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Fährunglück in Südkorea: Schiffsbetreiber im Visier der Staatsanwälte

Am Wrack der gesunkenen Fähre "Sewol" suchen Taucher weiter nach den Vermissten. 150 Todesopfer sind inzwischen bestätigt. Die Staatsanwälte in Südkorea ermitteln indes gegen den Schiffsbetreiber.

Helfer suchen noch immer nach den Vermissten des Fährunglücks an der Südwestküste Südkoreas. 150 Todesopfer sind inzwischen geborgen worden.

Helfer suchen noch immer nach den Vermissten des Fährunglücks an der Südwestküste Südkoreas. 150 Todesopfer sind inzwischen geborgen worden.

Die südkoreanische Staatsanwaltschaft weitet die Ermittlungen zum Untergang der Fähre "Sewol" aus. Eine Woche nach dem Desaster mit rund 300 Toten und Vermissten durchsuchten die Ermittler zahlreiche Büros des Schiffsbetreibers Chonghaejin Marine. Gegen den Eigentümer Yoo Byung Eun und das Management wird unter anderem wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung und Untreue ermittelt.

Vor der Südwestküste des Landes setzten Bergungsmannschaften ihre Suche nach vermissten Passagieren fort. Taucher ziehen dabei immer mehr Leichen aus dem Wrack. Die Zahl der bestätigten Todesopfer stieg am Mittwoch auf 150. Von den ursprünglich 476 Menschen an Bord - die meisten von ihnen Jugendliche auf einem Schulausflug - gelten mehr als 150 weiter als vermisst. Bei den Tauchgängen wurden bisher keine Überlebenden entdeckt. 174 Menschen hatten bei der Katastrophe am 16. April gerettet werden können.

Wohnungen der Eigentürmer durchsucht

Ziel der Razzien waren außerdem die Wohnungen der Eigentümerfamilie sowie Unternehmen und eine religiöse Gruppe, die mit Chonghaejin Marine in Verbindung stehen. Die Ermittler wollen auch den verborgenen Vermögenswerten nachspüren, damit später Schadenersatz an die Familien der Opfer gezahlt werden kann.

Die Angehörigen der Vermissten hatten gefordert, die Suchaktion in dieser Woche abzuschließen. In der Nähe der Unglücksstelle stehen seit Tagen riesige Schwimmkräne bereit, um das Schiff zu heben.

Anklage wegen Totschlags durch Unterlassen?

Viele Fragen zum Verlauf der Katastrophe sind noch immer offen. Die Ermittler prüften, ob der Kapitän wegen "Totschlags durch Unterlassen" angeklagt werden könne, berichtet der staatliche Sender Arirang. Der 68-jährige Kapitän sitzt neben weiteren leitenden Besatzungsmitgliedern in U-Haft. Ihm wird unter anderem vorgeworfen, fahrlässig gehandelt und das sinkende Schiff mit den Passagieren im Stich gelassen zu haben.

Die Ermittler gehen davon aus, dass die Auto- und Personenfähre während eines Kurswechsels kenterte. Es wird nicht ausgeschlossen, dass die Ladung verrutschte und das Schiff dadurch Schlagseite bekam, bevor es schließlich vollständig auf die Seite kippte und sank.

Es ist die größte Schiffskatastrophe in Südkorea seit mehr als 20 Jahren. Der Untergang einer überladenen Fähre vor der Westküste im Oktober 1993 hatte 292 Menschenleben gekostet.

nck/DPA / DPA