Bad Reichenhall Höchste Einsturzgefahr


Die Suche nach weiteren Opfern in den Trümmern der Eissporthalle von Bad Reichenhall ist am Dienstagnachmittag wegen massiver Einsturzgefahr vorläufig eingestellt worden. Man hoffe, gegen 18.00 Uhr mit neuem Gerät die Bergungsarbeiten fortsetzen zu können. Noch immer werden vier Menschen vermisst.

Nach Angaben von Polizeidirektor Hubertus Andrä werden noch eine Frau und drei Kinder im Alter zwischen 12 und 16 Jahren vermisst. "Wir sind zu dem Entschluss gekommen, dass es die einzig verantwortbare Lösung unter den gegenwärtigen Umständen ist", erklärte der Berchtesgadener Landrat Grabner. Eine Spezialbergefirma soll mit schwerem technischen Gerät die Bergung fortführen. Die Tieflader der Firma würden mit Polizeifahrzeugen zum Unglücksort eskortiert.

Stoiber schockiert

Sobald die Gefahr gebannt sei, werde man mit den übrigen Bergungsmaßnahmen fortfahren, sagte Grabner. "Wir werden so lange suchen, bis wir alle vermissten Personen gerettet beziehungsweise geborgen haben", sagte Kreisbrandrat Rudi Zeil. Kurz vor der Suche habe ein Suchhund noch einmal angeschlagen, sagte Andrä. Bislang wurden demnach zehn von elf Toten eindeutig identifiziert. Mit den Obduktionen solle am Mittwoch begonnen werden.

Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) hatte sich am Vormittag schockiert über das Unglück von Bad Reichenhall geäußert. "Ich bin zutiefst erschüttert, wie schnell Menschen aus dem Leben gerissen werden", sagte Stoiber am Dienstag bei einem Besuch am Unglückort. Es sei besonders tragisch, dass es so viele junge Leute getroffen habe. "Wir müssen jetzt den Angehörigen beistehen." Es gebe eine "unglaubliche Solidarität". Den Rettungskräften sprach Stoiber ein "großes Kompliment" aus. Nach dem Einsturz der Bad Reichenhaller Eissporthalle wurden bisher elf Tote geborgen, acht von ihnen sind Kinder und Jugendliche.

Stoiber hat den Betroffenen des Eishallen-Unglücks Unterstützung der Landesregierung zugesagt. Stoiber sagte, das ganze Land sei erschüttert, zu Beginn des Jahres ein so tragisches Unglück zu erleben. Er spüre aber auch die Hoffnung der Menschen, Opfer noch lebend zu bergen.

Für die vier Vermissten besteht allerdings nach Expertenmeinung nur noch geringe Hoffnung. Gerüchte, es habe in der Nacht Klopfzeichen von Verschütteten gegeben, wollte die Feuerwehr nicht bestätigen. Die Bergungsarbeiten waren auch in der Nacht weitergegangen. Noch am späten Abend wurde ein sechsjähriges Mädchen mit leichter Unterkühlung, aber weitgehend unverletzt geborgen. Die Halle war am Montag nach schweren Schneefällen eingestürzt.

Kinder und Jugendliche unter den Opfern

Bei den geborgenen Toten handelt es sich um eine Frau, zwei Jungen und vier Mädchen zwischen neun und zwölf Jahren sowie einem männlichen Jugendlichen und eine weibliche Jugendliche. Diese Opfer stammten alle aus den Landkreisen Berchtesgadener Land und Traunstein. Zu zwei Toten, die am Mittag gefunden wurden, gibt es noch keine weiteren Angaben. 18 Verletzte mussten in Krankenhäuser gebracht werden. Am Dienstagmorgen waren noch immer 360 Rettungskräfte im Einsatz, viele seit Montagnachmittag. Am Montag hatten rund 700 Helfer bis in die Abendstunden nach Überlebenden gesucht. Zum Zeitpunkt des Unglücks am Montagnachmittag befanden sich laut Einsatzleitung schätzungsweise 50 Menschen in der Halle.

Die Rettungskräfte arbeiten unermüdlich an der Bergung der Opfer. Nach Angaben der Feuerwehr ist die Hälfte der Halle inzwischen abgesucht worden. Es gebe jedoch noch Hohlräume, zu denen die Retter wegen der Einsturzgefahr nicht vordringen konnten. "Wir gehen davon aus, dass wir auch noch weitere Tote finden werden", sagte Franz Sommerauer von der Polizeidirektion Traunstein.

Spekulationen über Versäumnisse

Sechs schwere Kräne waren im Einsatz, um einen weiteren Einsturz der verbliebenen Deckenreste zu verhindern. "Wir werden weitersuchen, bis wir die letzte Person gefunden haben", sagte Kreisbrandrat Rudi Zeif. "Die Chance, jemanden zu retten, wird natürlich geringer, je länger die Suche dauert."

Die genaue Ursache des Unglücks ist noch unbekannt. Allerdings wurden Spekulationen über mögliche Versäumnisse laut. So hatte ein örtlicher Eishockeyclub nach einer Warnung der Stadt ein Jugendtraining abgesagt. Unklar blieb zunächst, warum die Halle daraufhin nicht sofort geräumt wurde.

Schneemassen haben Grenzwerte nicht überschritten

Nach Angaben von Bad Reichenhalls Oberbürgermeister Wolfgang Heitmeier waren trotz der dicken Schneedecke auf dem Hallendach die Grenzwerte nicht überschritten worden. Mitarbeiter der Eislaufhalle hätten am Montag die Schneelast gemessen, sagte er. Diese sei aber "unter der Marke gewesen, die als Grenze angegeben ist". Daher habe kein Grund bestanden, den Schnee sofort vom Dach zu räumen, so Heitmeier. Da es aber weiter geschneit habe, hätten sich die Mitarbeiter vorsorglich trotzdem entschlossen, das Training am späteren Nachmittag abzusagen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat bestürzt auf das Unglück von Bad Reichenhall reagiert. "Das grausame Schicksal, das insbesondere Kinder und junge Menschen erlitten haben, die einen unbeschwerten Ferientag mit ihren Familienangehörigen verleben wollten, bewegt mich und bewegt uns alle in ganz besonderer Weise", sagte Merkel. Die Bundeskanzelerin sprach den Angehörigen der Opfer ihr Mitgefühl und "tief empfundenes Beileid" aus. "Unsere Gedanken sind bei den betroffenen Menschen und wir wünschen denen, die schwere Verletzungen erlitten haben, dass sie schnell und vollständig genesen können", sagte Merkel. Noch habe man die Hoffnung nicht aufgegeben, dass die Rettungskräfte weitere Überlebende des Unglücks bergen könnten. "Wir wissen, es ist ein Wettlauf mit der Zeit", sagte Merkel. Die Bundesregierung habe der bayerischen Landesregierung "jede denkbare und gewünschte Hilfe" angeboten.

Merkel bedankte sich ausdrücklich bei den in Bad Reichenhall tätigen Einsatzkräften. "Wir erleben mit, wie sie bis an den Rand der körperlichen Erschöpfung Unermessliches leisten, das mit Worten kaum zu fassen ist."

DPA/AP/Reuters AP DPA Reuters

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