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Handy-Video aus dem Kreißsaal Das Wunder von Beirut: Mutter bringt Kind trotz Explosion zur Welt

Instagram-Post der BBC zur Explosion in Beirut
Die BBC teilt das Video von Edmond Khnaisser und dessen Interview auch auf Social Media.
© www.instagram.com/bbcnews/
Ein junges Paar freut sich in einem Beiruter Krankenhaus auf die Geburt ihres Kindes, der Vater filmt die Szenen im Kreißsaal. Doch plötzlich erschüttert die gewaltige Explosion das Gebäude, wie das Video zeigt. Ein Happy End gibt's trotzdem.
Von Emily Linow

Sie liegt in den Wehen und wird mit dem Bett in den Kreißsaal geschoben. Arzthelferinnen und Ärztinnen bereiten alles für die Geburt vor. Ihr Mann betritt kurz darauf den Raum. Dann hören sie plötzlich einen Knall, die Erde bebt und der Kreißsaal ist zerstört.

Emmanuelle und Edmond Khnaisser sind im St. George Krankenhaus in Beirut, als die Explosion die Stadt im Libanon erschüttert. Am Dienstagabend waren in Beirut etwa 2750 Tonnen beschlagnahmtes und ohne besondere Sicherheitsvorkehrungen gelagertes Ammoniumnitrat detoniert. Mehr als 130 Menschen wurden dabei getötet und mehr als 5000 weitere wurden verletzt. Dutzende Menschen werden noch vermisst, etliche Häuser und Wohnungen sind zerstört – die libanesische Hauptstadt wurde ins Chaos gestürzt.

Druckwelle erreicht das Krankenhaus 

Inmitten des Chaos soll im St. George Krankenhaus ein kleines Wunder passieren – jedoch erst nach Schock und Katastrophe. Das Video, das der Vater Edmond Khnaisser aufnahm, zeigt den ganzen Hergang der Geschichte: Wie seine Frau in einem Krankenbett in den Kreißsaal geschoben wird. Ärztliches Personal ist bei ihr. Ein Knall ertönt. Man sieht, wie Edmond beim Filmen zusammenzuckt und etwas ruft. Dann bebt die Erde. Die Druckwelle der Explosion hat das Krankenhaus erreicht. Glas zerspringt und fliegt durch den Raum. Die Zimmerdecke kommt herunter. Man hört einen markerschütternden Schrei.

Die Kameraführung wird unkontrolliert, das Bild verschwimmt. Das nächste, was auf den Aufnahmen zu erkennen ist, ist das zerstörte Krankenzimmer. Edmond betritt den Raum und unterhält sich aufgebracht mit seiner Frau. Eine der Krankenhausangestellten versucht rechts von ihnen gerade wieder aufzustehen. Ein Teil der Zimmerdecke liegt vor ihr auf dem Boden und zum Teil auf ihr drauf. Sie scheint nicht schwer verletzt zu sein. Edmonds Sorge gilt zuerst einmal nur seiner Frau und seinem ungeborenen Kind. Er hilft seiner Frau, den aus den Angeln gerissenen Fensterrahmen vom Bett zu kippen. Dann beendet er die Aufnahme.

Das St. Georges Krankenhaus in Beirut liegt etwa einen Kilometer von der Explosionsstelle am Hafen entfernt. Bei der Explosion wurden Teile des Gebäudes zerstört. Vier Angestellte des Krankenhauses verloren ihr Leben.

Die Karte zeigt das St. Georges Krankenhaus in Beirut und den Ort der Explosion.
Nur 1 Kilometer Luftlinie vom Ort der Explosion entfernt. Im St. Georges Krankenhaus in Beirut hört man zuerst den Knall, dann kommt die Druckwelle.
© Google Maps

Glassplitter und das Wunder

Edmond beschreibt seine Reaktion später in einem Interview mit der BBC: "Ich habe mich nach meiner Frau umgesehen. Ich hatte Angst, sie oder das Baby wären verletzt." Der junge Mann, der zum Zeitpunkt der Explosion noch außerhalb des Raumes stand, bekam weniger von der Explosion ab. "Sie war komplett mit Glas bedeckt", erzählt er der BBC. "Ich habe zuerst versucht meine Frau dort herauszubekommen. Nachdem ich das Bett aus dem Raum geschoben hatte, half ich den Arzthelferinnen und Ärztinnen aufzustehen."

"Meine Frau stand nicht nur unter Schock. Es gab auch keine Medikamente mehr", erklärt der Libanese. Alles Glas und alle Instrumente seien bei der Explosion zersplittert. "Da war nichts mehr. Nichts."

Etwa eineinhalb Stunden nach der Explosion passiert das Wunder: Der kleine George erblickt im St. George Krankenhaus in Beirut das Licht der Welt. Aufgrund der fehlenden Medikamente brachte seine Frau das Kind ohne Hilfsmittel zur Welt. "Es war wie eine altmodische Geburt", berichtet Edmond. Emmanuelle und ihrem Sohn gehe es trotzdem gut. Sie seien beide wohlauf.

Quellen: BBC / St. Georges Hospital


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