie im Krieg", beschreibt der anonyme Mediziner die Bedingungen, unter denen er und seine Kollegen die Opfer behandeln. Oft müssten sie während der Behandlung den Standort wechseln, da das Militär wieder anrücke. Die Angst vor Verhaftungen, Verletzungen oder dem Tod ist immer dabei. Nicht nur bei Demonstrationen kommt es zu Schüssen, sondern auch bei Patrouillen in Wohnvierteln. "Wir haben ständig Angst", berichtet der Arzt.

US-Präsident Joe Biden steht im Anzug da und spricht

Auch Minderjährige unter den Todesopfern

Am Samstag, dem Tag des Militärs in Myanmar, töteten Soldaten und Polizisten nach UN-Angaben mindestens 107 Menschen, darunter sieben Kinder. Immer wieder sind auch Minderjährige unter den Todesopfern. Die Gewalteskalation sorgte international für Entsetzen. Der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell sprach von einem "Tag des Grauens und der Schande", US-Präsident Joe Biden nannte die Tötung friedlicher Demonstranten "absolut skandalös". Die Bundesregierung verurteilte die Ereignisse vom Samstag als "neuen traurigen Tiefpunkt" der brutalen Gewalt.

Für den anonymen Arzt aus Myanmar ist der Tod mittlerweile Alltag geworden. Dennoch denkt er nicht daran, sich zurückzuziehen: "Ich tue das für die Menschen in meinem Land, und weil ich möchte, dass meine Kinder eine gute Zukunft haben." Schließlich: "Wenn wir keine medizinische Behandlung anbieten würden, würden die Menschen nirgends versorgt werden." Ein Ende der Gewalt in Myanmar ist weiterhin nicht abzusehen.

Quellen: "Guardian" / AFP

epp

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