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Brandkatastrophe im Zoo Was sind Himmelslaternen? Und warum sind sie so gefährlich?

Zwei junge Frauen lassen eine große Himmelslaterne steigen
Zwei Teilnehmerinnen an einem Feuerwerk-Festival lassen eine große Himmelslaterne aufsteigen. Es wird vermutet, dass solche Laternen die Brandkatastrophe im Krefelder Zoo ausgelöst haben.
© Picture Alliance
Der verheerende Brand, durch den in der Neujahrsnacht im Krefelder Zoo viele Tiere getötet wurden, soll durch sogenannte Himmelslaternen ausgelöst worden sein. Was hat es damit auf sich?

Mindestens 30 Tiere starben durch das verheerende Feuer im Affenhaus des Krefelder Zoos. Ausgelöst wurde der Brand in der Neujahrsnacht nach Angaben der Polizei durch eine sogenannte Himmelslaterne. Diese hatte den Angaben zufolge die nordöstliche Spitze des Daches des Zoo-Gebäudes getroffen; trockenes Laub könnte zur Entzündung beigetragen haben. Die Verursacher meldeten sich selbst bei der Polizei und waren den Angaben zufolge in dem Glauben, die Laternen seien an Silvester zulässig. Das war ein Irrtum.

Was sind Himmelslaternen?

Bei Himmelslaternen handelt es sich um Lampions in Leichtbauweise mit einer Lichtquelle, die in große Höhen aufsteigen und weite Strecken zurücklegen können. Sie besteht im wesentlichen aus Papier, das auf ein dünnes Drahtgestell gezogen ist, an dem auch die Brandquelle befestigt ist. Die Laterne wurde vor rund 2000 Jahren von dem chinesischen Militärführer Zhuge Liang erfunden und als Signal eingesetzt. Laut der Überlieferung waren Liang und seine Armee von Feinden umzingelt, doch er konnte dank der Lampions Hilfe herbeirufen. Wegen Liangs Rufname Kongming sind die Laternen auch als Kongming-Laternen bekannt. Andere Bezeichnungen sind Himmels-Lampion, Glückslaterne, Wunschlaterne, Himmelskerze oder - im Englischen - Sky-Lantern. In einigen asiatischen Ländern werden sie vor allem zum chinesischen Neujahr traditionell steigen gelassen. Es gibt sie in verschiedenen Größen; die kleinsten können schon von einer Person gestartet werden.

Wie funktionieren sie?

Eine Himmelslaterne funktioniert nach dem gleichen Prinzip wie ein Heißluftballon - dementsprechend gilt sie auch als ältester Heißluftballon der Welt. Eine Feuerquelle am unteren Rand erwärmt die Luft innerhalb des Lampions. Dadurch wird Auftrieb erzeugt, der die Laterne unter Umständen in große Höhen steigen lässt. Gesteuert werden kann das Leichtbau-Lampion nicht, die Flugdauer richtet sich nach der Brenndauer der Wärmequelle. Oder die Himmelslaterne wird durch das Auftreffen auf ein Hindernis jäh gestoppt - etwa durch einen Baum oder ein Gebäude.

"Wir werden euch vermissen!" steht auf einem Zettel vor dem Krefelder Zoo, in dem 30 Affen bei einem Brand starben

Warum sind Himmelslaternen gefährlich?

Von den harmlos wirkenden fliegenden Lampions gehen gleich mehrfach Gefahren aus. Schon beim Entzünden des fragilen Gebildes zum Start besteht Brandgefahr, wodurch umstehende Personen in Mitleidenschaft gezogen werden können. Einmal in der Luft können die Laternen durch einen Windstoß Feuer fangen und abstürzen; ebenso aufgrund undichter Ballonhüllen oder Fallwinde abrupt an Höhe verlieren. Dadurch werden sie zur Gefahr für Bäume und Gebäude - ganz besonders bei großer Trockenheit. Brände verursachen können die Laternen zudem, wenn man sie in Hindernisse hineintreibt. Selbst glühende Reste gelten noch als gefährlich. Weitere Gefahren, die von Himmelslaternen ausgehen: Gefährdung des bodennahen Luftverkehrs, Irritationen von Autofahrern durch herabfallende Leuchten, Kurzschluss an Stromleitungen bis hin zu Magenverletzungen beim Weidevieh durch Teile des Drahtgestells. Außerdem erzeugen Himmelslaternen Fehlalarme bei der Feuerwehr und Ufo-Meldungen.

Sind Himmelslaternen trotz der Gefahren erlaubt?

Paradoxerweise sind Himmelslaternen zwar frei erhältlich (vor allem via Internet, die Warenhauskette Real stoppte den Verkauf am Donnerstag als Reaktion auf den Brand), der Betrieb ist in ganz Deutschland aber verboten. Nachdem die Lampions Anfang der 2000er-Jahre auch in Europa bekannt wurden und ein Verkaufshype einsetzte, wurden rasch die Gefahren deutlich und der Betrieb der Laternen verboten. Vor allem der tragische Unfalltod eines zehnjährigen Jungen aus der Nähe von Siegen um Jahr 2009 trieb die Verbote voran.

Im Prinzip ist es in ganz Deutschland untersagt, Himmelslaternen steigen zu lassen. Die Regelungen in den einzelnen Bundesländern unterscheiden sich im Detail, in den meisten Ländern gilt ein Verbot von Himmelslaternen. In Bayern ist der Gebrauch der Laternen untersagt, Ausnahmegenehmigungen sind zwar vorgesehen, werden aber praktisch nie erteilt. In Berlin ist eine Genehmigung für den Betrieb erforderlich, auch diese wird aber generell nicht erteilt - wegen Gefährdung des Luftverkehrs und Waldbrandgefahr. In Sachsen-Anhalt fallen Himmelslaternen unter die Gefahrenabwehrverordnung zur Verhütung von Bränden durch die Benutzung von Ballonen. Thüringen hat das Aufsteigenlassen von Himmelslaternen mit bis zu 5000 Euro Bußgeld belegt.

Ein Mann in schwarzer Windjacke betrachtet die verkohlten Trümmer des Affen-Tropenhauses im Zoo Krefeld

Auch in Österreich sind Himmelslaternen grundsäzlich verboten. Im Gegensatz zur Schweiz. Dort darf man die Laternen aufsteigen lassen - allerdings grundsätzlich nicht im Umkreis von fünf Kilometern zu einem Flugplatz. Strengere Vorschriften existieren lediglich in einzelnen Kantonen oder Gemeinden.

Wer muss für durch Himmelslaternen verursachte Schäden haften?

Wer Himmelslaternen steigen lässt, muss auch für einen eventuell durch diese Laternen verursachten Schaden aufkommen. Im Fall des abgebrannten Affenhauses im Krefelder Zoo wird den drei Frauen, die die Laternen haben aufsteigen lassen, fahrlässige Brandstiftung vorgeworfen. Zu den möglichen Strafen gehören eine Geldstrafe oder Haft bis zu fünf Jahren. Hinzu dürften Schadensersatzforderungen unter anderem für das zerstörte Gebäude und die getöteten Tiere in bisher unbekannter Höhe kommen. 

Quellen: himmelslaterne.info,  RTL, "Redaktionsnetzwerk Deutschland", Wikipedia


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