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Erste Infizierte in Spanien: Kann Ebola Europa doch gefährlich werden?

Die erste Ebola-Infektion in Europa irritiert die Experten. Aufgrund der hohen Standards hätte eine Ansteckung nicht passieren dürfen. Nun geht es darum, die weitere Ausbreitung zu verhindern.

Es gibt viele Fragen: Vor dem Madrider Krankenhaus protestieren Angestellte der Klinik gegen die schlechte Vorbereitung auf die Ebola-Infektion und fordern den Rücktritt der Gesundheitsministerin

Es gibt viele Fragen: Vor dem Madrider Krankenhaus protestieren Angestellte der Klinik gegen die schlechte Vorbereitung auf die Ebola-Infektion und fordern den Rücktritt der Gesundheitsministerin

Eine spanische Pflegehelferin hat sich bei der Behandlung eines Ebola-Patienten in einer Madrider Klinik mit dem gefährlichen Virus infiziert. Es ist seit dem Ausbruch der Epidemie in Westafrika der erste Fall einer Ebola-Infektion innerhalb Europas.

Wie es zu der Infektion gekommen?

Die Pflegekraft gehörte zu dem Team, das den Geistlichen Manuel García Viejo behandelte. Der Spanier hatte sich in Sierra Leone mit dem Ebola-Virus infiziert, wurde nach Madrid ausgeflogen und starb dort am 25. September. Die Frau betrat zweimal das Krankenzimmer in der Quarantäne-Station, einmal zur Pflege und ein zweites Mal zur Reinigung nach dem Tod des Geistlichen. Auf welche Weise sie sich das Virus zuzog, ist nach Angaben des Gesundheitsministeriums noch völlig unklar.

Was vermuten die Experten?

Die Mediziner sind selbst überrascht und ratlos. Als die spanische Regierung zwei mit Ebola infizierte Geistliche aus Westafrika ausfliegen ließ, betonten die Verantwortlichen, dass das Risiko einer Übertragung minimal sei. In der Quarantäne-Station galten strengste Sicherheitsvorkehrungen. Gewerkschaften beklagten allerdings, dass die Schutzanzüge nicht den höchsten Ansprüchen genügten und die Reinigungskräfte nur in Schnellkursen in die Quarantäne-Vorkehrungen eingewiesen worden seien. "Irgendwo muss es ein menschliches Versagen gegeben haben", sagte der Virologe Luis Enjuanes der Zeitung "El País".

Kann es weitere Fälle von Ebola-Infektionen in Spanien geben?

Die Gesundheitsbehörden schließen das nicht vollkommen aus. Die Pflegehelferin war nach dem Tod des Ebola-Patienten García Viejo am 25. September in den Urlaub gegangen und hatte Kontakt mit einer Reihe von Menschen. Am 30. September stellte sie bei sich leichtes Fieber fest und fühlte sich schwach. Die Mediziner maßen dem jedoch keine Bedeutung bei, weil das Fieber unter 38,6 Grad blieb und die Frau keine Ebola-Symptome aufwies. Erst sechs Tage später wurde sie in Quarantäne genommen, als bei einem Bluttest das Ebola-Virus nachgewiesen wurde. Ein hoher Beamter des Gesundheitsministeriums räumte ein, dass die Frau früher hätte isoliert werden müssen.

Was wird getan, um eine weitere Ausbreitung zu verhindern?

Die Behörden erstellten Listen mit den Namen aller Personen, mit denen die infizierte Frau zuletzt Kontakt hatte. Dazu gehören die etwa 30 Mediziner und Pfleger, die mit ihr zusammengearbeitet hatten, sowie 22 Menschen aus ihrem privaten Umfeld und Mitarbeiter des Krankenhauses in der Madrider Vorstadt Alcorcón, in dem die Virus-Infektion festgestellt wurde. Diese Leute wurden unter Beobachtung gestellt. Der Ehemann der Pflegehelferin kam in Quarantäne.

Wie reagieren die Spanier auf den Fall?

Es herrscht eine gewisse Besorgnis, aber keine Panikstimmung. Politiker der Opposition forderten den Rücktritt von Gesundheitsministerin Ana Mato. Die Behörden wiesen darauf hin, dass die Gefahr einer Infektion gering sei, weil das Virus sich nicht durch die Luft, sondern nur über direkten Körperkontakt oder über Körperflüssigkeiten übertrage. Medien informierten über die Virus-Krankheit. "Der erste Fall einer Ebola-Infektion in Spanien ist kein Grund zur Panik, darf aber auch nicht heruntergespielt werden", betonte "El País" in einem Leitartikel. "Die Panik kann man nur mit umfassender und glaubwürdiger Information bekämpfen."

Hubert Kahl/DPA / DPA