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Bergungsarbeiten ausgesetzt: Hurrikan "Alex" behindert Kampf gegen Ölpest

Tropensturm "Alex" ist zum ersten Hurrikan der Saison hochgestuft worden. Seine Auswirkungen sind auch am am Ort der Ölpest spürbar, wo die Bergungsarbeiten unterbrochen werden mussten. Bei der Bekämpfung des Desasters wollen die USA nun doch Hilfe aus dem Ausland akzeptieren.

Der Tropensturm "Alex" ist in der Nacht zum Mittwoch zum ersten Hurrikan dieser Saison hochgestuft worden. Es ist nach Auskunft des Nationalen Hurrikan-Zentrums der USA das erste Mal seit 1995, dass bereits im Juni ein Atlantik-Sturm zum Hurrikan der Stufe eins herangewachsen ist. Es wird erwartet, dass "Alex" am Mittwochabend (Ortszeit) an der texanisch-mexikanischen Grenze auf Land treffen wird. Derzeit haben seine Spitzenböen eine Geschwindigkeit von 120 Kilometer.

Auch wenn "Alex" nicht direkt am Ort der Ölpest im Golf von Mexiko wütet, behindert er den Kampf gegen die Katastrophe: Das kontrollierte Abfackeln von Teilen des Ölteppichs und das Errichten von Ölsperren wurde Behörden zufolge vorerst eingestellt, da mit starken Winden, hohem Seegang und immensen Regenfällen gerechnet wurde. Die Arbeiten direkt an der Unglücksstelle, wo seit dem Untergang einer Plattform des Ölmultis BP vor mehr als zwei Monaten täglich Zehntausende Barrel Öl ins Meer sprudeln, wurden zwar zunächst weitergeführt. Allerdings drohten sich Pläne, die Auffangkapazitäten zu erhöhen, um mehrere Tage zu verzögern.

Die Schiffe, die das ausgetretene Öl abschöpfen, setzten ihre Arbeit am Dienstag wegen rauer See aus. Nach Angaben der Küstenwache und des BP-Konzerns wurden die Reinigungsschiffe aus Sicherheitsgründen zurückbeordert. Wann die Maßnahmen im Golf von Mexiko wieder anlaufen können, war zunächst nicht abzusehen. Auch die Ölförderung hat unter dem Unwetter zu leiden. Nach Behördenangaben wurden 28 der 634 bemannten Plattformen und drei der 51 Bohrinseln aus Sicherheitsgründen evakuiert. Es handelt sich um Einrichtungen im westlichen Teil des Golfs von Mexiko und nicht im Gebiet der Ölkatastrophe.

USA greifen nun doch auf Hilfe aus dem Ausland zurück

Die USA haben unterdessen im Kampf gegen die Ölpest die Hilfe von zwölf Ländern und internationalen Organisationen angenommen. An der genauen Aufgabenverteilung wird noch gearbeitet, wie das Außenministerium in Washington mitteilte. Um wen es sich bei den Ländern und internationalen Organisationen handelt, wurde konkret nicht gesagt. Aus einer Grafik gehen sechs Länder hervor, die helfen: Kanada, Mexiko, Kroatien, die Niederlande, Norwegen und Japan. Sie haben Ölabschäumer, Schwimmbarrieren und Lösungsmittel avisiert. Insgesamt hatten über 30 Staaten und Organisationen ihre Hilfe angeboten, darunter auch Deutschland.

Warum einige akzeptiert wurden und andere nicht, ging aus der Mitteilung des Außenministeriums nicht hervor. Eine endgültige Entscheidung ist noch nicht gefallen. Abgelehnt wurde ein Lösungsmittel aus Frankreich, das in den USA nicht zugelassen ist. Zuletzt hatten die Amerikaner nach dem Hurrikan "Katrina" internationale Hilfe in Anspruch genommen.

BP regt Notfallfonds für Ölindustrie an

Der britische Energiekonzern hat derweil infolge der Ölpest einen Notfallfonds für derartige Katastrophen vorgeschlagen, an dem die gesamte Branche beteiligt sein soll. Nicht nur höhere Kosten bei der Ölförderung, vor allem die Folgekosten von Unfällen wie dem Untergang der Bohrplattform "Deepwater Horizon" vor zehn Wochen, seien ein Problem, sagte der BP-Chefökonom Christof Rühl der "Financial Times Deutschland" ("FTD"). Kleinere Unternehmen könnten solche Kosten nicht tragen. "Das ist eine Schwäche im System, die angegangen werden sollte", forderte Rühl.

Es müsse über eine bessere Handhabung von Risiken nachgedacht werden, sagte der ranghöchste deutsche BP-Manager der "FTD". Es sei wichtig, weiterhin auch weniger kapitalstarke Unternehmen an den komplizierten Bohrungen im tiefen Wasser zu beteiligen. "Schließlich sind auch gerade die kleineren Firmen oft die Triebfedern des technologischen Fortschritts", so Rühl.

Die Ölpest im Golf von Mexiko ist die teuerste Katastrophe, die die Branche je erlebt hat. Schon jetzt kostete sie BP mehr als 2,7 Milliarden Dollar. Außerdem hat der Konzern einen Hilfsfonds über 20 Milliarden Dollar aufgelegt. "Die Auswirkungen auf die Industrie werden spürbar sein", sagte Rühl. "Sowohl die Aufsichtsbehörden als auch die Industrie werden reagieren müssen." Er rechne damit, dass die US-Regierung die Sicherheitsstandards verschärft und das Bohren in dem Land, das derzeit wegen niedriger Steuern noch sehr lukrativ ist, teurer wird.

kng/DPA / DPA